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Ladendiebstahl : Die Hochzeit der Langfinger

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Das Gedränge zieht traditionell auch unerwünschte Gäste an - Weihnachten ist die Hochzeit der Ladendiebe. Doch die Geschäfte rüsten mit High-Tec gegen Langfinger & Co.

Flensburg | Eine kurze Bewegung im Vorbeigehen - und schon ist das Edel-Top aus dem Regal verschwunden und in der Umhängetasche versteckt. Auf der Kundentoilette ein schneller Check, keine elektronische Sicherung zu erkennen. Routiniert gelassen verlässt die junge Frau das Geschäft - und wird vom Alarm an der Tür überrascht.
Kein Einzelfall. Im Kampf gegen Ladendiebe rüsten die Einzelhändler im Norden mächtig auf. Von elektronischen Signalgebern über Sicherheits-Etiketten und Videokameras bis hin zu Farbbomben und Selbstzerstörungsmechanismen - zum Hochfest der Einkaufsfreude fahren Einzelhändler und Ladendetektive alles Verfügbare auf, um den Langfingern die Klau-Freude zu verderben.

300 Millionen Euro Schaden durch Diebstahl

Warensicherung, Kontrolle der Eingangstüren, zusätzliche Security und Detektive - 96 Millionen Euro investieren die norddeutschen Händler jährlich in entsprechende Technik und Extra-Personal, bundesweit sind es 1,2 Milliarden.
"Im letzten Jahr haben wir über 30.000 Fälle von Ladendiebstahl gezählt. Der Schaden erreichte eine Summe von über 300 Millionen Euro", bilanziert Monika Dürrer, Geschäftsführerin des Einzelhandelsverbandes Nord, zuständig für Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern. Auch wenn der Verband auf Grund von Prävention und Aufklärung eine leicht sinkende Tendenz bei Ladendiebstählen erkennen kann, bleibt die Weihnachtszeit eine Klau-Hochzeit.

Leggins unter die Jeans

"Offene Präsenz schreckt am meisten ab, Ladendiebe fürchten nichts so sehr, wie bloßgestellt zu werden", sagt Dürrer und erklärt die Mehrfachstrategie der Händler. Neben dem Einsatz von Videokameras und Ladendetektiven schrecken insbesondere helle und ausgeleuchtete Verkaufsräume die Langfinger ab, dunkle Ecken locken sie eher an. "Wichtig ist auch, dass wir in jedem Geschäft mit entsprechenden Hinweisschilder deutlich machen, dass jeder Diebstahl angezeigt wird. Da gibt es eine Null-Toleranz-Linie", bekräftigt Dürrer. Hinzu kämen ständige Schulungen des Personals, nichts sei so präventiv wie aufmerksame Verkäufer. Allerdings, "wenn Weihnachten die Augen unserer Mitarbeiter bei noch mehr Kunden sind, können sie nicht bei den Ladendieben sein".
Besonders beliebt bei Langfingern sind besonders hochwertige Technik und alles, was klein und handlich ist. Telefone und Parfüme führen die Klau-Hitliste an, bei Kleidung geht alles, was "unterzuziehen" ist. "Das Pelzjäckchen unter den weiten Mantel, die Leggins unter die Jeans", weiß Monika Dürrer.

Taschendiebe unterwegs

Und sie nennt noch einen Trend. Immer öfter würden sich Ladendiebe nicht nur an den Waren vergreifen, sondern auch am Eigentum anderer Kunden. Insbesondere Taschendiebe gehen in der Adventszeit in Teams von mehreren Tätern regelrecht arbeitsteilig vor, warnt Andreas Mayer von der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes.
Opfer würden fast ausschließlich Frauen. Die Täter machten sich das Gedränge der Weihnachtsmärkte und Sonderverkaufsstände zu nutze. Hier helfe nur, Taschen und Rucksäcke verschlossen zu halten, aufmerksam und gegenüber Fremden in einem gesunden Maße vorsichtig zu sein.

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erstellt am 03.Dez.2012 | 12:01 Uhr

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