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Regionaler Jahresrückblick : Das hat uns in SH 2016 bewegt - von Januar bis März

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Die Rendsburger Schwebefähre rammt einen Frachter. Roger Cicero ist tot. Und Angelique Kerber startet ihr Super-Jahr.

1. Januar: Übergriffe in der Silvesternacht

 

Nicht nur in Köln, auch in Hamburg werden Hunderte Frauen in der Silvesternacht Opfer sexueller Übergriffe. Auf der Reeperbahn und dem Jungfernstieg umringen Männer die Frauen, begrapschen und bestehlen sie. Die Staatsanwaltschaft leitet bis Dezember 245 Ermittlungsverfahren ein. Die Behörde zählt 410 geschädigte Frauen. In vier Fällen kommt es zu Anklagen, zwei davon enden mit Freisprüchen vor Gericht. In einem Prozess um einen Angriff auf eine 19-Jährige am S-Bahnhof Stellingen wird ein Afghane zu einer Jugendstrafe von zwei Jahren auf Bewährung verurteilt. Ein weiterer Prozess soll Anfang 2017 beginnen.

4. Januar: Dänemark führt Passkontrollen ein

Dänemark weitet die Grenzkontrollen aus  - und führt „vorübergehend“ stichprobenartige Passkontrollen an der Grenze zu Deutschland ein. Ziel: die Eindämmung des Flüchtlingsandrangs. Dazu sehe sich sein Land gezwungen, weil Schweden einreisende Menschen aus Dänemark kontrolliere, sagt Ministerpräsident Lars Løkke Rasmussen. Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig kritisiert die Grenzkontrollen: Sie könnten das gute Zusammenleben in der Grenzregion beeinträchtigen und Pendler belasten. Auch fast ein Jahr später wird immer noch kontrolliert.

8. Januar: Rendsburger Schwebefähre und Schiff kollidieren

Dieses Unglück hätte noch viel schlimmer ausgehen können: Die Schwebefähre stößt am Morgen mit einem Frachter auf dem Nord-Ostsee-Kanal zusammen. Der Fährführer kommt schwer verletzt ins Krankenhaus. Leicht verletzt wird der einzige Passagier, ein Polizist auf dem Heimweg. Hätte sich die Kollision später ereignet, wären wahrscheinlich auch Schulkinder und Autos an Bord gewesen. Die Rendsburger Landeszeitung startet die Petition „Rettet die Schwebefähre“. Die Unterzeichner kommen aus ganz Deutschland. Doch die Fähre ist so schwer beschädigt, dass sie nicht repariert werden kann. Ein Neubau soll sie ersetzen. 2018 soll sie fertig sein. Gegen den verletzten Kapitän wird ermittelt.

25. Januar: Bundesliga-Aus für Handballer des HSV

Der Hamburger SV verschwindet endgültig aus der Handball-Bundesliga. Insolvenzverwalter Gideon Böhm meldet den Verein mit sofortiger Wirkung vom Spielbetrieb der Eliteliga ab - der HSV hat rund vier Millionen Euro Schulden. Knapp eine Woche zuvor war den Hamburgern bereits die Lizenz zum Saisonende aberkannt worden. Die 20 bereits absolvierten HSV-Saisonspiele werden annulliert und aus der Tabelle herausgerechnet. Das HSV-Projekt ist nach 13 Jahren beendet.

25. Januar: Ins Eis eingebrochen - mysteriöses Drama mit Baby

Mit einem Seil gesichert holten die Rettungskräfte Mann und Baby aus dem Lohmühlenteich.

Mit einem Seil gesichert holen die Rettungskräfte Mann und Baby aus dem Lohmühlenteich.

Foto: Citynewstv

Ein Mann bricht mit seinem Baby auf dem zugefrorenen Lohmühlenteich in Hamburg-Eißendorf ins Eis ein. Die beiden werden gerettet. Der Vater ist unterkühlt und hat Stichverletzungen, das drei Monate alte Mädchen wird von den Rettern wiederbelebt und ins Uniklinikum Eppendorf gebracht. Dort kämpfen Ärzte um ihr Leben - doch am 8. Februar stirbt das Baby. Die Polizei sucht nach zwei Unbekannten: Der 24-Jährige sagt, er sei auf der Flucht vor den Männern eingebrochen. Der Fall bleibt ein Rätsel: Noch im Dezember ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen Unbekannt.

