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Gast-Kommentar aus Dänemark : Deutsch-dänische Grenzfrage: Espersen blamiert sich in ganz Deutschland

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Dänemark bis an die Eider? Die dänische Minderheit sieht sich durch die Forderung zutiefst in Verlegenheit gebracht.

Warum bloß nehmen wir Politiker weniger und weniger ernst? Als der Autor dieser Zeilen am Donnerstagmorgen im „Nordschleswiger“ von Søren Espersens Äußerung über ein „Dänemark bis zur Eider“ erfuhr, war die erste Reaktion: Seufzen. Gefolgt von einer unbändigen Lust, Espersens Äußerung schweigend zu übergehen.

Aber dann griff zuerst der sh:z die Geschichte auf, dann die Kieler Nachrichten und anschließend sowohl das Hamburger Abendblatt als auch Die Welt und sogar Bild. In ganz Deutschland dieselbe Überschrift: Die dänische Rechte setzt ein Fragezeichen hinter die Grenze zu Deutschland.

Das ganze Interview können Sie hier in dänischer Sprache sehen. Die bundesweit zitierte Passage findet beginnt mit der Frage in der Minute 4.18.

Wir können uns in dieser Sache mit unseren deutschen Kollegen sowohl lokal als auch weiter südlich vollkommen einig erklären. Espersen bringt uns in der dänischen Minderheit über alle Maßen hinaus in Verlegenheit. Dass ein erwachsener Mann, der den schwergewichtigen und – man muss es vermuten – seriösen Posten des Vorsitzes im Auswärtigen Ausschuss des Folketing innehat, der stellvertretender Vorsitzender seiner Partei ist und ein zutiefst erfahrener Politiker, so einen absurden Quatsch äußert, ist zutiefst kritikwürdig. Espersen kam dann am späteren Donnerstag mit der üblichen Finte der vielen Populisten, die offenbar derzeit so viel Raum in Anspruch nehmen. Er „relativierte“ seine Äußerungen – es sei mit einem Lächeln auf den Lippen gemeint gewesen.

Søren Espersen von der Dansk Folkeparti bediente sich einer skrupellosen Kriegsrhetorik.

Søren Espersen von der Dansk Folkeparti bediente sich einer skrupellosen Kriegsrhetorik.

Foto: Wikipedia CC 3.0
 

Im Namen der dänischen Minderheit in Südschleswig verspürt man Lust zu fluchen. Meine Güte, was haben wir den ganzen Donnerstag mit geballter Faust in der Tasche gesessen. Volles Verständnis, dass die Politiker in Kiel sofort reagiert und gefordert haben, dass sich unter anderem der SSW distanzieren soll. Das ist indes nicht nötig. Denn keiner kann im Zweifel darüber sein, dass die Partei der dänischen Minderheit und die Dänische Volkspartei so weit voneinander entfernt sind, wie es in einer Sache wie dieser überhaupt geht.

Noch schlimmer wird es, indem Espersen sein Unverständnis darüber äußert, dass wir in der Minderheit nicht mehr für den Traum kämpfen, die Grenze eines Tages zur Eider zu verlegen. Das ist ganz einfach, Espersen. Aus zwei Gründen: Der letzte vergebliche Kampf, die Grenze von 1920 zu überdenken, wurde unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg geführt. Damals lehnte die dänische Regierung aus zwei vernünftigen Gründen ab. Man wollte den Grenzkampf nicht wiederaufflammen lassen. Man fühlte sich nicht wohl dabei, im Fall einer Verlegung der Grenze zur Eider eine sehr große deutsche Minderheit zu bekommen. Viele in Südschleswig waren damals tief enttäuscht. Aber schließlich haben sich die meisten Menschen von Verstand, die sich noch nicht einmal professionell mit Außenpolitik beschäftigen, eingesehen, dass es eine weise Entscheidung war. Wir haben uns längst damit abgefunden, auf die Art und Weise zu leben, wie wir es tun.

Wenn Espersen obendrein noch eine Wendung benutzt, die Panzer beinhaltet, wird es für uns sehr schwer, unseren deutschen Nachbarn zu erklären, was in Dänemark eigentlich vor sich geht. Espersen, der sehr erfahren ist und alles über die Macht des Wortes weiß, muss sich entschuldigen. Und nicht nur einfach ein bisschen zurückrudern. Das ist derselbe Trick, den die AfD oft benutzt hat. Erst irgendetwas Abgedrehtes sagen, sich dadurch Aufmerksamkeit in den Medien sichern und dann zurückrudern. Aber hier hast du dich verrechnet, Espersen. Denn du hast der gesamten Minderheit mit deinen unreifen und zutiefst unwürdigen Betrachtungen geschadet.

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erstellt am 25.Feb.2017 | 10:39 Uhr

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