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"Zwölf Meter ohne Kopf" : Die Piraten im Hintergrund

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Lukas Eylandt und Johannes Walter hatten eine einmalige Chance: als Komparsen durften sie im neuesten Störtebeker-Film "Zwölf Meter ohne Kopf" mitwirken.

shz.de von
erstellt am 28.Nov.2009 | 05:33 Uhr

Husum | Wenn in zwei Wochen das erste Mal "Zwölf Meter ohne Kopf" über die Leinwand eines deutschen Kinosaals flimmern wird, werden sie mit dabei sein - sehen allerdings, werden sie es wohl nicht können: Lukas Eylandt und Johannes Walter. Den 18- und 17-jährigen Gymnasiasten aus Satrup ist es zwar gelungen, eine Komparsen-Rolle vor der Kamera für den neuesten Piraten-Streifen zu ergattern. Karten für die Deutschland-Premiere am 9. Dezember in Husum hingegen gab es für sie nicht mehr. "Schade", meinen die beiden einmütig. Aber fast schon egal angesichts des riesigen Glücks, "überhaupt bei einer solch großen Produktion mitwirken zu dürfen!"
Vor etwas mehr als einem Jahr begann das Abenteuer der beiden Laienschauspieler. Beim Sommertheater auf dem Scheersberg ist Lukas Eylandt gefragt worden, ob er nicht Lust hätte, an einem Casting zu der geplanten Störtebeker-Produktion unter der Regie von Sven Taddicken teilzunehmen. Klar wollte er - und fuhr zum Drehort nach Port Olpenitz. In einem fast leeren Raum, in dem sich neben der Kamera noch ein Seil, ein Schwert und eine stilisierte Reling befanden, sollte er mit einem weiteren Anwärter spielen, dass Flaute sei, sich plötzlich ein Schiff am Horizont abzeichnete und endlich zum Angriff geblasen würde. Das Ganze wurde von einer Kamera aufgezeichnet.
"Unglaublich, wie viele Details bei so einem Dreh zum Tragen kommen"
Eylandt muss seine Sache sehr gut gemacht haben, denn nur wenig später kam der Anruf, dass er in die Mannschaft von Klas Störtebeker (Ronald Zehrfeld) aufgenommen worden sei. 13 Drehtage an der Seite von Zehrfeld und Matthias Schweighöfer (Gödeke Michels) standen dem Schüler nun bevor. Vorher allerdings musste die Schule ihr ok geben. Schließlich einigte man sich darauf, dass Lukas Eylandt die Drehtage frei bekäme, an den drehfreien Tagen in den dafür angesetzten vier Wochen aber in der Schule zu erscheinen habe.
Das tat der blonde, junge Mann auch - wenngleich er den Piraten in dieser Zeit nie so ganz abzulegen vermochte. "Das lag an der wasserfesten Farbe, mit der wir jeden Drehmorgen geschminkt wurden", grinst er. Gegen 6.30 Uhr habe die Piratenkogge den Hafen für einen neuen Drehtag verlassen. Zuvor war jedes Mitglied der Mannschaft bis ins letzte Detail geschminkt worden: Mit wasserfester Farbe wurde Dreck unter den Fingernägeln simuliert, eine andere Spezialfarbe schwärzte nach einem vorgegebenen Muster die Zähne - schließlich hatten die Menschen damals deutlich schlechtere Zähne als heute -, die Kleidung wurde bis auf die Unterhose dem Jahre 1401 angepasst, jeder Beutel, jedes Tuch musste an genau die Stelle zurück, an der es am Tag zuvor gesteckt hatte. "Es ist unglaublich, wie viele Details bei so einem Dreh zum Tragen kommen", zeigt sich Lukas Eylandt auch heute noch beeindruckt.
Spezielle Kamera-Filter ließen das Wetter immer gleich aussehen
Bis zu 40 Menschen hätten sich hinter der Kamera auf der kleinen Kogge gedrängt, um die Hauptdarsteller und ihre Mannschaft aus 14 Komparsen richtig in Szene zu setzen. "Es gab Requisiteure, Maskenbildner, Menschen, die kleine Tafeln anfertigten, auf denen jeder mit seiner genauen Position vermerkt wurde, damit am nächsten Tag entsprechend weitergedreht werden konnte", berichtet der Laiendarsteller.
Überhaupt diese Details! "Da gab es die Kogge und ein Boot für die Kamera. Und einmal kam ein drittes Schiff dazu. Das fuhr parallel zu uns und hatte nur die eine Aufgabe, dass wir alle, die wir uns an der Reling standen und guckten, auch wirklich denselben Punkt fixierten", erzählt Eylandt, der später einmal Kameramann werden möchte. Oder das Wetter: Spezielle Kamera-Filter ließen es immer gleich aussehen, obwohl es an manchen Drehtagen genieselt und an anderen die Sonne geschienen habe. In den entsprechenden Szenen sei von diesen Wechseln nichts zu bemerken.
"Jede Kiste war originalgetreu nachgebaut"
Auch Johannes Walter haben die vielen Details am Set beeindruckt. Wie die Tatsache zum Beispiel, dass die Koggen im Inneren vollständig tapeziert gewesen seien, damit sie möglichst alt und echt wirkten. "Die haben zum Teil jede Holzfaser nachgezeichnet und jede Kiste war originalgetreu nachgebaut, damit auch wirklich alles so aussieht wie 1401."
Walter möchte auch einmal zum Film. Er hatte eine kleinere Rolle als Lukas Eylandt inne, war nur an einem Tag zum Drehen vor Ort. Und: der Freund spielte in der gegnerischen Mannschaft. Als Mitglied der Hanse hat er die Piraten gejagt, sogar eine Kanone auf die Spießgesellen gezündet.
"Den Film werde ich bestimmt vier-, fünfmal sehen"
Das Faszinierendste für Walter aber kam in dem Moment, als er die Kanone auf das gegnerische Schiff abfeuern sollte: "Ich habe immerzu gewartet, dass nun endlich das andere Schiff käme. Es kam aber nicht. Stattdessen sollte ich in die Luft schießen. Die haben das gefilmt und hinterher so zusammengeschnitten, dass es nach einer Seeschlacht aussieht."
Ob das gelungen ist und wirklich nichts von den Schnitten zu erkennen ist, wissen die beiden Freunde noch nicht. Sie haben den Film selbst noch nicht gesehen. "Nur Trailer. Sobald ein neuer ins Internet kommt, schaue ich ihn mir an", sagt Lukas Eylandt mit leuchtenden Augen. Er freut sich schon riesig darauf, "Zwölf Meter ohne Kopf" endlich zusammen mit Johannes Walter im Kino zu sehen. "Das wird bestimmt so: ,Da! Das bist Du! Ach nee - aber da!", prophezeit er. Und sicherlich werde es bei diesem Film nicht bei einem Kinobesuch bleiben. "Den werde ich bestimmt vier-, fünfmal sehen. Mit Familie, Freunden und so. Ist ja klar", meint Lukas Eylandt, Johannes Walter nickt dazu. An der Premiere jedoch werden die beiden wohl nur auf der Leinwand teilnehmen. Aber dann, dann sitzen sie ganz gewiss in der ersten Reihe.

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