28. Januar: Polizei behandelt kleinstkriminelle Flüchtlinge anders

Kiels leitender Polizeidirektor Thomas Bauchrowitz.
Kiels leitender Polizeidirektor Thomas Bauchrowitz. Foto: dpa

Die Kieler Polizei hat monatelang kleinstkriminelle Flüchtlinge nicht erkennungsdienstlich behandelt, obwohl die Staatsanwaltschaft dieses Vorgehen gar nicht zulassen wollte. Polizeichef Thomas Bauchrowitz weist Vorwürfe zurück, Flüchtlinge würden bei einfachen Straftaten nicht strafrechtlich verfolgt. Er reagiert auf Kritik an einer Vereinbarung mit der Staatsanwaltschaft vom 7. Oktober 2015, Ersttäter bei Bagatelldelikten nicht erkennungsdienstlich zu behandeln, wenn die Identität des Flüchtlings nicht klar ist. Pikant: Der Generalstaatsanwalt hatte schon am 15. Oktober mit den Leitern der Staatsanwaltschaften ausgemacht, den Kieler Vorschlag nicht umzusetzen. Bei der Kieler Polizei war das aber nicht angekommen.

30. Januar: Kerber gewinnt die Australian Open

Gibt alles gegen Serena Wiliams: Angelique Kerber im Finale der Australian Open.

Gibt alles gegen Serena Wiliams: Angelique Kerber im Finale der Australian Open.

Foto: dpa

2016 wird ein Erfolgsjahr für Angelique Kerber, ihren ersten Triumph feiert sie schon im Januar: Die Tennisspielerin aus Kiel gewinnt die Australian Open. Kerber besiegt im Endspiel überraschend die Weltranglisten-Erste Serena Williams aus den USA mit 6:4, 3:6, 6:4 und ist damit zum ersten Mal in einem Grand-Slam-Finale erfolgreich. Die Kielerin ist zugleich die erste deutsche Australien-Siegerin seit 1994, als Steffi Graf dort Arantxa Sánchez Vicario im Finale bezwang.

1. Februar: Tote Pottwale in der Nordsee

 

<p>Nach und nach werden die Kadaver an Land gebracht.</p>

Nach und nach werden die Kadaver an Land gebracht.

Foto: dpa

Seit Anfang Januar werden immer wieder tote Pottwale vor der Nordseeküste entdeckt - insgesamt 28 in Deutschland, den Niederlanden und Großbritannien. Gleich acht junge Bullen verenden dieses Mal im Wattenmeer vor Dithmarschen. Sie stranden zwei Kilometer vor dem Deich in Höhe Kaiser-Wilhelm-Koog. Die Tiere sind zwischen neun und zwölf Meter lang. Experten vermuten, dass sie sich auf ihren Wanderrouten verschwommen haben. Wenn ein tonnenschwerer Pottwal strandet, kann sein Gewicht die Blutgefäße und die Lunge abdrücken, sodass er an Herz-Kreislauf-Versagen stirbt. Der Abtransport der Kadaver ist eine logistische Großaufgabe.

3. Februar: Räumung der Luftschlossfabrik

Nach langem Hin und Her räumt die Polizei die „Luftschlossfabrik“ am Harniskai in Flensburg - und nimmt dabei 17 Personen fest. Etwa 15 Menschen hatten dort zweieinhalb Jahre lang versucht, ein alternatives Wohn- und Kulturraumprojekt zu etablieren. Die Stadt sagte, sie wolle das Gelände anderweitig nutzen. Bis heute gibt es aber noch keinen offiziellen Plan. „Die Polizei wurde mit Steinen beworfen, alle Zufahrten waren barrikadiert“, sagt Polizei-Einsatzleiter Jörn Tietje. „Mit so massiven Gewalttätigkeiten haben wir nicht gerechnet.“ Die Polizei ist mit insgesamt 220 Beamten, Wasserwerfern und gepanzerten Sonderwagen angerückt. Oberbürgermeister Simon Faber (SSW) verteidigt die Räumung. Für Aufregung sorgt auch ein Video, das shz.de zugespielt wird: Es zeigt, wie Polizisten offenbar ruhig herumstehende Demonstranten und Schaulustige zu Boden werfen.

