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Landtagswahl in SH : Der neue Landtag: Von Küken und Dauerbrennern

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Juristen, Beamte – darunter viele Lehrer – einige Landwirte, nur wenige Selbstständige und kein Arbeiter im klassischen Sinne: Der neue Landtag mit wohl 73 Abgeordneten ist so bunt gemischt wie der alte.

shz.de von
erstellt am 09.Mai.2017 | 20:39 Uhr

Das Küken

Lasse Petersdotter (27).
Lasse Petersdotter (27). Foto: sh:z
 

Den jüngsten Abgeordneten stellen die Grünen mit dem 27-Jährigen Lasse Petersdotter. Er studiert noch an der Kieler Uni und war bis zum vergangenen Jahr Landesvorsitzender der Grünen Jugend. Sein Parteikollege Rasmus Andresen, grünes Küken in der abgelaufenen Legislaturperiode, gehört mit 31 Jahren immer noch zu den jüngsten im Parlament, nachdem die Piraten ausgeschieden sind. Für die zog vor fünf Jahren sogar ein 22-Jähriger – nämlich Sven Krumbeck – in den Landtag ein. Unterschätzen sollte man die Polit-Youngster nicht: Der erst 30-jährige Unionsmann Lukas Kilian jagte dem etablierten SPD-Bildungsexperten Martin Habersaat am Sonntag den Wahlkreis Stormarn-Süd ab.

Die Dienstältesten

 

Dienstälteste Abgeordnete sind der Liberale Wolfgang Kubicki, der demnächst womöglich in den Bundestag wechselt, und Peter Lehnert. Er sitzt – wie Kubicki – seit 1992 und damit mehr als ein Vierteljahrhundert im Parlament. Lehnert hat seinen Wahlkreis Pinneberg-Nord jedesmal direkt für die CDU gewonnen. Er ist Vorsitzender des eher unbedeutenden Fraktionsarbeitskreises Bundes- und Europaangelegenheiten.

Der Ministersohn

Gewann das Direktmandat im Wahlkreis 28: Der Bargteheider Claus Christian Claussen (CDU).
Gewann das Direktmandat im Wahlkreis 28: Der Bargteheider Claus Christian Claussen (CDU). Foto: st
 

Eine weitere interessante Personalie: Mit Claus Christian Claussen zieht der Sohn eines früheren Ministers in den Landtag ein. Sein Vater Carl Eduard Claussen war von 1971 bis 1979 Sozialminister, von 1979 bis 1983 Justizminister und von 1983 bis 1988 Innenminister des Landes Schleswig-Holstein. Sohn Claus Christian ist Rechtsanwalt und seit 1998 Stadtvertreter in Bargteheide. Er holte den Wahlkreis Stormarn Nord für die CDU.

Der Unions-Rebell

Werner Kalinka.
Werner Kalinka.
 

Wieder im Landtag sitzt Werner Kalinka – bekannt als Rebell der Union, der sich nicht immer an die Fraktionsdisziplin halten mag. Bereits 1977 rückte er von der CDU-Liste in das Parlament an der Förde, dem er zunächst bis 1983 angehörte. Von 2000 bis 2005 war er dann erneut Mitglied des Landtages und in dieser Zeit sozial- und gesundheitspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion. Nach der Wahl 2005 rückte er, diesmal für den Abgeordneten Klaus Schlie (der ging als Staatssekretär ins Finanzministerium) nach und war bis 2009 Vorsitzender des Innen- und Rechtsausschusses. Für die vorgezogene Landtagswahl am 27. September 2009 setzte ihn die Landes-CDU auf den aussichtslosen Listenplatz 26. Kalinka setzte sich jedoch mit 35,7 Prozent der Erststimmen gegen die SPD-Kandidatin durch und gewann den Wahlkreis Plön-Nord erstmals seit 26 Jahren für die Union. Der Chef des CDU-Arbeitnehmerflügels, der immer wieder stärkere soziale Komponenten im Parteiprofil einforderte, war danach bis 2012 Vorsitzender des Fraktionsarbeitskreises Innen und Recht der CDU-Landtagsfraktion. Beider Wahl 2012 schaffte er den Sprung ins Parlament nicht.

Der Stegner-Bezwinger

Hauke Göttsch (CDU)
Hauke Göttsch (CDU)
 

Erstaunlich ist auch, dass Hauke Göttsch (CDU) den Wahlkreis Rendsburg-Ost erneut mit deutlichem Abstand gegen seinen Konkurrenten Ralf Stegner verteidigte. Während der studierte Landwirt 44 Prozent der Erststimmen erhielt, musste sich der SPD-Landesvorsitzende mit 32 Prozent zufrieden geben. 2012 lag der Vorsprung von Göttsch nur bei acht Prozent. Sein Counterpart bei der Union, Daniel Günther, deklassierte dafür seine Konkurrentin Serpil Midyatli in Eckernförde deutlich und nahm ihr das 2012 gewonnene Direktmandat wieder ab.

Der Überraschungserfolg

Als Triumphator betrat Wolf Rüdiger Fehrs die Wahlparty der CDU im Restaurant der Holstenhallen.
Als Triumphator betrat Wolf Rüdiger Fehrs die Wahlparty der CDU im Restaurant der Holstenhallen. Foto: Ziehm
 

Als kleine Sensation wird der Sieg der Union im „roten“ Neumünster gewertet. Der CDU-Kreisvorsitzende Wolf Rüdiger Fehrs eroberte von der SPD den Wahlkreis 11 Neumünster-Boostedt zurück – mit einer Differenz von 691 Stimmen. Noch knapper fiel das Ergebnis übrigens im Wahlkreis Lauenburg-Nord – diesmal zugunsten der SPD – aus. Ganze 203 Stimmen fehlten dort der CDU–Kandidatin zur Direktwahl.

Das Frauen-Problem der CDU

Eine von nur drei Unions-Frauen: Die Christdemokratin Barbara Ostmeier.
Eine von nur drei Unions-Frauen: Die Christdemokratin Barbara Ostmeier.
 

Bei allem Jubel in der Union über den Wahlsieg bleibt ein Wermutstropfen: Die CDU hat ein eklatantes Frauenproblem. Mit Katja Rathje-Hoffmann, Petra Nicolaisen und Barbara Ostmeier sitzen gerade einmal drei Frauen in der 25-köpfigen CDU-Fraktion. Günther hat zugesagt, dieses Missverhältnis bei den kommenden Wahlen abzustellen. Selbst die AfD steht momentan besser da: Auf fünf Parlamentarier kommt bei ihnen künftig eine Frau. Von Sozialdemokraten und Grünen ganz zu schweigen. Die SPD-Fraktion besteht aus 21 Mitgliedern davon sind 10 weiblich, die Grünen machen halbe halbe.

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