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Lübecker MuK : Das SHMF 2017 startet in die neue Saison

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Hélène Grimaud, das NDR Elbphilharmonie Orchester und Thomas Hengelbrock machen den Auftakt beim SHMF.

Es ist angerichtet. Mit Hélène Grimaud am Klavier, dem NDR Elbphilharmonie Orchester und Thomas Hengelbrock am Pult startete das Schleswig-Holstein Musik Festival am Sonnabend in der Lübecker Musik- und Kongresshalle (MuK) mit dem Voreröffnungskonzert in seinen 32. Sommer. Offiziell wird das SHMF 2017 am Sonntagabend an gleicher Stelle eröffnet – wie immer feierlich und voller Vorfreude auf die kommenden acht Wochen.

Dieser Genuss war absehbar. Grimaud und Hengelbrock, das gab es schon einmal zum Auftakt 2013. Diesmal entführt sie ihr Publikum mit Maurice Ravels Klavierkonzert in G in fantastische Pianowelten. Der französische Impressionist, dem 2017 die Retrospektive gewidmet ist, scheint, neben ihr auf der Klavierbank zu sitzen. Die Französin Marguerite Long, bedeutendste Pianistin des 20. Jahrhunderts, spielte die Uraufführung 1932; nun lässt Hélène Grimaud die Begeisterung Longs für die Komposition auferstehen, spürt sich hinein in die Faszination Ravels für den Jazz, hat beim langsamen zweiten Satz keine Scheu vor tiefen Emotionen, die in anderen Händen schnell mal an die Grenze zum Peinlichen schrammen können. Bei Grimaud tun sie das nicht.  „Dieser fließende Ausdruck! Wie ich ihn Takt für Takt überarbeitet habe! Er brachte mich beinahe ins Grab!“, hat Ravel über die Eröffnung dieses Adagio assai gesagt. Hier ist offengelegt, was er meinte. Funken sprühen zwischen Pianistin, Dirigent, Orchester und einem staunenden Publikum.

Das Klavierkonzert in G ist eingerahmt von Ravels choreografischer Sinfonie „Daphnis et Chloé“ und der Sinfonie d-Moll von César Franck – und damit ist der Abend auch ein dramaturgischer Leckerbissen. Schleswig-Holsteins neuer Ministerpräsident Daniel Günther und Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz wollen am Sonntag dabei sein, wenn der serviert wird, ebenso die Star-Klarinettistin Sabine Meyer, der Mandolinenvirtuose und diesjährige Porträtkünstler Avi Avital, die Schauspieler Armin Mueller-Stahl, Sky du Mont und Christian Brückner, der Regisseur Lars Jessen.

Man darf sich freuen auf das, was in diesem SHMF-Sommer bis zum Abschlusskonzert am 28. August geboten wird: Auf 60 von insgesamt 193 Konzerten, die sich direkt mit dem französischen Impressionisten Ravel befassen werden. Auf den diesjährigen Porträtkünstler Avi Avital, der in 20 Konzerten sein Instrument – die Mandoline – in den Fokus der Wahrnehmung rücken wird. Auf Dirigenten wie Herbert Blomstedt, dessen 90. Geburtstag das SHMF feiert. Auf den Experten für Alte Musik Ton Koopman, den Chef der Dresdner Philharmonie Michael Sanderling und natürlich Christoph Eschenbach, den Principal Conductor des SHMF Festival Orchesters, das in diesem Jahr seinen 30. Geburtstag feiert (und damit vier Jahre älter ist, als es seine Mitglieder sein dürfen). Auf Stars wie Cameron Carpenter, Sol Gabetta, Martin Grubinger, Anne Sophie Mutter, Martin Stadtfeld.

Man darf sich auch wieder freuen, dass die künstlich errichtete Grenze zwischen „Ernst“ und „Unterhaltung“ 2017 erneut nicht gilt und das Team um Intendant Christian Kuhnt nur zwischen guter und schlechter Musik unterschieden wissen will. Freuen darf man sich zudem mit Kuhnt über die nach langer Reparaturphase neu erstarkte – und akustisch noch bessere – MuK. Als „unser Flaggschiff“ bezeichnet sie der Intendant, „Elphie“ hin oder her. (Ein Interview mit Christian Kuhnt lesen Sie hier).

Die Besucher des Voreröffnungskonzerts allerdings waren kaum in der Lage, sich auf Künftiges zu freuen. Gefangen im Hier und Jetzt einer elektrisierenden Musik, verführt von einer charismatischen Pianisten und einem prächtig aufgelegtem Orchester, lauschten sie teils offenen Mundes.

Hélène Grimaud ist nach Sonntaggbend übrigens noch einmal beim SHMF zu erleben: am 5. Juli im Kieler Schloss mit ihrem Projekt „Water“.

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