CDU gegen SPD : Der Wahlkampf könnte gemein werden

Chefs in der Zentrale: Daniel Günther von der CDU (l.) und Amin Hamadmad von der SPD (r.). Fotos: Müller/Ruff
Chefs in der Zentrale: Daniel Günther von der CDU (l.) und Amin Hamadmad von der SPD (r.). Fotos: Müller/Ruff

Welche Partei hat bei der Landtagswahl die Nase vorn? Darüber entscheidet auch die Strategie, die in den Wahlkampfzentralen festgelegt wird. Ein Blick hinter die Kulissen.

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23. April 2012, 12:16 Uhr

Kiel | Sie liegen in den Umfragen gleichauf und belauern sich argwöhnisch. Kann die SPD am Ende die CDU als stärkste Kraft im Land ablösen? "Das glaube ich kaum", sagt Daniel Günther. Der Landesgeschäftsführer der CDU steht selbstbewusst in den Räumen der Parteizentrale, die er mit einem eigenen Plakat gleich mal in "Wahlsiegzentrale" umgetauft hat. Dazu werden an einem Zettelkalender die Tage bis zum vermeintlichen Sieg über die SPD heruntergezählt.
"Hier ist nicht alles geheim, aber wir sagen auch nicht alles", sagt Günther, der in diesem Wahlkampf wieder eine Dreifachbelastung zu meistern hat: Er selbst tritt erneut als Direktkandidat der CDU in Eckernförde an, dazu ist er Pressesprecher und eben Landesgeschäftsführer der Union. Das beschert dem 38-Jährigen bisweilen einen 14-Stunden-Tag. Wahlkampf sei eine Ausnahme-Situation, sagt Günther. Es ist der dritte im Land, den er leitet.
CDU: 900.000 Euro für Wahlkampf
Rund 900.000 Euro lässt sich die CDU das kosten, allein 300.000 Euro gibt sie für Plakate aus. Die meisten zeigen Spitzenkandidat Jost de Jager, den Günther seit Beginn seiner politischen Laufbahn in Eckernförde kennt. "Das erleichtert die Zusammenarbeit", sagt Günther, dem nachgesagt wird, mit de Jagers Vorgänger Christian von Boetticher so aber überhaupt nicht zurecht gekommen zu sein.
Doch wie will Günther den "Jost", wie er sagt, zum Sieger machen? Darum kümmern sich immerhin rund 20 Leute in der Wahlkampfzentrale der CDU, darunter viele Studenten und Praktikanten. "Das Manko ist, dass der Jost nicht überall bekannt ist", sagt Günther.

Albig beim Wahlvolk beliebter
Ein Manko, das er mit dem SPD-Spitzenkandidaten Torsten Albig teilt, allerdings ist Albig laut Umfragen im Wahlvolk beliebter. De Jager könne manchmal für seinen Geschmack etwas mehr lächeln, er sei nicht so der Landesvater wie Noch-Ministerpräsident Peter Harry Carstensen, findet Günther. Aber der Wahlkampfleiter will de Jager nicht verbiegen. "Das würde er auch gar nicht mit sich machen lassen", sagt er. De Jager sei ein verdienter Landespolitiker - und das spiegele die CDU-Kampagne wider. Dennoch: "Na klar, lassen wir uns auch beraten - etwa vor dem TV-Duell." Allerdings gelte dies nicht für inhaltliche Fragen. "Das macht Jost alles selbst."
Im Umgang sei der Spitzenkandidat sehr "angenehm", habe gute Führungsqualitäten, nahezu alle Reden schreibe er selbst. Und er wolle auf Veranstaltungen von Verbänden sprechen, wo er viele Menschen erreiche und ihnen die zentralen Botschaften der CDU übermitteln kann: Haushaltskonsolidierung, mehr Arbeitsplätze, für ein neues Energiekonzept und bessere Bildung.
Albigs will Menschen direkt überzeugen
"Wir stehen für gute Finanzen, für gute Arbeit, für eine konsequente Energiewende und für gute Bildung", sagt Amin Hamadmad. Der 38-Jährige ist SPD-Pressesprecher und auch für ihn ist es nicht der erste Wahlkampf im Land. Die SPD setzt dabei konsequent auf Ihren Spitzenkandidaten Torsten Albig.
"Er wird den direkten Dialog mit den Menschen suchen, wir wollen keine Massenkundgebungen", sagt Hamadmad. Albig werde nacheinander in vier Regionen des Landes auftauchen, um die Menschen direkt zu überzeugen. Er konzentriere sich wie de Jager auch, nicht auf Hochburgen oder die Wahlkreise, die besonders umkämpft sind. Medienberatung brauche der ehemalige Sprecher von Peer Steinbrück nicht, sagt Hamadmad, das TV-Duell werde aber natürlich intern vorbesprochen.
Schafft es die FDP?
Bei der SPD kümmern sich 14 Leute um den Wahlkampf. "Bei uns werden die Leute ordentlich bezahlt", sagt Hamadmad. Und studentische Hilfskräfte würden auch anders als bei anderen Parteien nicht zur Gegnerbeobachtung genutzt.
Die Chancen der SPD auf eine Regierungsbeteiligung steigen weiter, wenn die FDP nicht in den Landtag zurückkehren sollte. "Wir werden aber keinen speziellen Wahlkampf gegen die FDP machen", sagt Hamadmad. Und Günther? Klar, sei die FDP der Wunschpartner. Aber es gebe keine Unterstützungskampagne. Vor allem geht es beiden Parteimanagern darum, die eigene Klientel an die Wahlurnen zu bekommen. Wer das am besten schafft, wird am Ende den Ministerpräsidenten stellen.
"Gemeine Sachen in der Schublade"
Dabei vertrauen beide Parteien auf ihre Mitglieder. "Die können an den Infoständen viele Menschen noch überzeugen", sagt Günther. Deshalb verteilt er auch an die Funktionsträger der Union Karten mit den 50 häufigsten Fragen und den entsprechenden Antworten darauf. Vor allem wird es aber um das Spiel mit den Emotionen der Wähler gehen. Die CDU setzt dabei auf das Profil des Landespolitikers de Jager, die SPD auf Albigs Ausstrahlung.
Zwei Politikertypen zwischen denen es durchaus noch knallen könnte. "Das kann schon sein, weil Albig sich um konkrete Aussagen zur Landespolitik drückt", sagt Daniel Günther. "Wir sind schon so etwas wie die Regierungspartei im Land, und sind nicht so laut und schrill wie die CDU", sagt Hamadmad.
Wird es also noch eine Verschärfung des Wahlkampfes geben? Einig sind sich die Sprecher, dass die Wahl in den letzten 72 Stunden entschieden wird. "Da werden wir wenig schlafen", sagt Günther. "Wir können natürlich noch feinjustieren", meint Hamadmad. Und Günther sagt: "Wenn die SPD sich nicht endlich mal zu den Themen äußert, dann haben wir noch einige gemeine Sachen in der Schublade."

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