Kreative aus Flensburg : Die Kunst als Baustelle

„Autokino“ im Zeughaus in Flensburg: Die Hamburgerin Dorothee Mügge trug in himmelblau zur Kunst-Baustelle Leben 2009 bei.
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„Autokino“ im Zeughaus in Flensburg: Die Hamburgerin Dorothee Mügge trug in himmelblau zur Kunst-Baustelle Leben 2009 bei.

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11. Januar 2011, 06:43 Uhr

Flensburg | Die Keimzelle ist eine alte Schule. Sie steht im Norden Flensburgs an der steilen Duburger Straße, stand leer, bis Künstler die Klassenräume im Sommer 2006 in Ateliers verwandelten. Heute werkeln 18 Nutzer darin. Die Kunst- und Kulturinitiative (KKI) sei regelrecht "ins Leben gepoltert", erinnert sich Lothar Hugo Baur. Zum Teil sei das Nis-Momme Stockmann zu verdanken, der heute bundesweit Furore macht als Dramatiker und damals den Mut hatte, die Zwischennutzung zu unterschreiben.

Die KKI gedeiht prächtig, lässt Ableger sprießen und befruchtet Kooperationen. Ein vernachlässigtes Bankgebäude an der Neustadt sowie das in milden Monaten genutzte Zeughaus in der Harrisleer Straße in Flensburg sind weitere Horte der Kreativität - Kunst-Baustellen gewissermaßen. So heißen die jährlich wiederkehrenden Experimentierfelder von zehn Tagen, die in den ersten beiden Jahren jeweils 600 Besucher anzogen; die "Kunstbaustelle Mikro Makro" mit Beiträgen deutscher und polnischer Künstler im Vorjahr sahen 280 an drei Tagen, weiß Baur. Diese hatte sich der Aufgabe gestellt, "die etwas eingeschlafenen Beziehungen zwischen Kunstschaffenden in den Partnerstädten Flensburg und Slupsk (Stolp) aufzufrischen". Der Süddeutsche, der 1954 unweit vom Bodensee geboren wurde, identifiziert Städtepartnerschaften als "offene Baustelle".

"Für 2011 will und muss sich die Kunst-Baustelle wieder neu erfinden", kündigt Baur an. Die neueste soll sich "Sound Art" widmen - von "experimentellem Jazz" bis "Noice-Art". Frische Kontakte zu dänischen, polnischen und deutschen Soundart-Künstlern werden dabei helfen. Nicht selten bringen sich die Kreativen lediglich für Fahrtkosten, Unterkunft und PR in solche Festivals ein, beobachtet Baur und lobt das Engagement der Kollegen.

Aus dem Projekt "Kunst-Baustelle Leben" im Jahr 2009 erwuchs schließlich auch der Verein 8001, dem Baur vorsteht. Vorhaben wie die Kunst-Baustellen, Stadtteilarbeit und Kunstvermittlung sehen die 13 Mitglieder als Aufgabenfelder. Kirsten Piper sagt, dass die Mitstreiter "Nischen füllen und ausbreiten" wollen. Lothar Hugo Baur, der neben all seinen Aktivitäten Kulturmanagement studiert, begründet die Vereinsgründung so: "Wir brauchten eine Plattform, um wahrgenommen zu werden", und zwar nicht nur als Kreative, sondern auch als Subjekt, das Anträge stellt. Dies sei nicht selten "mit Niederlagen verbunden", sagt Baur. Dennoch empfindet Piper, die als Künstlerin und Lehrerin in Schleswig wirkt, die Signale der Stadt Flensburg als ermutigend.

Finanzen sind ein Thema. Deshalb habe der Verein kürzlich einen Kulturfonds eingerichtet. In diesen fließen nicht nur Spenden und Mitgliedsbeiträge. Auch der Erlös, und zwar 70 Prozent verkaufter Objekte, die Künstler bei Veranstaltungen zur Verfügung stellen, erhält der Verein, 30 Prozent der Künstler. "Das nützt dem Stadtteil", betont Baur, und nicht nur dem.

www.achttausendeins.de

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