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CDU-Landeschef : Daniel Günther: Premiere auf dem Bundesparkett

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Nur zwei Wochen nach seiner Wahl zum CDU-Landeschef muss Daniel Günther beim Parteitag in Essen schon die erste Feuerprobe bestehen.

Es wird sein Debüt werden. Zwar war Daniel Günther schon fast ein Dutzend Mal auf Bundesparteitagen der CDU – doch eine Rede hat der frisch gebackene schleswig-holsteinische Landeschef und Spitzenkandidat dort noch nie gehalten. Das ändert sich nun: Beim CDU-Bundestreffen am 6. und 7. Dezember in Essen wird Günther schon deshalb ans Pult treten, weil die Christdemokraten gerade aufmerksam auf den 43-Jährigen gucken. Sie erhoffen sich von ihm ein gutes Ergebnis bei der Kieler Landtagswahl im Mai und Schwung für die folgenden Wahlen in Nordrhein-Westfalen und im Bund. „Das wichtigste an meiner Rede wird sein“, sagt Günther daher, „dass die Bundespartei spürt: Die schleswig-holsteinische CDU ist wirklich siegeswillig.“

Daniel Günther muss sich den Vorwurf gefallen lassen, dass sein Vorgänger und Konkurrent Ingbert Liebing den Posten als Spitzenkandidat hauptsächlich räumen musste, weil er zu wenig bekannt war und eine Wahlschlappe befürchtet wurde. Jetzt muss Günther sich mit tatsächlichen politischen Inhalten und Ideen beweisen.

Den Parteitag von einer Siegchance in Schleswig-Holstein zu überzeugen, ist aber nicht die einzige Feuerprobe, die Günther in Essen nur zweieinhalb Wochen nach seiner Wahl zum Landeschef bestehen muss. Vielmehr will er auch einen Antrag des Landesverbands durchsetzen, der die CDU auf eine Stärkung der maritimen Wirtschaft festlegen soll. Unter anderem verlangt der Antrag, die umweltfreundliche Flüssiggas-Technik in den Häfen voranzubringen und ein zentrales deutsches Meeresforschungszentrum einzurichten. Zudem fordert der Antrag kurioserweise, die alle zwei Jahre stattfindende maritime Konferenz übernächstes Mal in einem Binnen-Bundesland auszurichten, um so deutlich zu machen, dass die Förderung der Meereswirtschaft Vorteile in ganz Deutschland bringt. „50 Prozent der maritimen Wertschöpfung wird in küstenfernen Bundesländern erzielt“, argumentiert Günther.

Der Antrag ist unter 150 der einzige aus Schleswig-Holstein – und auch er wird in Essen erst nachträglich eingebracht, weil er bei offiziellem Meldeschluss vor einem Monat noch gar nicht existierte. Rechtzeitig fertig geworden ist dagegen der der 20-seitige Leitantrag des Bundesvorstands mit dem Titel „Orientierung in schwierigen Zeiten“. Darin spricht sich die CDU unter anderem für Steuerentlastungen aus und für ein Verbot der Vollverschleierung.

Kämpfen muss der Kieler Günther nicht zuletzt für die schleswig-holsteinischen Vertreter im CDU-Vorstand. In dem sitzt neben dem unangefochtenen Schatzmeister Philipp Murmann aus Plön der Rendsburger Bundestagsabgeordnete Johann Wadephul. Der kandidiert auch erneut als Beisitzer, doch gibt es für die 26 Posten 29 Bewerber. „Beisitzerwahlen sind für kleinere Landesverbände keine Selbstgänger“, warnt Günther daher und verweist darauf, dass vor zwei Jahren mit dem Schweriner Lorenz Caffier sogar ein Landeschef scheiterte. Allerdings ist Günther guten Mutes, dass die rund 1000 Delegierten Wadephul wiederwählen. „Das würde uns in Schleswig-Holstein sehr helfen“, sagt er.

Um die Spitzenämter der Partei gibt es dagegen keinen Konkurrenzkampf. Ins Präsidium einziehen werden Innenminister Thomas de Maizière und Kulturstaatsministerin Monika Grütters. Sie ersetzen Sachsens Regierungschef Stanislaw Tillich und die Berliner Staatssekretärin Emine Demirbüken-Wegner. Die stellvertretenden Parteivorsitzenden bleiben die alten: Volker Bouffier, Julia Klöckner, Armin Laschet, Ursula von der Leyen und Thomas Strobl. Und bekanntlich tritt auch Chefin und Kanzlerin Angela Merkel wieder an. Interessant wird ihr Ergebnis sein: Dass sie die 97 Prozent Zustimmung von vor zwei Jahren erneut erreicht, gilt als wenig wahrscheinlich – auch wenn der Kieler Günther sagt: „Sie wird in der Partei absolut breit getragen. Von daher kann ich mir nicht vorstellen, dass es sehr viel schlechter wird.“

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erstellt am 01.Dez.2016 | 19:23 Uhr

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