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Kraftwerk Moorburg : Der Fischer und die „Turbinen-Aale“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Immer häufiger gehen in der Elbe Aale mit gebrochenem Rückgrat ins Netz. Saugt das Kühlsystem des Kraftwerks Moorburg sie an?

Geesthacht | Die vom Energiekonzern Vattenfall errichtete Fischtreppe am Stauwehr in Geesthacht haben mittlerweile mehr als zwei Millionen Tiere auf ihrer Wanderung elbaufwärts bewältigt. Darunter sind immer öfter „Turbinen-Aale“, wie der im Abschnitt zwischen Geesthacht und Lauenburg aktive Elbfischer Eckhart Panz feststellt. „Die sind meiner Einschätzung nach in die Turbinen oder gegen den Rechen des Moorburger Kohlekraftwerks geraten. Dort brechen sie sich dann das Rückgrat und sind dadurch in den beiden hinteren Dritteln ihres Körpers gelähmt“, erklärt Panz. Vor Krümmel zieht er den lebenden Beweis eines Aal mit gebrochenem Rückgrat aus einer Reuse.

„Das ist dann aber sauberer Strom“, ärgert sich Panz. Die Aale haben bei gebrochenem Rückgrat eine verknorpelte Stelle, können sich nicht mehr mit der Schwanzflosse fortbewegen – und Panz sie nicht mehr Kunden verkaufen, weil der Körper nach dem Räuchern nicht mehr fest ist. Dem Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) sind „Turbinen-Aale“ mit der von Panz geschilderten Verletzung neu. „Wir wissen, dass kleine Fische angesogen werden, aber die großen Tiere soll ja eigentlich ein Rechen fernhalten“, sagt BUND-Sprecher Paul Schmid. Laut Panz ist der Sog der Kühlwasserpumpen manchmal so stark, dass die Fische am Rechen hängen bleiben würden. Die 2010 durch Vattenfall in Betrieb genommene Fischtreppe soll helfen, diesen ökologischen Eingriff durch den Betrieb des Kohlekraftwerks auszugleichen.

Fischer Eckhart Panz mit einem „Turbinen-Aal“, wie er das Exemplar mit gebrochenem Rückgrat nennt.
Fischer Eckhart Panz mit einem „Turbinen-Aal“, wie er das Exemplar mit gebrochenem Rückgrat nennt. Foto: Timo Jann
 

Die Familie Panz aus Hohnstorf fischt seit mehr als 300 Jahren in der Elbe. „Ich bin froh, dass ich noch Ferienwohnungen vermiete. Vom Fischen allein könnte ich heute nicht mehr leben“, berichtet Panz. Manchmal holt er am Tag nur eine Hand voll Fische, darunter neben Aalen auch Zander und Welse, aus seinen Reusen. „Wenn Sturmflut war und das Wasser am Stauwehr bergauf gelaufen ist, dann ist der Fang immer am besten“, sagt der Fischer. Für ihn ein deutliches Zeichen, dass zwar Fische die Aufstiegsanlage am Stauwehr überwinden, aber wohl längst nicht so viele, wie sich unterhalb des Wehres tummeln. Durch Sturmflut würden sie an der Aufstiegshilfe vorbei in den Oberlauf der Elbe gelangen, meint Panz.

„Unsere Fischtreppe ist international anerkannt“, entgegnet Vattenfall-Sprecherin Barbara Meyer-Bukow. Die im Rahmen des von Biologen begleiteten Monitorings bereits registrierten zwei Millionen Tiere von 50 Arten – darunter auch seltene Exemplare – zeigen eindeutig, dass das Bauwerk funktioniere, so Barbara Meyer-Bukow. „Die Fischtreppe ist ein großer Erfolg“, sagt sie. Für die ausstehenden weiteren Verfahren um den Betrieb von Moorburg sei auch das Monitoring weiterhin nötig, heißt es.

Unbeeindruckt von Kraftwerk und Fischtreppe tummeln sich immer mehr aus Asien über Ballastwasser von Containerfrachtern eingeschleppte Wollhandkrabben in der Elbe. „Die vermarkte ich zwar auch, aber das ist, als würde der Gemüsehändler Schnecken statt Gurken verkaufen“, erklärt Panz. Immerhin werden die Wollhandkrabben von Asiaten in ganz Europa geordert.

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