Im Juni ziehen die Bewohner an einen neuen Platz im Friedensweg im Südwesten der Stadt (nahe Citti/Nordschrott).

4. Februar: Windpark „Amrumbank West“ läuft

Kostspielig, aber effizient: 80 Windräder sollen im Park „Amrumbank West“ 300 Megawatt elektrischen Strom erzeugen, genug für 300.000 Haushalte.
Kostspielig, aber effizient: 80 Windräder sollen im Park „Amrumbank West“ 300 Megawatt elektrischen Strom erzeugen, genug für 300.000 Haushalte. Foto: Eon

Der Energiekonzern Eon nimmt den Windpark „Amrumbank West“ offiziell in Betrieb. Der Park rund 90 Kilometer vor der Küste besteht aus 80 Windkraftanlagen mit einer Leistung von 302 Megawatt. Damit können rechnerisch rund 300.000 Haushalte versorgt werden. Bei der Feier im Hamburger Hafenmuseum betonen mehrere Redner, dass die Verlässlichkeit und Kontinuität des Offshore-Ausbaus einer der wesentlichen Bausteine der Energiewende sei.

7. Februar: Roger Willemsen stirbt

Der Publizist und Moderator Roger Willemsen.

Der Publizist und Moderator Roger Willemsen.

Foto: Jens Kalaene/dpa
 

Der Bestsellerautor und frühere TV-Moderator Roger Willemsen stirbt im Alter von 60 Jahren in seinem Haus in Wentorf bei Hamburg. Die Nachricht bestürzt seine Fans. Willemsen hatte Krebs. Der Publizist und Fernsehmann gehörte zu den bekanntesten deutschen Intellektuellen. Die Krebserkrankung war bei ihm im August 2015 festgestellt worden. Daraufhin sagte er alle öffentlichen Veranstaltungen ab.

8. Februar: Delfine in der Flensburger Förde gesichtet:

„Selfie“ und „Delfie“ haben sich aus offenbar aus Flensburg verabschiedet.

„Selfie“ und „Delfie“ haben sich inzwischen offenbar aus Flensburg verabschiedet.

Foto: Stephan Thomsen

Eine kleine Sensation: In der Flensburger Förde werden zwei Delfine gesichtet. Sie schwimmen neben Booten her und können auch vom Ufer aus beobachtet werden. Uns erreichten zahlreiche Video-Aufnahmen und Leser-Fotos. Dei Flensburger taufen die beiden Meeressäuger „Selfie“ und „Delfie“. Der Delfin-Hype wird die Schleswig-Holsteiner noch das ganze Jahr begeleiten. Später besuchen sie Kiel, ab Mai sind sie im Großen Belt. Im Spätsommer kommt ihr Artgenosse „Freddy“ über den Kleinen Belt nach Kiel, wo er sich zur Begeisterung der Beobachter regelmäßig in den Nord-Ostsee-Kanal und zurück schleusen lässt.

24. Februar: Peter Lustig ist tot

<p>Moderator Peter Lustig vor seinem Bauwagen in „Löwenzahn“.</p>

Moderator Peter Lustig vor seinem Bauwagen in „Löwenzahn“.

