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Interview zum Uni-Streit : „Das gleicht einer mittelalterlichen Fehde“

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Streit um die Lehrerausbildung in Schleswig-Holstein: Spitze der Flensburger Universität wirft Kieler Kollegen vor, Grenzen überschritten zu haben.

Herr Reinhart, am Montag haben die Präsidien der Kieler und der Flensburger Universität vereinbart, im Streit um die künftige Lehrerausbildung im Land Kompromisslösungen auszuloten. Kommen sie voran?

Prof. Reinhart: Heute hat es ein zweites Gespräch der Präsidien gegeben. Leider müssen wir danach feststellen, dass die Suche nach einem Kompromiss gescheitert ist.

Lagen beide Seiten inhaltlich zu weit auseinander?

Prof. Reinhart: Wir waren kompromissbereit. Aber der Präsident der Kieler CAU, Gerhard Fouquet, hat uns wörtlich einen „blutigen Krieg und eine schmutzige Kampagne“ angedroht, wenn wir ihm nicht folgen. Das war die letzte Eskalationsstufe einer Entwicklung, die wir beobachten, seit die Landesregierung ihre Pläne zur Reform der Lehrerausbildung vorgelegt hat. Jetzt geht es uns um Klarstellung und Grenzziehung. Die CAU hat Grenzen überschritten in der Frage, was sich gehört und was sich nicht gehört.

Prof. Danker: Wir haben der CAU jedenfalls keinerlei Anlass für diese einseitige Kriegserklärung gegeben. Das Verhalten ist unakademisch. Meine Mutter würde hinzufügen: Es ist ungehörig. Mag sein, dass das Präsidium der Kieler Universität eigentlich die Landesregierung meint. Tatsache ist aber, dass unsere Universität ins Visier genommen wird, dass über unsere Studiengänge und unsere Entfaltungsmöglichkeiten hergezogen wird, so als seien wir eine nachrangige Universität. Ich will nicht weiter auf diesen Stil eingehen. Aber wir können nicht länger auf stille Diplomatie setzen, wenn die Augenhöhe nicht gewahrt bleibt.

Mit welcher Kompromissbereitschaft ist denn die Flensburger Universität in das heutige Gespräch gegangen?

Prof. Reinhart: Um die Existenz der Uni Flensburg nicht in Frage zu stellen, brauchen wir bei der künftigen Lehramtsausbildung hinreichend viele Kombinationsmöglichkeiten. 13 Fächer im Bereich der Sekundarstufe müssen es sein, sonst verlieren wir zu viele Studierende. Wenn wir uns nur auf die ursprünglich angedachten sieben Fächer beschränken würden, dann würden wir circa 1 000 unserer Studierenden verlieren. Das waren ein Drittel aller Lehramtsstudierenden.

Klingt so, als seien Sie in dem heutigen Gespräch nicht über die bekannte Position hinausgegangen.

Prof. Reinhart: Oh, doch. Wir haben Bereitschaft signalisiert, über die Fächer zu diskutieren, die wir behalten und die wir abgeben. Doch die rote Linie wurde von Seiten der CAU immer weiter verschoben, nachdem wir beim Gespräch am Montag beim Wunsch der Kieler Entgegenkommen signalisiert hatten, dass die Fächer Chemie und Physik ausschließlich dort angeboten werden. Jetzt wurde uns einseitig jede Gesprächsbasis entzogen. Wir sind es uns und unserer Selbstachtung schuldig, deutlich zu machen, dass es Grenzen und so etwas wie die Würde einer Institution gibt. Wir sind kein Spielball.

Hat sich die CAU tatsächlich überhaupt nicht bewegt?

Prof. Reinhart: Nein. Dabei verstehen wir die Aufregung des CAU-Präsidiums nicht, denn der Kieler Uni wird durch die geplante einheitliche Lehrerausbildung an beiden Universitäten nichts genommen – nicht ein einziges Fach, nicht eine einzige Stelle, nicht ein einziger Studiengang im Bereich des Lehramtes. Andererseits haben wir auf das Verständnis der CAU gehofft, dass durch die Reformpläne der Landesregierung die Existenz der Flensburger Universität als ein vorrangiger Ort der Lehramtsausbildung nicht gefährdet werden darf.

