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Zuwanderung in SH : Die Bulgarin mit dem Bohrer

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Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Sie nutzt die neuen Möglichkeiten für Einwanderer: Magdalina Orumova (28) ist eine erfolgreiche Zuwanderin in Schleswig-Holstein – sie führt eine Zahnarztpraxis in Wilster (Kreis Steinburg).

shz.de von
erstellt am 05.02.2014 | 17:45 Uhr

Wilster | „Ich möchte mich weiter entwickeln, in Bulgarien war das nicht möglich“ – Magdalina Orumova (28) ist überglücklich, in Deutschland eine Anstellung gefunden zu haben. In der Praxengruppe von Dr. Hans-Georg Helm führt sie seit Jahresbeginn in Wilster (Kreis Steinburg) eigenverantwortlich eine Zahnarztpraxis.

„Wir sind eine Partnerschaft eingegangen“, erklärt Helm und fügt hinzu, dass die junge Kollegin aus zahnmedizinischer Sicht keine Unterstützung benötigt, lediglich bei der Bürokratie (Gesetze, Abrechnungen) muss der Chef ihr zur Seite gehen. „Ich bin mit ihrem Können mehr als zufrieden. Sie arbeitet sehr sorgfältig und kann sich gut in die Patienten hineinfühlen. Für uns ist sie ein Glücksfall.“

Die junge Zahnärztin ist eine der ersten, die die neue Freizügigkeit für Bulgaren und Rumänen nutzen. Seit Jahresbeginn benötigen auch Zuwanderer aus diesen beiden osteuropäischen Ländern keine Arbeitserlaubnis mehr, um sich in Deutschland niederzulassen.

„Ich bin nach Deutschland gekommen, weil mir das bulgarische Gesundheitssystem gar nicht gefällt. Dort gibt es beim Zahnarzt nur die Wahl zwischen einer Füllung und dem Ziehen eines Zahnes. Ich möchte den Patienten aber mehr bieten“, beschreibt Orumova einen Grund ihrer Auswanderung. Zudem sei es in ihrer Heimat für junge Zahnärzte sehr schwierig, eine eigene Praxis zu eröffnen.

Diese Perspektivlosigkeit herrscht in vielen Bereichen und sei für viele qualifizierte Bulgaren der Grund, sich ein neues Leben in einem westeuropäischen Land aufzubauen. „Es gibt so viele Leute, die den Wunsch haben, sich weiter zu entwickeln“, meint die junge Zahnärztin, die aus Plovdiv, der zweitgrößten Stadt Bulgariens stammt. Ihre Eltern sind beide Zahntechniker. Schon als kleines Mädchen war es immer ihr Wunsch, anderen Menschen zu helfen, so lag ein Studium der Zahnmedizin nahe. Auf dem Gymnasium wählte sie Deutsch als Fremdsprache. Es folgte das Studium der Zahnmedizin. Dr. Helm: „Die Ansprüche der Fakultäten in Bulgarien sind hoch, das Studium ist anspruchsvoll. Jährlich finden in der Hauptstadt Sophia viele zahnmedizinische Kongresse und Fortbildungen statt, zu denen Zahnärzte aus aller Welt reisen.“

Nach dem Studium arbeitete Magdalina Orumova zusammen mit sechs Ärzten in einer Zahnklinik, sammelte so die nötige Erfahrung. Ende des vorigen Jahres dann der Internet-Kontakt nach Schleswig-Holstein. Verzweifelt suchte Helm jemanden für seine Praxis in Wilster. Ein deutscher Kollege war nicht zu gewinnen, keiner wollte aufs Land. Deshalb wurde die Suche auf ganz Europa ausgedehnt, die meisten Bewerbungen kamen aus Osteuropa. Unter ihnen die von Magdalina Orumova , die nicht nur mit ihrem guten Deutsch, sondern auch mit ihrer Zielstrebigkeit überraschte. „Uns war schnell klar, dass sie die richtige Bewerberin ist“, freut sich Helm.

Nachdem alle Formalitäten geregelt waren und die Approbation für Deutschland vorlag, konnte sich Orumova schon wenige Wochen später um ihre ersten deutschen Patienten kümmern – „Ich bin wirklich begeistert, alle sind so nett hier.“

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