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Schleswig-Holstein

21. Oktober 2017 | 20:09 Uhr

Winterreifen : Die Glätte kommt bestimmt

vom

Noch zeigt das Thermometer zweistellige Temperaturen an. Aber das kann sich ganz schnell ändern. Wer sein Auto jetzt mit Winterreifen ausstattet, vermeidet lange Schlangen in der Werkstatt. Die Schleswig-Holsteiner sind bereits gut davor.

shz.de von
erstellt am 22.10.2013 | 00:00 Uhr

Die milden Temperaturen sprechen zwar eine andere Sprache. Aber wer sich jetzt entscheidet, an seinem Auto Winterreifen aufziehen zu lassen, liegt laut Kfz-Verband Schleswig-Holstein genau richtig. „Rüstet jetzt um, das ist bestimmt kein Nachteil“, appelliert Martin Seydell, Leiter der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit, an die Autofahrer. Denn morgens und abends zeigen die Thermometer bereits niedrige Werte an. Und Winterreifen sind ab Werten unter sieben Grad Außentemperatur durchaus nützlich, meint der ADAC. „Im Moment sind wir an der Grenze. Es ist also sinnvoll, sich jetzt um den Reifenwechsel zu kümmern", sagt Ulf Evert, Sprecher des ADAC Schleswig-Holstein.

Wer in diesen Tagen einen Termin mit seiner Werkstatt vereinbart, vermeidet außerdem lange Wartezeiten. Darum geht es auch dem Kfz-Verband. „Wir wollen lange Schlangen verhindern“, sagt Seydell. Trotz aller Aufrufe kommt es aber erfahrungsgemäß doch anders. Das komme jedes Jahr ganz unverhofft – wie Weihnachten, wenn kurz vor dem Fest noch keine Geschenke gekauft sind, meint Seydells Kollegin Maria Scharrenberg. Übertragen auf den Reifenwechsel: „Wenn es erstmals friert, kommt ein großer Berg an Menschen, die umrüsten möchten“, sagt sie.

Die Autofahrer aus Schleswig-Holstein seien in diesem Jahr allerdings sehr vernünftig, berichtet der Kfz-Verband. Etwa 25-30 Prozent der Kfz-Betriebe im Land hätten die Pkw ihrer Kunden in dieser Saison bereits mit Winterreifen ausgestattet. „Das ist ein toller Wert“, sagt Seydell.

Generell gilt: Autos sollten prinzipiell von Oktober bis Ostern mit Winterreifen ausgestattet sein – die Binsenweisheit „Von O bis O“ ist allseits bekannt. Wer sich daran hält, verringert die Unfallgefahr auf den Straßen. Was der ADAC außerdem rund um den Reifenwechsel rät, haben wir im Folgenden zusammengefasst:

Warum eigentlich Winterreifen?

„Sommer“-Gummimischungen verhärten bereits bei niedrigen Plus-Graden, womit sich die Haftung auf der Straße spürbar reduzieren kann. Winter-Typen bleiben weich und verfügen zudem über ein spezielles Lamellen-Profil, das auf Schnee und Eis besonders gut greift – also bei Witterungsbedingungen, die überall in Deutschland und auch durchaus schon um den Gefrierpunkt herum auftreten.

 

Gibt es eine Pflicht, Winterreifen aufzuziehen?

Die am 4. Dezember 2010 in Kraft getretene Verordnung konkretisiert die bereits seit 2006 bestehende Rechtslage. Eine ausdrückliche Pflicht zur Winterbereifung gilt nun für denjenigen, der mit dem Auto bei „Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eis- oder Reifglätte auf der Fahrbahn“ unterwegs ist – verbindlich übrigens auch für im Ausland zugelassene Kraftfahrzeuge.

 

Welche Rolle spielt das Profil der Reifen?

Der beste Reifen nützt nichts, wenn das Profil abgefahren ist. Vor allem bei Matsch und Schnee ist ein tiefes Profil erforderlich, denn nur dann greift der Reifen richtig. Die gesetzlich vorgeschriebene Mindestprofiltiefe beträgt auch für Winterreifen 1,6 Millimeter. Der ADAC empfiehlt aber aus Sicherheitsgründen mindestens vier Millimeter. Auch das Reifenalter spielt eine Rolle. Nach spätestens sechs Jahren ist die Gummimischung so hart geworden, dass der „Grip“ bei tiefen Temperaturen nachlässt. Ein frühzeitiger Austausch ist also angesagt. Und Sparfüchse kommen leider nicht auf ihre Kosten: Wer Winterpneus im Sommer aufbrauchen will, muss mit deutlich längeren Bremswegen gegenüber Sommerreifen rechnen.

 

Wie hoch sind die Bußgelder?

Wer gegen die Winterreifenpflicht verstößt, muss mit einem Bußgeld in Höhe von 40 Euro und einem Punkt im Verkehrszentralregister rechnen. Bei einer Behinderung des Verkehrs infolge falscher Bereifung bei winterlichen Wetterverhältnissen erhöht sich das Bußgeld auf 80 Euro und einen Punkt.

 

Wie geeignet sind Ganzjahresreifen?

Den perfekten Ganzjahresreifen gibt es nicht. Nachdem sie als Winterreifen ausgelegt sind, verhalten sie sich im Sommer ähnlich wie Winterreifen. Ganzjahresreifen-Modelle mit einer schlechteren Wintertauglichkeit stehen im Sommer wiederum besser da als Winterreifen, jedoch haben auch sie einen deutlichen Nachholbedarf auf trockener Straße. Reifen mit M+S-Kennung erfüllen die Anforderungen der Winterreifen-Verordnung. Der ADAC empfiehlt Reifen mit M+S- und Schneeflockensymbol. Auch Ganzjahresreifen mit dieser Kennzeichnung erfüllen die Anforderung.

 

Was gilt für Motorradfahrer?

Motorräder sind auch Kraftfahrzeuge im Sinne der Vorschrift und müssen daher bei Eis und Schnee auch entsprechend ausgerüstet sein. In der Praxis ist es jedoch so, dass nur wenige Reifen für Motorräder über eine M+S-Kennzeichnung verfügen. Deswegen gelten laut einer Stellungnahme des Verkehrsministeriums auch Reifen ohne M+S-Kennzeichnung, die auf Grund ihres grobstolligen Profils (Off-Road-Reifen) offensichtlich Eigenschaften von Winterreifen haben, als Winterreifen. Reifen mit typischem Straßenprofil gelten somit eindeutig nicht als Winterreifen. 

 

Was ist noch zu beachten?

Wer Winterreifen am Pkw montiert, sollte dies auf allen vier Rädern tun. Mit unterschiedlicher Bereifung kann der Wagen schon bei mäßig starkem Bremsen ins Schleudern geraten. Von Winter zu Winter sollte man die Reifen achsweise tauschen, um für gleichmäßigen Verschleiß zu sorgen.

 

 
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