Alles rund um die Bienen : Die Kunst des Honigmachens: Imkern als Freizeitbeschäftigung

Aus den Wachswaben lässt sich so einiges ablesen. Die Kursteilnehmer der Imkerschule in Bad Segeberg versuchen sie zu entziffern.
Aus den Wachswaben lässt sich so einiges ablesen. Die Kursteilnehmer der Imkerschule in Bad Segeberg versuchen sie zu entziffern.

Damit die Hobby-Imker wissen, worauf sie achten müssen und wie sie ihr Bienenvolk pflegen, drücken sie wieder die Schulbank.

shz.de von
23. August 2018, 13:28 Uhr

Bad Segeberg | Draußen sind es mehr als 30 Grad und der Himmel ist wolkenlos. Doch das interessiert in der Imkerschule in Bad Segeberg keinen. Die Plätze im Schulungsraum sind alle besetzt, die Vorhänge zugezogen, und wer zu spät kommt, findet nur noch einen Notsitz an der Seite.

Noch vor gut einem Jahrzehnt bekam der Verein vielleicht einen Kurs im Jahr voll. 2018 sind es schon sechs, die Nachfrage wächst. „Imkern ist total in“, sagt Undine Westphal und erklärt sich das unter anderem mit der aktuellen Sorge um das große Bienensterben hierzulande.

Honig-Zertifikat

Die Dozentin an Schleswig-Holsteins einziger Imkerschule – ein gemeinnütziger Verein – lehrt angehenden Honigbesitzern das Basiswissen. Zudem unterrichtet sie regelmäßig Kinder in der Bienenbiologie. In den nächsten Wochen werden die Kursteilnehmer an sechs Nachmittagen das Imker-Einmaleins vermittelt bekommen, bevor es das Honig-Zertifikat gibt. Einige sind pure Anfänger, andere haben schon eigene Völker.

Bevor es in die Tiefe des Imkerns gehen kann, muss das Basiswissen sitzen. Wie sieht das Insekt überhaupt aus? Wie funktioniert das mit der Kopfdrüse und dem Honigmagen? Und wie unterscheidet sie sich eigentlich von der Wespe. „Bienen sind braun und relaxter als die Wespe“, erklärt sie und „Biene Maja ist also gar keine Biene.“ Auch klärt sie Mythen um Allergien auf. „Dass Körperteile nach einem Stich massiv anschwellen, kann normal sein. Bei Allergien allerdings sind die Schleimhäute betroffen.“

Imker werden kaum gestochen

Doch die Segeberger-Bienen-Linie ist tiefenentspannt. Die Schulvölker im Bienenhaus lassen sich von Besuch nicht so schnell aus der Ruhe bringen. Um ihr Zuhause, die sogenannte „Beute“ zu öffnen, zündet Undine Westphal einen Eierkarton an und lässt den Rauch ins Innere ziehen. „Dadurch verdrücken sich die Bewohner Richtung Honig und werden ruhiger; das fügt ihnen aber keinen Schaden zu“, erklärt sie.

Zwar trägt sie wie ihre Schüler einen Imker-Hut, aber keine Handschuhe. „Meistens wird man nicht beim Imkern gestochen. Bienen spüren jedoch, wenn man nervös ist. Wenn man den Kopf voll hat, sollte man besser vorher noch eine Tasse Tee trinken.“ Dennoch ist Undine Westphal mehrmals schon gestochen worden. „Mit der Zeit sensibilisiert man seinen Körper und er reagiert immer weniger darauf.“ Eiswürfel und Zahnpasta können helfen. „Bienengift entspannt unsere Muskeln, das ist besser als jedes ABC-Pflaster. Außerdem bekommen Imker selten Rheuma“, fügt sie mit Augenzwinkern hinzu.

Bienen stechen nur in Gefahrensituationen

Bienen fahren ihren Stachel ohnehin nur aus, wenn sie auf Alarm fliegen und sich bedroht fühlen. Schließlich endet für sie selbst ein Stich tödlich. Wer Hausfriedensbruch betreibt, wie zum Beispiel die Hummel, wird im wahrsten Sinne des Wortes gekocht und nicht erstochen. „Bienen halten höhere Temperaturen als ihre Artgenossen aus und erzeugen durch ihre Flugmuskaltur so viel Wärme, bis der Eindringling gegart ist.“

Die routinierte Imkerin erklärt ihrer Klasse den Lebenszyklus und Jahreslauf einer Biene: 21 Tage braucht sie bis sie schlüpft. 30 Tage wird sie alt, bevor sie vor Erschöpfung tot umfällt. Gerade eben auf der Welt, bekommt sie gleich einen Job als Putzfrau. Erst ab dem 20 Tag ist die Arbeiterin soweit ausgewachsen, dass sie raus zum Nektar sammeln kann, geschlafen wird übrigens nie. „Sie machen höchstens kurz die Augen zu“, sagt die Imkerin.

Bienen haben ein eingebautes GPS

Eine Biene hat ein eingebautes GPS mit einer Reichweite von drei Kilometern, und so findet sie immer wieder nach Hause zurück. Jede Arbeiterin legt in ihrem kurzen Leben etwa 8000 Kilometer zurück. Für 500 Gramm Honig müssen die Sammelbienen eines Volkes ungefähr 120.000 Kilometer weit fliegen. Also dreimal um die Erde.

Königin gebärt Nachfahren

Aus Maden, die reichlich mit dem Powerfood „Gelee Royal“ gefüttert werden, schlüpft später eine Königin. Während ihrer Regentschaft legt sie bis zu 120.000 Eier im Jahr. „Weil sie ständig schwanger ist, ist sie zu schwer fürs Fliegen“, erklärt Westphal. Dafür wird eine Königin bei guter Pflege durch ihre Untertanen bis zu sieben Jahre alt. „Ist die Königin krank oder tot, gehen im sonst so gut organisiertem Volk die Probleme los“, gibt die Imkerin mit auf den Weg.

Der dritten Bienenart – den Drohnen – kommt nur die Rolle des Begattens zu. Hat die Drohne ihre Aufgabe erfüllt und stirbt nicht gleich nach dem Akt, wird sie einfach aus ihrem Heim herausgefegt. „Drohnen verbrauchen viel Energie und sind sonst zu nichts nütze“, ergänzt Undine Westphal. Im Schnitt besteht ein Bienenvolk aus 30.000 Arbeiterinnen, im Sommer können es mehr werden.

Imkern als Meditation

Im ersten Anlauf steht für die 26 Männer und Frauen im Imkerkurs ziemlich viel Theorie auf dem Stundenplan, bevor es ans Eingemachte geht. So bringt die Lehrerin beispielsweise Waben im Fotodruck mit und zeigt, was man aus den verschiedenen Situationen herauslesen kann. „Bienen hinterlassen uns Zeichen, man muss sie nur lesen können.“

Für mehr als 70 Prozent der Hobby-Imker spiele der ökologische Gedanke eine große Rolle. „Der Honig ist meist nur ein Nebenprodukt“, weiß Undine Westphal. Viel verdient wird am Verkauf von Honig ohnehin nicht und häufig sei die Zucht von Völkern und Königinnen lukrativer. Für Undine Westphal jedoch hat das Imkern mehr eine meditative Bedeutung. „Bienen strahlen eine unglaubliche Ruhe aus und machen uns irgendwie zu besseren Menschen.“
 

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