Deutsch-dänisch für den Gottesdienst

Pastor Sören Agersnap mit seinen übersetzten Liedern vor der dänischen Kirche in Süderbrarup. Foto: Kuhl
Pastor Sören Agersnap mit seinen übersetzten Liedern vor der dänischen Kirche in Süderbrarup. Foto: Kuhl

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04. August 2010, 05:56 Uhr

Süderbrarup | Pastor Sören Agersnap von der dänischen Kirchengemeinde Süderbrarup ist einer der wenigen Menschen - vielleicht der einzige -, der deutsche Kirchenlieder ins Dänische überträgt. Damit will er die Attraktivität deutsch-dänischer Gottesdienste erhöhen, die er vor acht Jahren selber begründete.

Es begann im Jahr 2003, als Agersnap zum "Nachbarschafts-Gottesdienst" in die gerade neu gebaute dänische Kirche einlud, die mit ihrer roten Zedernholzfassade, den weißen Fenstern und dem schwarzen Ziegeldach auch heute noch ein Schmuckstück Süderbrarups ist. Der Gottesdienst wurde überwiegend in dänischer Sprache abgehalten und für die Predigt lag ein deutsches Manuskript bereit, damit jeder dem Text folgen konnte. Gesungen wurde gleichzeitig in zwei Sprachen.

Pastor Christoph Tischmeyer von der Kirchengemeinde Thumby-Struxdorf griff diesen Gedanken auf. Denn in den Kirchen von Thumby und Struxdorf wird einmal im Monat auch ein dänischer Gottesdienst abgehalten. "Warum sollen wir nacheinander und nicht miteinander Gottesdienst feiern?", fragte er sich. Und ab dieser Zeit wird eine Feier pro Jahr zweisprachig abgehalten.

Aus praktischen Gründen wird die Predigt heute in Deutsch gehalten. "Denn diese Sprache sprechen alle Anwesenden", begründet das der dänische Pastor. Der Rest des Gottesdienstes ist gemischt. Nur bei einer Sache agiert man getrennt. Beim abschließenden Kirchenkaffee sorgen die Dänen für das Gebäck und die Deutschen für Tee und Kaffee. "Das ist unsere kleine Ökumene", meint dazu Pastor Tischmeyer.

"Und beim Singen gibt es sogar einen Wettstreit darum, wer am lautesten und am schönsten singt", hat Pastor Agersnap festgestellt. Dabei würden meistens die Dänen gewinnen - trotz ihrer geringeren Zahl. Denn sie seien einfach besser trainiert.

Basis des Gesangs ist das dänisch-deutsche Gesangbuch, das erstmals in den siebziger Jahren von den dänischen Pastoren in Südschleswig herausgegeben und von der Grundvig-Werkstatt redigiert wurde. 1995 wurde es neu aufgelegt und für die nahe Zukunft ist eine weitere überarbeitete Auflage geplant. In diesem Gesangbuch sind dänische Texte ins Deutsche übersetzt und die beiden Sprachen stehen sich direkt gegenüber. Auch sind die Nummern mit dem dänischen Gesangbuch abgeglichen. Außer im Bereich zwischen Nord-Ostsee-Kanal und dänischer Grenze wird das Gesangbuch auch in Nordschleswig, den dänischen Kirchen von Berlin und Hamburg sowie der deutschen Kirche in Kopenhagen benutzt.

Um ein Gleichgewicht zu schaffen, hatte die Arbeitsgemeinschaft der 24 dänischen Pastoren in Südschleswig beschlossen, gezielt deutsches Liedgut in die dänische Sprache zu übertragen. Besonders bei den Weihnachtsliedern gab es dort Nachholbedarf oder bei starken Glaubensliedern von Siegfried Bonhoeffer oder Paul Gerhardt.

Als Naturtalent auf diesem Gebiet erwies sich Pastor Sören Agersnap aus Süderbrarup. "Ich habe schon zu anderen Gelegenheiten Lieder getextet und habe dann nach dem Jahreswechsel in einer Woche acht Lieder in eine Rohfassung übertragen", erzählt er. Drei weitere folgten. Dann stimmte er diese Fassung mit seiner Projektgruppe ab, zu der die Pastorinnen Cecilie Brask, Ea Dal und Katharina Born sowie der Organist Stephan Krüger gehören und erhielt die jetzige Endfassung, die im Internet unter www.folkekirken.dk abzurufen ist.Er selbst hat bei diesen Übersetzungen eine bestimmte Priorität. "Künstlerisch sind die Übersetzungen nicht unbedingt hochwertig. Aber sie sind sehr textnah, damit man fühlt, dass man dasselbe singt."

Sein Kollege Tischmeyer hat dazu eine differenzierte Meinung. "Das Übertragen von Liedtexten ins Dänische ist eine hohe Kunst. Und es gibt nur wenige, die so etwas können." Ihm sei bisher nur Pastor Agersnap bekannt.

Es ist geplant, die Übersetzungen auch in das normale dänische Gesangbuch aufzunehmen, das vom Vajsenhus-Verlag in Kopenhagen herausgegeben wird.

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