Prof. Danker: Es darf nicht vergessen werden, dass die ursprünglich sieben Fächer, die für die Sekundarstufe II in Flensburg geplant waren, auf der Basis eines anderen Modells beruhten. Bei diesem Modell hätten wir in allen anderen Fächern weiterhin Mittelstufenkräfte ausgebildet. Jetzt hat sich die Landesregierung für das Modell einer einheitlichen Lehramtsausbildung für Gemeinschaftsschulen und Gymnasien entschieden. Wer das will, muss dem kleineren Anbieter eine ausreichende Anzahl von Studienfächern belassen, damit Lehramtsstudenten, die zwei Fächer belegen, noch genügend Kombinationsmöglichkeiten haben. Die CAU würde bei den jetzigen Plänen alle Studienfächer – mehr als 20 – behalten. Wir brauchen mindestens 13 Fächer, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Es gibt andere Lehramtsbildungsmodelle – zum Beispiel die schulartbezogene Ausrichtung. Sollte die Politik neu über die Reformpläne nachdenken?

Prof. Danker: Ich habe die schulartbezogene Ausrichtung in der Vergangenheit sogar favorisiert. Aber die Landesregierung hat anders entschieden. Es ist das Recht und die Aufgabe der Landespolitik, die Lehrerausbildung zu definieren. Das haben die Universitäten zu achten. Wenn die Politik sich für die einheitliche Lehramtsausbildung entscheidet, dann muss sie der Universität Flensburg genügend Fächer zugestehen.

Zurück zum Konflikt zwischen Kieler und Flensburger Uni. Wie geht es jetzt weiter?

Prof. Danker: Zunächst möchte ich festhalten, dass dies kein Konflikt zwischen beiden Hochschulen war, sondern ein einseitig von der CAU erklärter Konflikt, fast vergleichbar mit einer mittelalterlichen Fehde. Es ist ganz ungewöhnlich, dass eine Universität meint, über das Fächerspektrum einer anderen Uni öffentlich diskutieren zu müssen. Wir müssen in den Studiengängen, die wir anbieten, keinen Vergleich scheuen – auch und gewiss nicht mit der Universität Kiel. Schauen Sie sich den Gutachterbericht zum laufenden Akkreditierungsverfahren der lehrerbildenden Studiengänge an der Universität Flensburg an. Da wird die wissenschaftliche Arbeit ebenso positiv hervorgehoben wie der Bezug zum Berufsfeld oder das vernetzte Denken. Auch vor diesem Hintergrund war der schräge Blick der CAU von oben auf uns herab in der öffentlichen Debatte der vergangenen Wochen für uns schwer zu ertragen.

Prof. Reinhart: Sie wollen wissen, wie es weitergeht?

Ich werde mit allen Fraktionen im Landtag Gespräche führen, um unsere Position, unser Konzept und unsere Kompetenz deutlich zu machen. Und wir werden genau beobachten, was nach ihren Androhungen die CAU macht.

Werden Sie mit dem CAU-Präsidium noch Gespräche führen, solange die Drohung vom ‚blutigen Krieg’ und der ‚schmutzigen Kampagne’ im Raum steht? Oder muss zuerst eine Entschuldigung von Ihrem Kollegen Fouquet her?

Prof. Reinhart: Wir sollten hier nicht Klein-Ukraine oder so etwas spielen. In der Wissenschaft sollte man immer dialogfähig bleiben. Die Formulierungen, die in der Tat gefallen sind, müssen allerdings aus der Welt geschafft werden. Vertrauen ist ein sehr hohes Gut. Es ist schnell zerstört und kann danach nur unter Mühen wieder aufgebaut werden. Voraussetzung für weitere Gespräche ist, dass es eine vernünftige Basis gibt. Die sehe ich derzeit nicht.

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erstellt am 03.Mai.2014 | 06:00 Uhr

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