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Schleswig-Holstein

12. Dezember 2017 | 15:13 Uhr

Naturdokumentation : Die Ostsee im Kino

vom

"Die Nordsee von oben" war die erfolgreichste Naturdokumentation des Jahres 2011. Jetzt haben ihre Macher, Silke Schranz und Christian Wüstenberg, nachgelegt.

shz.de von
erstellt am 27.Mai.2013 | 04:13 Uhr

Die Welt von oben scheint ein echtes Erfolgsrezept zu sein. Wissen Sie eigentlich, woher der Begriff "blauer Planet" kommt?
Wüstenberg: Oh, eine Quizfrage: Ich denke, weil die Erde zu über 70 Prozent mit Wasser bedeckt ist. Wasser absorbiert alle Farben aus dem Spektrum und reflektiert nur Blau, wenn das Wasser tief ist. Oder soll ich doch lieber den Telefon-Joker nehmen?
Nicht nötig. Die Auflösung gibt’s gratis: Es war Juri Gagarin, der erste Mann im All. "Die Nordsee von oben" war ein Riesen-Erfolg, die meistgesehene Naturdokumentation des Jahres 2011. Anlass genug, jetzt mit der Ostsee nachzulegen?
Schranz: Ja klar. Die Nordsee von oben lief super in ganz Deutschland, und wir haben unendlich viele Zuschriften von Leuten bekommen, die an der Osteeküste wohnen oder dort Urlaub machen - nach dem Motto: Wann kommt denn endlich die Ostsee ins Kino?
Was macht die Vogelperspektive so faszinierend, und wie wichtig war die Helikopter-Kamera Cineflex?
Wüstenberg: Die ungewöhnliche Perspektive bringt die Zuschauer zum Staunen. Die meisten Ostsee-Anrainer glauben ja, dass sie ihre Heimat kennen. Wenn sie dann aber aus dem Kino kommen, sagen die meisten: Ich hätte nie gedacht, dass ich so viel Neues über die Küste vor meiner Haustür erfahre und dass die Bilder so exotisch sind.
Wie muss man sich das in der Praxis vorstellen? Sie mieten neben Helikopter und Kamera auch Pilot und Kameramann, die die Ostsee dann nach ihren Vorstellungen und Recherchen überfliegen? Saßen Sie selbst eigentlich auch mit im Hubschrauber?
Wüstenberg: Wir sind die Autoren des Filmes. Wir haben Regie, Schnitt, Recherche, Text und Vertonung gemacht. Knapp zwei Jahre Arbeit liegen hinter uns. Für die Kameraaufnahmen ist unser Mitproduzent Peter Bardehle verantwortlich, der Cineflex-Operator Klaus Stuhl und natürlich der Hubschauberpilot.
Nach welchen Kriterien haben Sie die Motive ausgesucht?
Wüstenberg: Es sollten bekannte Motive sein wie Lübeck oder der Königsstuhl auf Rügen, die die Zuschauer aus der ungewohnten Perspektive völlig neu entdecken. Auf der anderen Seite zeigt der Film unbekannte Orte wie kleine Grasinseln oder Strukturen, die nur aus der Vogelperspektive sichtbar werden, wie zum Beispiel ausgebaggerte Fahrrinnen oder unberührte Naturschutzgebiete.
Sie sind selbst auch gelernte Kameraleute. Wie schwer war es, aus 40 Stunden Filmmaterial 90 Minuten Film zu machen?
Schwer ist es nicht unbedingt, wenn man’s kann. Es ist nur ein verdammt langer Prozess . . .
Was waren die größten Schwierigkeiten bei der Realisierung des Films?
Silke Schranz: Schietwetter und Mücken. Da der Hubschrauber über Naturschutzgebieten eine vorgeschriebene Flughöhe einhalten muss, sähe man bei schlechtem Wetter keine Landschaft, sondern nur tief hängende Wolken. Nur bei Sonnenschein kommen die tollen Türkis-Töne des Wassers zur Geltung. Wenn Mücken während des Fluges ans Objektiv klatschen, muss der Hubschrauber landen und der Kamermann das Objektiv putzen. Das kostet viel teure Zeit.
Sie haben Reisefilme über Australien, Neuseeland und Portugal gedreht. In diesem Fall sollte es etwas anderes sein. Sie sprechen selbst von einem Heimatfilm. Warum?
Wüstenberg: Ganz einfach: Weil die Zuschauer ihre Heimat sehen. Mit Heimat meinen wir übrigens nicht die dumpfbackige-Nationalstolz-Heimat, sondern den Ort, an dem sich Menschen zu Hause fühlen und wo sie verwurzelt sind. Durch den Alltag kann es sein, dass man seine Heimat vielleicht etwas unspannend findet. Durch unseren Kinofilm empfinden viele Menschen wieder so etwas wie Ehrfurcht und Respekt vor dieser wunderschönen Natur und sind viel eher bereit, diese tolle Heimat zu schützen und zu bewahren.
Filme zu machen ist ja in der Vergangenheit nicht leichter geworden. An diesem haben Sie eineinhalb Jahre gearbeitet. Aber wovon haben Sie in dieser Zeit gelebt?
Silke Schranz und Christian Wüstenberg: Gelebt haben wir von der Auswertung unser bisherigen Filme. Es ist zwar kein einfaches Geschäft, aber eines, das uns unendlich viel Spaß macht.
(An Wüstenberg): Warum enthält uns die "Nordsee von oben" eigentlich ihren Heimatort Otterndorf vor?
Wüstenberg: Zwischen Cuxhaven und Stade war leider der Akku leer und musste gewechselt werden. Als die Kamera dann wieder lief, war der Hubschrauber schon kurz hinter Otterndorf . . .
Nord- und Ostsee von oben sind Ihnen ja inzwischen bestens vertraut. Nutzen Sie die Promotion-Tour für Ihren Film auch dazu, die Orte und Landschaften im Land zwischen den Meeren mal aus der Nähe kennenzulernen?
Schranz: Ja, das ist toll. Viele Orte kannten wir ja schon, aber während unserer Kino-Tour fahren wir alle nochmal ab, denn wir sehen sie mit völlig anderen Augen, seit wir sie jetzt auch aus der Luft kennen.
Nord- und Ostsee sind passé. Kommt jetzt die Südsee von oben"?
Wüstenberg: Nein, wir machen erstmal einen netten Urlaub ohne Kamera und widmen uns dann wieder einem neuen Projekt, das wir allerdings noch nicht verraten können, da gute Konzepte heutzutage ja sofort kopiert werden . . .
Urlaub ganz ohne Kamera. Geht das überhaupt?
Schranz: Ja, wir sind zwar leidenschaftliche Filmemacher aber keine Workaholics.

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