Das Leben der Klitschkos im Film: Start in Flensburg

Erste Aufnahmen in der Handewitter Halle. Foto: Kirschner
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Erste Aufnahmen in der Handewitter Halle. Foto: Kirschner

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30. Juli 2010, 06:13 Uhr

Handewitt | Norbert Zewuhn öffnet die Eingangstür zur Handewitter Wikinghalle. Box-Trainer Andrej Sliwinski, Handewitts Bürgermeister Dr. Arthur Christiansen und ein vierköpfiges Film-Crew folgen dem ehemaligen Manager des Box-Bundesligisten Sparta Flensburg. Im Innenraum stoßen sie auf pure Nostalgie. Erinnerungen werden wach, in den Gedanken taucht der Ring wieder auf, in dem Vladimir Klitschko in der Saison 1995/96 seine fünf Bundesliga-Kämpfe für die Fördestädter bestritt. "Da saßen die Zuschauer", schwärmt Andrej Sliwinski. "Von ihnen hat wohl niemand gedacht, dass sie den Beginn einer Weltkarriere erleben. Wladimir Klitschko war schon damals sehr diszipliniert und ordnete alles dem Sport unter."

Demnächst soll die Lebensgeschichte der Klitschkos als Dokumentarfilm in die Kinos kommen - wahrscheinlich mit dem Titel "Unter Brüdern". In der letzten Woche war das Produktionsteam von "Broadview TV" aus Köln in Kiew und Browary (Ukraine), am Dienstag stand ein Interview mit Vladimir Klitschko im Hamburger Anwesen seines Bruders Vitali auf dem Programm, und demnächst geht es nach Los Angeles, Prag und Kasachstan. Das Handewitter Trio plauderte vor der Kamera 20 Minuten über die alten Box-Zeiten. "Das werden im Film etwa 1:30 Minuten", erklärt Regisseur und Geschäftsführer Sebastian Dehnhardt. "Gerade von den Anfängen der Klitschko-Karrieren gibt es nur sehr wenig bewegtes Bildmaterial."

Für diese Frühphase sind gerade Flensburg und vor allem die Handewitter Wikinghalle von Interesse. Deshalb führen die Kölner mit Andrej Sliwinski und Norbert Zewuhn auch Einzel-Interviews. Die beiden können viel über die letzten Zeiten der Klitschko-Brüder als Amateure erzählen. Ursprünglich sollte Vitali für Sparta Flensburg kämpfen, wurde dann aber kurzfristig wegen Dopings auf Amateurebene gesperrt. Kurzfristig musste die Lücke im Schwergewicht geschlossen werden. "Uns wurde sein Bruder Vladimir empfohlen", schildert Andrej Sliwinski. "Er war damals in der polnischen Box-Bundesliga, deren Saison beendet war, und ich kannte zum Glück einen Coach-Kollegen in Warschau."

Norbert Zewuhn erinnert sich noch genau, wie er den erst 19-jährigen Ukrainer vom Hamburger Flughafen abholte. "Er sah fast genauso aus wie sein Bruder Vitali, er war nur etwas schmächtiger", sagt der Ex-Manager. "Und er hatte die bessere Technik", wirft Andrej Sliwinski ein. "Bei Vitali sah man, dass er vom Kickboxen kam." Erste Bezugsperson für Vladimir Klitschko war in Flensburg der Armenier Vardan Zakarijan - ausgerechnet der Fliegengewichtler. "Im Sport ist es oft so, dass der Kleinste und der Größte eine besondere Beziehung zueinander haben", schmunzelt Norbert Zewuhn.

Die Flensburger Zeit endete für "Dr. Steelhammer" praktisch mit dem Olympiasieg 1996 und dem Einstieg in den Hamburger Profi-Boxstall "Universum". Auch für die Film-Crew klingt die Stippvisite in Handewitt aus. Nach ein paar Außenaufnahmen geht es zurück nach Köln. Norbert Zewuhn und Andrej Sliwinski sind nun auf das Ergebnis gespannt. Die Referenzen von "Broadview TV" ("Das Wunder von Bern", "Das Drama von Dresden") sind vielversprechend. Die Premiere ist im Rahmen der Berlinale im März geplant. Alle Protagonisten des Films sollen eine Einladung erhalten.

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