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Serie „Wir verlieben Sie!“ : Der Kuss der Liebe

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Teil 1: Im Frühling haben „Schmetterlinge im Bauch“ Hochsaison. Deshalb heißt es ab heute in Schleswig-Holstein am Sonntag: „Wir verlieben Sie!“ In acht Teilen helfen wir Amor auf die Sprünge, damit Sie nicht den falschen Frosch küssen.

von
erstellt am 27.Apr.2014 | 17:11 Uhr

Küssen kann man nicht alleine, besingt Max Raabe das Dilemma der Singles. Und auch die übrigen Sternschnuppen-Momente des Lebens machen zu zweien einfach doppelt Spaß. Doch wie den Märchenprinz oder die Herzensdame finden? Und wie hält man das Glück und den Partner dann fest, möglichst eine Leben lang?

Alter spielt dabei keine Rolle. Schließlich geht es hier um die Liebe und die schert sich bekanntlich nicht darum, wie groß oder klein man ist, wie dick oder dünn, reich oder arm, ob man noch Zahnspange trägt oder schon eine Gehhilfe braucht. Liebe ist eben ganz einfach und trotzdem manchmal ganz schön schwer. Schon weil man einen zweiten Menschen dazu braucht.

Theoretisch ist ja die ganze Welt voller Möglichkeiten. Praktisch aber hält sich der perfekt passende Partner vielleicht gerade in Timbuktu auf. Theoretisch könnte es der sein, der einem heute Morgen im Bus gegenüber saß. Praktisch war man aber viel zu schüchtern, um ihn anzusprechen. Theoretisch mag man sich für lustige Brünette interessieren, die gern Tennis spielen und kochen können. Praktisch könnte aber auch eine total unsportliche Blondine mit einer ausgeprägten Küchen-Allergie die Goldrichtige sein.

Und das ist das Problem. Wie groß es ist, erkennt man mühelos an der Menge der Flirtratgeber, Online-Dating-Portale, an Angeboten wie Single-Reisen, Single-Kochkursen, Single-Chats oder Single-Partys, an Speed-Dating-Veranstaltungen und Dating-Cafes, an Beziehungs-Ratgebern und der Zahl der Paartherapeuten und der Botox-Behandlungen. Ein ganzes Sonnensystem kreist allein um zwei Fragen: 1. Wie finde ich die große Liebe? 2. Wenn ich sie gefunden habe, was muss ich tun, damit sie frisch bleibt. So ungefähr für 50 Jahre? Mindestens! Diesen Fragen werden wir in den nächsten Wochen genau an dieser Stelle nachgehen und allen anderen, die sich daraus ergeben.

Solchen wie: Wieso ist es eigentlich so schwer, den goldrichtigen Lebensmenschen zu finden? Wie viele Frösche muss man genau küssen, bevor man ihn erwischt? Wie wird man selbst das größte Glück für einen anderen? Was haben Melonen mit der Beziehungsanbahnung zu tun? Warum rufen Männer nicht an? Muss man als Frau einen BMI von unter 20 mitbringen, um auf dem Singlemarkt erfolgreich zu sein? Welches sind die besten Flirttipps? Braucht man überhaupt welche? Gibt es eine Geografie der Liebe – also Orte an denen sie sich besonders gern herumlungert? Wie verlängert man das – erfahrungsgemäß recht übersichtliche natürliche Verfallsdatum eines Traumprinzen?

Aber auch: Weshalb machen es Frauen immer so kompliziert? Meinen Männer und Frauen eigentlich dasselbe, wenn sie sich einen Partner mit Humor wünschen? Wieso finden es Männer dann ganz und gar nicht lustig, wenn man ihnen gleich beim ersten Date sagt, man möchte mindestens drei Kinder von ihnen?

Hier wird erklärt, wie man einen Mann dazu bringt, sich für die schöne Idee – „bis dass der Tod euch scheidet!“ so zu begeistern, dass er sich fragt, wie er bislang ohne Ehering überhaupt atmen konnte. Vom Ansprechen, über das erste Date, den ersten Sex – „zu ihm oder zu ihr?“ – bis zu den besten Rezepten für die Langzeitliebe wird kein zwischenmenschlicher Bereich ausgelassen, werden Sie hier einige verblüffende Antworten, eine Menge Anregung und natürlich die Liebe finden. Gleichzeitig erfahren Sie viel Nützliches aus der aktuellen Beziehungsforschung.