Foto: imago/Sven Simon

Mehrere Generationen von Kindern lernten mit Peter Lustig in der Kindersendung „Löwenzahn“ viel über Natur und Technik - der legendäre Moderator stirbt im Alter von 78 Jahren in der Nähe von Husum im Kreise seiner Familie. Lustig, der später mit Latzhose, Nickelbrille und Bauwagen berühmt wurde, wurde in Breslau geboren. Er war gelernter Rundfunkmechaniker und studierter Elektrotechniker und kam als Tonmeister zum ZDF. Der Sender holte Lustig 1979 für die Reihe „Pusteblume“ - dem „Löwenzahn“-Vorgänger - vor die Kamera. 2005 verabschiedete er sich vom Bildschirm.

28. Februar: Sexuelle Nötigung im Schwimmbad „Arriba“

Im Norderstedter Schwimmbad „Arriba“ sollen zwei Flüchtlinge aus Afghanistan im Alter von 14 und 34 Jahren eine 14-Jährige gemeinschaftlich vergewaltigt haben. Der Fall erregt großes Aufsehen. Das Schwimmbad reagiert mit verschärften Sicherheitsmaßnahmen. Am 9. September spricht ein Schöffengericht beide Angeklagte vom Vorwurf der Vergewaltigung frei. Einen „Kuss auf die Hüfte“ einer 18-Jährigen, den der ältere Angeklagte gestanden hatte, werten die Richter als sexuelle Nötigung im minderschweren Fall. Dafür verurteilen sie ihn zu acht Monaten Bewährungsstrafe.

4. März: Dänisches Parlament stimmt für Fehmarnbelt-Tunnel

Trotz höherer Kosten und Verzögerungen steht Dänemark weiter hinter dem Fehmarnbelt-Tunnel. Das stellen die Parteien, die das Vorhaben unterstützen, in Kopenhagen klar. Das Parlament gibt grünes Licht für den weiteren Prozess. Das Projekt sei wieder in der richtigen Spur, sagt Verkehrsminister Hans-Christian Schmidt. Der Kieler Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) begrüßt das Votum. Zuvor hatten dänische Politiker zunehmend am Bau des 18 Kilometer langen Tunnels zwischen Fehmarn und der dänischen Insel Lolland gezweifelt. Durch Nachverhandlungen wurde das Budget bei einer längeren Bauzeit aber zuletzt auf 7,1 Milliarden Euro gesenkt.

14. März: Der Mann auf der Motorhaube

<p>Das ist der Mann auf der Motorhaube.</p>

Das ist der Mann auf der Motorhaube.

Foto: Youtube

Man kennt die Szenen aus billigen US-Action-Filmen. Auf der Autobahn A7 zwischen Warder und der Rader Hochbrücke wurden die Stunts solcher Thriller gefährliche Realität: Ein Mann fuhr 6,2 Kilometer lang auf der Motorhaube eines Pkw mit, der mit Tempo 100 Richtung Flensburg unterwegs war. Das Polizei-Autobahnrevier Neumünster schreibt fast ein halbes Dutzend Anzeigen: Wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr, wegen Nötigung, Sachbeschädigung, Körperverletzung und wegen eines Verstoßes gegen das Waffengesetz. Hintergrund ist ein offenbar langanhaltender Nachbarschaftsstreit. In zwei Videos beschreiben die beiden Männer den Vorfall aus ihrer Sicht.

24. März: Roger Cicero stirbt

 
  Foto: Jens Kalaene

Jazzmusiker Roger Cicero stirbt im Alter von 45 Jahren in Hamburg an einem Hirninfarkt - fünf Tage später wird sein Tod in der Öffentlichkeit bekannt. Cicero hatte für Deutschland 2007 beim Eurovision Song Contest (ESC) gesungen und mit „Frauen regier'n die Welt“ den 19. Platz belegt. Seine letzten großen Projekte waren „Cicero Sings Sinatra“ und „The Roger Cicero Jazz Experience“, für Letzteres gab es posthum einen Jazz-Echo - sein dritter Preis aus der Echo-Familie. Die nächste Tour sollte am 7. April starten. Am 15. April nahmen Freunde und Fans in einer Trauerfeier Abschied, die Beisetzung war einige Tage zuvor im engsten Familienkreis.

(mit dpa)

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erstellt am 27.Dez.2016 | 20:25 Uhr

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