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Schleswig-Holstein

12. Dezember 2017 | 17:32 Uhr

Der neue Klang in St. Jakobi

vom

Die Restaurierung der Großen Orgel in der Lübecker St. Jakobi-Kirche wird mit einer Festwoche gefeiert

shz.de von
erstellt am 07.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Lübeck | Die Freude in der Jakobi-Gemeinde ist riesengroß, und Musikfreunde sollten sich die Termine merken: Mit einer Festwoche vom 20. bis 26. Mai wird die Große Orgel von St. Jakobi in der Hansestadt Lübeck nach einer gründlichen Restaurierung wieder in Dienst genommen.

Rund eineinhalb Jahre musste die "Große" in St. Jakobi stumm bleiben. Spezialisten der Orgelbaufirma Flentrop aus den Niederlanden waren am Werk. "Weder Konstruktion noch Konzept wurden verändert", erläuterten Jakobi-Pastor Lutz Jedeck und Organist Arvid Gast. Im Wesentlichen erhielt das historisch bedeutende und besonders wertvolle Instrument eine komplett neue Windanlage, gewissermaßen eine neue Lunge.

Im Jahr 1984 war die Orgel zuletzt restauriert worden. Seinerzeit brauchte man einen stabilen Wind, was den Klang beeinflusst, ihn eher statisch macht. Inzwischen gibt es andere Arten der Winderzeugung. Das für den Musikfreund entscheidende Ergebnis: Die Orgel klingt runder, weicher, hat jedenfalls keine Schärfen mehr, die man vor 30 Jahren zum Beispiel bei Barockmusik auch wünschte. Neben dem Neubau der "Lunge" - die Windanlage sitzt für den Konzertbesucher unsichtbar hinter dem Instrument - wurden sämtlich Pfeifen herausgenommen, 5000 an der Zahl. Sie wurden gereinigt und neu eingesetzt. Da die Druckverhältnisse sich geändert haben, musste natürlich die gesamte Orgel neu intoniert werden. Die Kosten beliefen sich auf rund 400 000 Euro. Den Löwenanteil, nämlich 350 000 Euro, übernahm die Possehl-Stiftung. Den "Rest" - immerhin 50 000 Euro - stemmte die Jakobi-Gemeinde mit Hilfe zahlreicher Freunde und vieler Aktivitäten.

In der Großen Jakobi-Orgel haben Meister verschiedener Jahrhunderte gebaut. Das Fundament wurde bereits im 15. Jahrhundert gelegt. Die Hauptwerksfassade stammt aus dem Jahr 1504. Der Hamburger Orgelbauer Joachim Richborn erweiterte die Orgel 1673 um das Rückpositiv (das Werk im Rücken des Organisten). Er fügte zudem die Pedaltürme rechts und links ein, in denen die längsten Pfeifen ihren Platz haben. Die größte Basspfeife misst immerhin fast elf Meter.

Die Jakobi-Orgeln haben den Krieg unbeschadet überstanden. Nach dem Bombenangriff von Palmarum 1942 ließ der Kirchenvorstand jedoch das Instrument ausbauen und geschützt in Kellerräumen aufbewahren. Eingebaut wurde das Werk erst zwischen den Jahren 1957 und 1965. Anfang der achtziger Jahre waren weitere Arbeiten notwendig. Auslöser war ein statisches Problem. Die Balken, die das tonnenschwere Werk seit Jahrhunderten getragen hatten, gaben nach. Im Mauerwerk traten Risse auf. Zwischen 1981 und 1984 wurde die Orgelumgebung saniert, während die Berliner Firma Karl Schuke den klingenden Teil restaurierte. Mit 67 Registern, verteilt auf vier Manuale und Pedal, ist die Jakobi-Orgel Lübecks zweitgrößtes Instrument. Auf ihr lässt sich die Musik aller Epochen adä quat wiedergeben.

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