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Webcams in Schleswig-Holstein : Datenschützer: Viele Strand-Webcams sind falsch eingestellt

vom
Aus der Onlineredaktion

Strand-Webcams ermöglichen den digitalen Strandbesuch. Doch Datenschützer warnen: Viele Webcams an Nord- und Ostsee seien falsch eingestellt.

shz.de von
erstellt am 28.Jun.2016 | 16:29 Uhr

Kiel | Jederzeit einen Blick in Lübecker Bucht oder Flensburger Förde werfen, aus der Ferne Besucher am Strand flanieren sehen und die aktuelle Wetterlage checken: mit Webcams entlang der Strände von Nord- und Ostsee kein Problem.

Ein Teil der Strand-Webcams verletzt nach Ansicht von Datenschützern jedoch die Persönlichkeitsrechte der Besucher. Der Grund: Viele Webcams filmen weit mehr, als Urlaubern lieb sein dürfte. Bei etwa der Hälfte der Kameras gebe es Probleme, sagt die schleswig-holsteinische Landesdatenschutzbeauftragte Marit Hansen. In diesem Sommer habe das Unabhängige Datenschutzzentrum bereits 15 Beschwerden und Nachfragen in diesem Bereich erhalten. In den vergangenen Jahren waren es hingegen meist zwischen vier und zehn – meist zu Webcams im touristischen Bereich.

„Wird nur die Landschaft gezeigt, ist das kein Problem, wenn aber Personen erkennbar sind, wird es heikel“, so Hansen weiter. Das kann ein Verstoß gegen das Recht auf informationelle Selbstbestimmung und das Recht am eigenen Bild darstellen. „Diejenigen, um deren Daten es geht, müssen auch die Kontrolle darüber haben.“ Viele Touristen an Schleswig-Holsteins Stränden wüssten jedoch gar nicht, dass sie gefilmt werden. Kritisch seien laut Hansen vor allem Kameras die zoomen können. „Die sind zu invasiv.“ Das könne auch nicht im Sinne der Touristiker sein, wenn sich Strandbesucher von den Kameras gestört fühlten.

<p>Die Landschaft im Blick: Diese Perspektive einer Webcam am Timmendorfer Strand ist für Marit Hansen kein Problem. </p>

Die Landschaft im Blick: Diese Perspektive einer Webcam am Timmendorfer Strand ist für Marit Hansen kein Problem.

Foto: Sreenshot www.timmendorfer-strand.de

Hansen fordert daher, dass die Webcams so konfiguriert werden, dass auf die Winkel geachtet wird und keine Einzelpersonen erkennbar sind. Personen zu verpixeln, sei eine weitere Möglichkeit, das Problem zu umgehen. Bei bewegenden Personen sei dies jedoch nicht ganz einfach und viele Kameras dazu nicht in der Lage, erklärt Hansen. „Außerdem entsteht dadurch häufig der Eindruck, die Person sei kriminell.“ Deshalb komme dies für den Tourismus eigentlich nicht infrage. Zudem bleibt es auch dann rechtlich problematisch. Für einen Verstoß gegen Persönlichkeitsrechte sei es ausreichend, wenn Personen durch etwas Auffälliges - zum Beispiel ihre Kleidung oder das mitgeführte Fahrzeug – erkennbar sind.

Hansen und ihre Kollegen setzen sich nach einer Beschwerde mit den Betreibern der Webcam in Verbindung. „Die meisten von ihnen reagieren positiv“, sagt Hansen. Oftmals reiche es bereits aus, die Einstellung des Kamerawinkels zu ändern. Teilweise hilft es auch, die Zoomfunktion der Kamera auszuschalten. In anderen Fällen müsse jedoch ein anderer Ort für die Kamera gefunden werden. Beachten die Betreiber die Hinweise der Datenschützer nicht, droht ihnen im schlimmsten Fall ein Bußgeldverfahren.

Es gibt aber auch positive Beispiele von Tourismusanbietern im Land. „Zum Glück bekommen wir viele Anfragen von Menschen, die eine solche Webcam erst aufbauen wollen“, sagte Hansen. Die Datenschützerin geht davon aus, dass es mindestens 100 Webcams im Land gibt. Einen Eindruck davon, wie viele es sein könnten, bekommen die Datenschützer nur durch die Beschwerden, die bei ihnen eingehen. Auf dem Internetportal „Webcam Galore“ sind derzeit 167 Webcams in Schleswig-Holstein registriert.

Webcams an den Stränden und Promenaden von Nord- und Ostsee sind ein wichtiger Service der Tourismusbranche für Urlauber. Sie können sich via Internet über das Wetter vor Ort informieren und erhalten so einen „authentischen und werbefreien Blick“ auf den Urlaubsort, wie der Sprecher der Tourismusagentur Schleswig-Holstein, Marc Euler, sagte. Dennoch appellierte er an die Betreiber der Kameras, die Persönlichkeitsrechte einzuhalten. „Denn ein Gast, der sich beobachtet fühlt, kommt nächstes Jahr nicht mehr wieder.“

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