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IG Metall Küste : Deutsche Werften: „Mehrere hundert Arbeitsplätze“ in Gefahr

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Vor allem soll die Lage für Betriebe in SH, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern kritisch sein.

shz.de von
erstellt am 14.Sep.2015 | 14:34 Uhr

Hamburg | Die IG Metall warnt vor erheblichen Jobverlusten in der deutschen Werftindustrie. Laut der am Montag in Hamburg vorgestellten Schiffbau-Umfrage der Gewerkschaft befürchten Betriebsräte für die kommenden Monate den Wegfall von „mehreren hundert Arbeitsplätzen“.

Meinhard Geiken, Chef des IG Metall-Bezirks Küste: „Einige Betriebe wie die Flensburger Schiffbau Gesellschaft, Nobiskrug in Rendsburg und die Nordic Yards in Wismar, Warnemünde und Stralsund benötigen dringend neue Aufträge.“ Kritisch sei die Lage vor allem für Betriebe in Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern, so Heino Bade, Schiffbauexperte der IG Metall. Teils ausgezeichnet laufe es dagegen im nordwestlichen Niedersachsen, allen voran bei der Meyer Werft in Papenburg.

Nach den Angaben von 40 Werft-Betriebsräten ist die Zahl der Neubestellungen deutlich gesunken. Studienautor Thorsten Ludwig von der Agentur für Struktur- und Personalentwicklung: „Zwischen September 2014 und August 2015 sind im zivilen Schiffbau nur 25 Neubauaufträge eingegangen, im selben Vorjahreszeitraum waren es 33.“ Die Bestellungen verteilten sich dabei auf lediglich sieben Schiffbauunternehmen, der Schwerpunkt liege eindeutig im Bau von Passagier- und Kreuzfahrtschiffen.

Besonders alarmiert sind die Gewerkschafter wegen der Flaute in der als Zukunftsmarkt ausgemachten Offshore-Industrie. Ludwig: „Erstmals seit fünf Jahren gibt es keinen einzigen Auftrag für Offshore-Komponenten wie Plattformen und Errichterschiffe.“

Positives vermeldet dagegen vor allem die Meyer Werft, die gerade Aufträge für drei riesige Kreuzfahrer (Aida, Caribbean) verbucht hat, sowie die Lloyd Werft. Die Bremerhavener kehren ins Kreuzfahrtgeschäft zurück und werden zwei Schiffe für Crystal Cruises bauen.

Auch die auf Flusskreuzfahrer spezialisierte Neptun Werft in Rostock, die Yacht-Hersteller Lürssen (Bremen) und Abeking & Rasmussen (Lemwerder) sowie die Hitzler-Werft in Lauenburg konnten die Orderbücher auffüllen.

Bei anderen Betrieben ist der Auftragsbestand dagegen bedenklich abgeschmolzen. So reicht die Arbeit bei der Flensburger Schiffbaugesellschaft und bei Nobiskrug nur noch für ein Jahr, bei Nordic Yards sogar nur noch für zehn Monate.

Zwiespältig sei die Situation bei Thyssen Krupp Marine Systems (TKMS) in Kiel, sagte Bade. Während dort das U-Boot-Geschäft floriere, gebe es im Segment der Überwasser-Marineschiffe erhebliche Ungewissheit. Bade kritisierte die politische Weichenstellung bei der geplanten Anschaffung von sechs Mehrzweckkampfschiffen (MKS 180) durch die Bundesmarine, Auftragsvolumen: vier Milliarden Euro. „Völlig unnötig“, so der Gewerkschafter, habe der Bund den Bau europaweit ausgeschrieben.

Die privaten deutschen Anbieter hätten dabei einen schweren Stand gegen ausländische Konkurrenz. Bade: „Wir treten ausschließlich gegen staatliche Werften an.“ Er fürchte, dass die Mitbewerber aus Spanien, Italien und Frankreich mit Hilfe staatlicher Subventionen den deutschen Werften diesen Referenz-Auftrag abjagen könnten. Darunter hätte außer TKMS auch Blohm + Voss in Hamburg zu leiden.

Auch Bezirksleiter Geiken forderte Berlin auf, den drohenden neuerlichen Niedergang der nationalen Schiffbauindustrie zu stoppen. Dazu zähle eine nationale Innovationsinitiative Schiffbau, die Förderung alternativer maritimer Antriebstechnologien, aber auch mehr Klarheit beim Ausbau der Windenergie. Geiken: „Die Deckelung der Offshore-Parks muss weg, und wir brauchen schnell Klarheit über die Bedingungen bei der Ausschreibung von Windparks, damit Investoren wissen, woran sie sind.“

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