zur Navigation springen

Seehundstation Friedrichskoog : Die ersten Heuler werden ausgewildert

vom

Vier kleine Seehunde haben sich genug Gewicht angefuttert, um jetzt wieder in der Nordsee zu leben.

Friedrichskoog | Mit einem Mindestgewicht von 25 Kilogramm schwimmen die ersten aufgepäppelten Heuler der Saison seit Mittwoch wieder in der Nordsee. In der Seehundstation Friedrichskoog im Kreis Dithmarschen sind die jungen Robben ausgewildert worden. Sie wurden an einem Priel beim Meldorfer Hafen ausgesetzt. Die Seehundbabys hätten sich in nur sieben Wochen das notwendige Gewicht angefuttert, sagte Stationsleiterin Tanja Rosenberger. Sie begleitete die ersten vier erfolgreich aufgezogenen Tiere dieser Saison bei ihrer Heimkehr in die Nordsee.

Die jungen Robben waren als Babys Anfang Juni von ihren Müttern verlassen worden. „Das ist ein ganz natürliches Phänomen“, erklärte die Biologin. Das kann viele Ursachen haben: Unter anderem, wenn das Seehundbaby krank oder verletzt ist und daher von der Mutter verlassen wurde, wenn die Mutter gestorben ist, oder das Jungtier durch einen Sturm von ihr getrennt wurde, erklärte Rosenberger.

Sie wurden als hungrige „Heuler“ gefunden: Die Robbe mit dem Namen Martha am 8. Juni im Norderheverkoog, Kalle und Maud am 9. Juni in Sankt Peter-Ording, und Robert am 10. Juni auf der Insel Pellworm (alles Kreis Nordfriesland).

In der freien Natur hätten die vier „Vollwaisen“ keine Chance gehabt. Nach der Trennung von ihren Müttern waren sie zum Tode verurteilt. Doch menschliche Nächstenliebe rettete ihr Leben.

Wenn die dann in der Nordsee erstmals auf Futtersuche gehen, müssen sie sich wie alle Seehunde auf ihren Instinkt verlassen. „Die Jagd wird den Jungen von ihren Müttern nicht beigebracht.“ Daher seien die Jungtiere anfangs auf „leichte Beute“ angewiesen und ernähren sich hauptsächlich von Garnelen. Doch das macht nicht richtig satt. „Über die Erfahrungen mit dem Hunger lernen sie dann, ihre Sinnesorgane perfekt zu nutzen und erfolgreiche Fischjäger zu werden.“

In diesem Jahr wurden in der Seehundstation bislang 244 Seehund-Babys vor dem Tod bewahrt. Darunter auch Polli, Schleswig-Holsteins erster Heuler der Saison. Er wurde klein und mickrig am 25. Mai auf Nordstrand gefunden. Mittlerweile bringt er stattliche 24 Kilogramm auf die Waage, sagte Rosenberger. Für ein selbstständiges Leben im Wattenmeer müssen sich die Robben-Babys jedoch ein Mindestgewicht von 25 Kilogramm angefressen haben. „Deshalb ist Polli erst nächste Woche mit dem Auswildern dran.“

 

Die Seehundstation wurde 1985 unter der Trägerschaft des Landesjagdverbandes Schleswig-Holstein gegründet. Zu ihren Aufgaben gehören neben wissenschaftlicher Forschung und Informationen über Seehunde auch die Aufzucht junger Seehund-Babys, die von ihrer Mutter verlassen wurden. Sie ist gemäß internationalem Abkommen die einzige berechtigte Aufnahmestelle für Heuler in Schleswig-Holstein. Sie betreut nicht nur Schleswig-Holsteins Nordseeküste von Hamburg bis Nordfriesland, sie ist auch für die gesamte deutsche Ostseeküste zwischen Dänemark und Polen zuständig.

Aufgenommen werden in der Seehundstation nur Tiere mit einer guten Überlebenschance. Die jungen Seehunde werden täglich mit zweieinhalb bis drei Kilogramm Hering aufgepäppelt, bis sie das für eine Auswilderung nötige Mindestgewicht von 25 Kilogramm erreicht haben.

Die Robben-Waisen bleiben bis zu ihrer Auswilderung meist zwei bis drei Monate in der Obhut der Tierschützer. Die Kosten dafür summieren sich für jedes Tier auf mindestens 1300 Euro. Bei Kranken könne es wegen zusätzlicher ärztlicher Versorgung noch teurer werden, sagte Rosenberger.

zur Startseite

von
erstellt am 26.Jul.2017 | 17:35 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen