Kinder- und Jugendtelefon in SH : Die Nummer gegen Kummer hilft Schülern und Eltern bei Zeugnissorgen

Schlechte Noten müssen nicht heißen, dass das Kind unbegabt in einem Fach ist: Ein Beratungsgespräch kann helfen, die eigentlichen Probleme zu finden.
Schlechte Noten müssen nicht heißen, dass das Kind unbegabt in einem Fach ist: Ein Beratungsgespräch kann helfen, die eigentlichen Probleme zu finden.

Wer unglücklich mit dem Zeugnis ist, kann sich anonym und unkompliziert beraten lassen. Mehr als 25.000 Mal klingelt pro Jahr das Telefon der Beratungsstelle des Kinderschutzbunds.

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27. Januar 2017, 14:09 Uhr

Heute hat es Hochkonjunktur: das Kinder- und Jugendtelefon des Kinderschutzbunds in Schleswig-Holstein. Geschaltet ist die Hotline zwar das ganze Jahr – „doch wenn es Zeugnisse gibt, dann richten wir uns auf besonders viele Anrufe ein“, sagt Koordinatorin Kerstin Großmann. Und an diesem Freitag ist es wieder so weit: Das erste Schulhalbjahr endet – und die Pennäler kommen mit den Noten dafür nach Hause. Sind die alles andere als gut ausgefallen und der Gesprächsfaden zu den Eltern schlecht – dann kann ein Anruf bei der Nummer gegen Kummer ein Einstieg sein, um eine Wende zum Besseren einzuleiten.

Das Kinder- und Jugendtelefon ist kostenfrei und anonym unter 116111 erreichbar: Montag bis Freitag von 14 bis 20 Uhr und sonnabends von 14 bis 20 Uhr. Das Elterntelefon ist erreichbar: Montag bis Freitag von 9 bis 11 Uhr und Dienstag und Donnerstag von 17 bis 19 Uhr unter  0800 – 111 0 550. Das Kinder- und Jugendtelefon hat Standorte in Bargteheide, Kiel, Lübeck und Neumünster, das Elterntelefon in Bad Oldesloe, Kiel, Neumünster und Neustadt. Das Anrufe-Aufkommen wird auf die Beratungsteams in den verschiedenen Städten verteilt.  Auch eine Beratung per Mail ist möglich. Einen Zugang dafür gibt es über www.nummergegenkummer.de

„Je länger ein Gespräch dauert, desto mehr Baustellen tun sich oft auf – aber es ist wichtig, sie alle in den Blick zu nehmen“, erklärt Großmann. „Bei einer Vier in Mathe kann ich nicht zwingend davon ausgehen, dass die betreffende Person grundsätzlich schlecht in Mathe ist. Oft ist ein schlechtes Zeugnis ein Symptom für anderes.“ Etwa für die Instabilität, die die Trennung von Eltern oder Mobbing durch Klassenkameraden in das Leben eines Schülers gebracht hat. Oder für Ausreißer, die die Pubertät mit sich bringt. „Wobei es rein schulische Probleme natürlich auch gibt“, wie Großmann betont.

Ein Gespräch mit ihr kann ein erster Schritt sein: Kerstin Großmann möchte Schülern helfen.
shz

Ein Gespräch mit ihr kann ein erster Schritt sein: Kerstin Großmann möchte Schülern helfen.

 

Um Probleme anzupacken, versuchen die Berater, die Anrufer zu einer eigenen Entscheidung zu lotsen. Großmann beschreibt diesen Schritt in zwei Stufen: „Erst die Selbstreflexion ansprechen, dann die Selbstwirksamkeit aktivieren.“ Die dazu nötigen Kräfte habe jeder in sich – aber mitunter müssten sie erst geweckt werden.

20 erwachsene Ehrenamtler wechseln sich werktags am Kieler Kinder- und Jugendtelefon ab. 20 weitere im jugendlichen Alter sind sonnabends erreichbar – für die, die sich lieber von Teenie zu Teenie aussprechen.

Alle Berater haben mehrere Schulungen durchlaufen; bei den Erwachsenen reicht die Spannbreite der Berufe von der Verwaltungsangestellten bis zum Agraringenieur. Auch mehrere Studenten sind dabei, vor allem aus sozialen und pädagogischen Studiengängen. Insgesamt melden sich deutlich mehr Frauen als Männer zum Dienst fürs Zuhören – obwohl unter den Anrufern inzwischen die Jungs leicht in der Mehrzahl sind. Großmann erklärt den Wandel damit, „dass sich das Männerbild ändert, Jungen heute mehr über sich selbst sprechen als in den Vorgänger-Generationen“.

Auch wenn die Eltern nicht selbst ein Zeugnis bekommen, so steigt auch bei ihnen das Redebedürfnis, wenn es für Sohn oder Tochter nicht gut gelaufen ist. Deshalb gibt es beim Kinderschutzbund inzwischen auch ein Eltern-Telefon mit ebenfalls 20 Ehrenamtlern. „Wer da anruft, kann Hilfe erhalten, wie sich gegenüber dem Kind Trost und Zuversicht aufbauen lassen, damit das nächste Zeugnis besser wird“, bietet Kerstin Großmann an.

Am Kinder- und Jugendtelefon wurden 2015 – das ist das Jahr mit der aktuellsten ausgewerteten Statistik – in Schleswig-Holstein 25.603 Anrufe gezählt, davon 6829 längere Beratungen. Am Elterntelefon gingen 1386 Anrufe ein, 634 davon ausführliche Beratungen.
 

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