Wussten Sie zum Beispiel, wie die steigende Zahl der Trennungen weltweit der Umwelt schadet? In zwölf Ländern untersuchten Forscher der Michigan State University den Effekt der Scheidung auf den Energie- und Wasserverbrauch. Allein in den USA kamen sie bei getrennten Paaren dabei auf ein Plus von 46 Prozent mehr Strom und 56 Prozent mehr Wasser. Jährlich werden dort auf diese Weise etwa 73 Milliarden Kilowattstunden Strom und 2,4 Billionen Liter Wasser mehr verbraucht. Man tut also auch etwas für den Umweltschutz, wenn man Tisch und Bett teilt.

Das ist natürlich kein Grund, deshalb auch seine schlechten Manieren und ihren Liebhaber zu tolerieren. Zumal es durchaus auch einiges gibt, das für das Single-Dasein spricht: Zum einen haben Verbandelte durchschnittlich drei bis vier Kilo mehr auf den Rippen als Solisten. Außerdem brauchen sich Single-Frauen kein schwarzes Ledersofa mit Stahlrohrgestell im Wohnzimmer gefallen zu lassen und Single-Männer keine spitzfindigen Diskussionen darüber, dass ein Hometrainer nicht wie sein Name vermuten lassen würde in die Wohnung gehört. Nein, auch dann nicht, wenn man ihn zusammen klappen kann. (Was ja – wie die Erfahrung zeigt – ohnehin nie passiert). Man kann nachts um eins noch Spaghetti kochen, wenn einem danach ist und braucht sich morgens nicht darüber aufzuregen, dass der Mann im Badezimmer schon wieder versucht, Handtücher zu kompostieren.

Und man hat mehr Freunde. Denn auch das hat die Forschung entdeckt: Dass jeder Mann oder jede Frau einen enge Freunde kosten. Einfach, weil so eine Beziehung ganz schön viel Zeit frisst und man sich eben gerade auf Dauer entscheiden muss und der Fußball mit den Kumpels da leider meist den Kürzeren zieht.

Trotzdem: Küssen kann man nicht alleine – wie es so goldrichtig in einem Hit von Max Raabe heißt. Und überhaupt gibt es eine Menge Dinge, die ganz wunderbar und sehr exklusiv für die Zweisamkeit reserviert sind. Neben dem Sex wäre da zum Beispiel, dass man immer jemand hat, der schon mal den Gästen die Tür öffnen kann, während man selbst noch vergeblich versucht, ein Kleid in Größe 40 über einen Körper in Größe 42 zu ziehen. Und ohne einen Mann im Haus hätte man nie eine so wahnsinnig praktische Excell-Tabelle für die Menstruationszyklen angelegt.

Ganz sicher spielt auch eine Hauptrolle, dass man als Buchhalter oder Kassiererin, als Lehrer oder Kraftfahrzeugmechanikerin niemals legal an so großartige Stimmungsaufheller kommen könnte, wie sie uns unser Körper produziert, wenn wir verliebt sind. Dann schüttet er nämlich Phenylenthylamin und Endorphin in solchen Mengen aus, dass man schon ein Fall für die Rauschgiftfahndung wäre, würde man das Zeug daheim aufbewahren.

Ganz zu schweigen von Oxytocin. Das sogenannte Bindungshormon, das etwa beim Sex freigesetzt wird. Es sorgt dafür, dass wir den anderen in einem so schön milden Licht sehen, wie er sonst allenfalls noch von seiner Mutter betrachtet wird. Deshalb reagieren wir auf die Aussicht auf Liebe wie der pawlowsche Hund auf die Klingel – sehnen sich die überwiegend meisten Solisten danach, einmal wieder jemanden „Schatzi“ oder „Honigschnute“ nennen zu können und geben sich lang gediente Paare so viel Mühe, sich wieder so zu spüren, wie es am Anfang war.

Den Rest erledigen Werbung, Film, Literatur und seit Neuestem auch das Internet, in dem sie uns die ewige Liebe als ultimatives Lebensziel vorführen. Deshalb sind wir so wild darauf, endlich zwei zu werden. Nur, damit Sie wissen, weshalb Sie sich – mehr oder weniger freiwillig – für die Anschaffung eines Mannes oder einer Frau entschieden haben. Damit Ihr Plan auch noch in diesem Leben rosarote Realität wird, fangen wir am besten gleich damit an, ihn in die Tat umzusetzen. Damit Sie ihn bald spüren, jenen Zauber, der frei nach Hermann Hesse jedem Anfang inne wohnt. (Selbst dann, wenn der Anfang schon ein paar Jahrzehnte zurückliegt). Wenn Sie wissen wollen, wer da mit wem – dann lesen Sie nächste Woche weiter. Da geht es um das Beuteschema. Soviel vorneweg: Seien Sie bloß froh, dass Sie nicht immer bekommen, was Sie sich so wünschen.

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