Ungenehmigter Stellplatz : Der Kanal und seine Wohnmobil-Rebellen

So schön war es im Sommer 2009: Auf der grünen Wiese am Kanal reihte sich            Wohnmobil an Wohnmobil - auf dem nicht genehmigten Platz.
1 von 2
So schön war es im Sommer 2009: Auf der grünen Wiese am Kanal reihte sich Wohnmobil an Wohnmobil - auf dem nicht genehmigten Platz.

Wohnmobil-Fans kämpfen um ihren Stellplatz am Nord-Ostsee-Kanal. Den gab es nur eine Saison lang - und ohne Genehmigung.

shz.de von
11. April 2011, 08:29 Uhr

Jevenstedt | Der Leiter des Amts Jevenstedt (Kreis Rendsburg-Eckernförde) erhält regelmäßig unerfreuliche E-Mails aus ganz Deutschland. "Darin werde ich beschimpft", erklärt Dietmar Böhmke. "Meist als krümmeliger Bürokrat."
Die Absender sind Wohnmobil-Fans, die um einen Stellplatz am Nord-Ostsee-Kanal kämpfen. Der Haken an der Geschichte: Der Platz war nur eine Saison geöffnet und das auch noch ohne amtliche Genehmigung.
Rechts Schiffe, links Sportflieger
Verliebt haben sich alle Reisenden, die im Sommer 2009 mit ihren Wohnmobilen auf diesem Stellplatz Urlaub gemacht haben, schließlich gab es viel zu sehen: Rechts die dicken Pötte, die durch den Kanal dampften, links die Sportflieger, die auf dem Flugplatz Rendsburg-Schachtholm starteten und landeten.
Initiatorin des Projekts war Erika Milling (59) aus Schachtholm. Sie erklärt: "Der Betreiber des Flugplatzes war einverstanden, dass wir auf einer Wiese 80 Plätze für Wohnmobile schaffen. Wir haben die Maulwurfshügel entfernt, den Rasen gemäht und gewalzt und dann Schilder aufgestellt. Mit einem Probebetrieb wollten wir die Resonanz testen, und sie war überwältigend. Es kamen Besucher aus ganz Europa, um Traumschiffe zu gucken. Wir hätten die Flächen sofort gepachtet."
Polizisten machten Meldung
Doch soweit kam es nicht, denn Polizisten bemerkten den illegalen Platz und machten Meldung beim Amt Jevenstedt. Leiter Dietmar Böhmke: "Die Schilder mussten entfernt, der Platz geschlossen werden." Seitdem gab es mal mehr, mal weniger freundlichen Briefverkehr zwischen den Parteien und vor wenigen Tagen schließlich ein erstes Treffen. Erika Milling sagt: "Der Wohnmobil-Tourismus ist ein sehr finanzstarker Tourismus. Pro Person und Tag wandern mindestens 40 Euro in die heimische Wirtschaft. Clevere Gemeinden sollten das erkennen."
Dietmar Böhmke sagt: "Die Wohnmobil-Freunde müssen bei mir keine Überzeugungsarbeit leisten. Aber ich muss das Planungsrecht beachten, sonst zeigt mir das Innenministerium die rote Karte." So sei ein Stellplatz nach der Campingplatzordnung zu behandeln - und die schreibe Emissionswerte wie in einem Wohngebiet vor. Böhmke: "Neben einem Flugplatz, von dem ständig Maschinen starten, gibt es Lärm. Auch wenn die Wohnmobilisten sagen, diesen gerne freiwillig zu erdulden, dürfen wir ihnen das laut Vorschrift nicht einfach erlauben." Ein zweites Problem sei die Zufahrt zur Kreisstraße 100, die zu steil für große Feuerwehrwagen sei.
Wohnmobilisten sind sauer
Diese Argumente will Erika Milling, die mit ihrem Ehemann am Rand des Flugplatz-Geländes wohnt, nicht gelten lassen. "Der Flugplatz schließt um 21 Uhr, es landen dort auch keine lauten Passagierjets. Im Gegenteil: Die Besucher waren von den Sportfliegern begeistert, oft wurde mitgeflogen." Und der Weg über die asphaltierte Auffahrt des Flugplatzes sei mit einer Steigung von 2,9 Grad nicht zu steil.
Die Verhandlungen stecken nach dem Gespräch also wieder fest. Böhmke schlägt daher vor: "Um den notwendigen Bebauungsplan in die Wege zu leiten, bräuchten wir ein Lärmgutachten. Damit könnte die Verwaltung schon mal arbeiten." Doch die Kosten dafür scheuen die Wohnmobil-Freunde. Und sie sind sauer. Erika Milling: "Wohnmobile, die am Kanal wild auf den Flächen des Wasser- und Schifffahrtsamtes parken, duldet die Verwaltung. Einer guten Idee aber werden Steine in den Weg gelegt." Deshalb werde die Taktik geändert: "Ich habe eine Zulassung als Parkplatz für den ruhenden Verkehr beantragt, auf dem nur Reisemobile parken dürfen. In anderen Gemeinden funktioniert das." Dietmar Böhmke bestätigt: "Ja, allerdings handelt es sich dabei um asphaltierte Flächen, die im Flächennutzungsplan bereits entsprechend ausgewiesen wurden. In unserem Fall handelt es sich um eine Wiese."
Obwohl er wenig Chancen auf eine Genehmigung sieht, will der Amtsleiter sich um diese vereinfachte Variante kümmern. Er sagt: "Schließlich bin ich kein krümmeliger Bürokrat."
(ge, shz)

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen