Bäderregelung : "Die dickste Kröte gab es an Weihnachten"

Um Streit um die Ladenöffnung am Sonntag haben Land und Kirche sich geeinigt. Foto: zb
Um Streit um die Ladenöffnung am Sonntag haben Land und Kirche sich geeinigt. Foto: zb

Kirche und Land haben sich beim Thema Bäderregelung geeinigt. Doch ist die Kirche zufrieden? Benjamin Lassiwe sprach darüber mit Verhandlungsführer Gothart Magaard.

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04. Februar 2013, 10:03 Uhr

In der Saison darf sonntags eingekauft werden. Die beiden großen Kirchen und das Land Schleswig-Holstein begraben das Kriegsbeil im Streit um die Bäderregelung - sie haben einen Kompromiss gefunden: Von Ende März bis Ende Oktober sowie in den Wochen um Weihnachten dürfen in 95 Orten die Geschäfte auch am Sonntag öffnen, allerdings nur sechs Stunden, zwei Stunden weniger als bisher. Von November bis März bleiben die Läden dagegen Sonntags meist zu - und Baumärkte und Elektronik-Discounter müssen sowieso geschlossen halten. Benjamin Lassiwe sprach darüber mit dem Verhandlungsführer der Kirchen, dem Ständigen Bischöflichen Bevollmächtigten im Sprengel Schleswig und Holstein, Gothart Magaard.
Herr Magaard, von März bis Oktober sind die Läden in den Badeorten sonntags offen. Hat die Kirche den Streit um die Bäderregelung verloren?
Wir haben einen Kompromiss geschlossen. Und ein Kompromiss führt immer dazu, dass es keinen "Sieger" gibt. Insgesamt haben wir eine Lösung gefunden, die aus unserer Sicht akzeptabel ist. Die Sonntagsöffnungen werden um zwei Stunden verkürzt, und sie sind - weil in der Zeit von November bis März nicht geöffnet ist - wieder deutlicher als Ausnahme erkennbar: Wir haben jetzt mehr Sonntage im Jahr, an denen die Bäderregelung nicht gilt.
Aber an den meisten Sonntagen sind die Läden offen...
Das gilt für die zugelassenen Urlaubsorte, ja. Aufgrund der großen Bedeutung des Tourismus können dort die Geschäfte von Mitte März bis Ende Oktober und an wenigen Sonntagen im Winter geöffnet sein.
Und was war die dickste Kröte, die Sie schlucken mussten?
Dass am Zweiten Weihnachtsfeiertag Geschäfte in den Seebädern geöffnet haben können, ist eine Entscheidung, die für uns als Kirchen nur schwer akzeptabel ist. Es ist auch kaum nachvollziehbar, dass Menschen am zweiten Weihnachtstag im Einzelhandel arbeiten gehen sollen.
Und wie ist es mit Ostern und Pfingsten, den beiden anderen großen Festen?
Ostern wird häufig in der Saison liegen, Pfingsten immer. Das heißt: Am Ostersonntag und am Pfingstsonntag können Geschäfte öffnen. Das war bisher auch schon so.
Was heißt das für die Mitarbeiter im Einzelhandel?
Wir wissen, dass es da unterschiedliche Perspektiven gibt. Es gibt Einzelhändler, die auf den Umsatz der Touristen angewiesen sind, und solche, die sagen: Wir können auch darauf verzichten. Es gibt Arbeitnehmer, die davon profitieren, dass sie auch am Sonntag im Laden stehen - und solche, die an diesen Tagen lieber bei ihrer Familie wären, aber aus Angst um ihren Job arbeiten gehen. Und auch in der Kirche gibt es Menschen, die die Sonntagsöffnungen stärker stören, als andere.
Haben die Kirchen deswegen mit den Gewerkschaften kooperiert?
Wir haben hier zumindest eine hohe Übereinstimmung gehabt. Der Sonntag dient ja nicht nur als Tag des Gottesdienstes und der seelischen Erhebung. Er ist auch ein Tag der Familie, der dem gesellschaftlichen Zusammenhalt und der Erholung dient. Hier denken die Gewerkschaften ganz ähnlich wie wir Kirchen.
In der Kirche gab es durchaus auch Stimmen, die die Klagedrohung kritisiert haben. Wie geht es jetzt intern weiter?
Wir haben in der Kirche unterschiedliche Standpunkte, das ist richtig. Aber die Debatte ist ja jetzt vorbei, die Eckpunkte der Bäderregelung stehen. Wo es Verstimmungen gab, müssen wir darüber reden - und im Übrigen habe ich an alle betroffenen Kirchengemeinden einen Brief geschrieben, in dem ich das Verhandlungsergebnis erkläre und unsere Position erläutere.
Wie setzt sich die Kirche künftig für den Sonntag ein?
Wir werden weiterhin sehr genau auf den in der Verfassung verankerten Sonntagsschutz achten, damit möglichst viele Menschen diesen einen gemeinsamen Tag behalten. Und wir feiern an allen Sonntagen natürlich unsere Gottesdienste. Wir machen aber auch viele andere Angebote, die übrigens von Urlaubern gerne angenommen werden: Konzerte und Ausstellungen beispielsweise. Viele Gäste besuchen auch einfach nur eine unserer zahlreichen offenen Kirchen, weil sie dort das finden, was jeder Mensch in regelmäßigen Abständen benötigt: Ruhe und Besinnung.

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