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Schleswig-Holstein

12. Dezember 2017 | 17:32 Uhr

Apenrade : Dänen entdecken Preußens Charme

vom

Denkmalschützer in Nordschleswig sichern Gebäude aus der deutschen Epoche.

shz.de von
erstellt am 22.Mai.2013 | 07:18 Uhr

Apenrade | Das markante rote Gebäude zwischen dem Madevej und der H.P Hanssensgade, unweit von Zob und Fußgängerzone in der Apenrader Innenstadt, ist künftig vor größeren Veränderungen geschützt. Die dänische Denkmalbehörde hat beschlossen, dass das von den Preußen errichtete Verwaltungsgebäude aus dem Jahr 1904 unter Denkmalschutz gestellt werden soll. Peter Dragsbo, für die Geschichte Nordschleswigs zuständiger Museumsdirektor im Sonderburger Schloss und ein großer Kenner der Baugeschichte des Landesteils, freut sich über die Entscheidung: "Das ist ein großer Schritt in Richtung einer Gleichstellung des dänischen und deutschen Kulturerbes auf der dänischen Seite der heutigen Grenze."

Die Denkmalbehörde hat Wert darauf gelegt, dass das Kreishaus eine andere und stärker zentraleuropäische Architektur besitze als die dänischen Gebäude aus derselben Zeit. Dragsbo nennt das Kreishaus den bis heute am besten erhaltenen Repräsentanten der offiziellen norddeutschen Nationalromantik. Sie war von viele Jahrhunderte älteren Gebäuden in den Hansestädten und von mitteldeutschen Burgen beeinflusst. Das Kreishaus war Sitz des Landrats des einstigen Kreises Apenrade. Die Preußen hatten die Gebietskörperschaft - wie auch die Kreise Sonderburg, Tondern und Hadersleben - eingerichtet, als sie nach dem deutsch-dänischen Krieg 1864 in Nordschleswig die Macht übernommen hatten.

Kim Furdal, Oberinspektor in der lokalgeschichtlichen Abteilung von Sønderjyllands Museum und Vorsitzender des regionalen "Kulturumweltrats", ist ebenfalls zufrieden: "Das Gebäude in Apenrade ist ein wesentliches und monumentales Bauwerk. Ich hoffe, dass die Denkmalbehörde nun weitermacht und das Kreishaus in Tondern ebenfalls unter Schutz stellt."

Bis zur letzten dänischen Kommunalreform 2007 residierte das Staatsamt im Apenrader Kreishaus. Eigentümer des Kreishauses ist heute die Firma "Sten bjerg Ejendomme A/S". Dahinter steht der mit der deutschen Minderheit in Nordschleswig verbundene Reeder Hans Michael Jebsen. Sie hat die Räume an eine Anwaltskanzlei vermietet.

Trotz der Unterschutzstellung ist nicht zu erwarten, dass der ursprüngliche deutsche Adler über dem Hauptportal zurückkehrt. Heute thront dort eine Glasmalerei mit den zwei schleswigschen Löwen. Sie wurden dort installiert, nachdem Nordschleswig durch die Volksabstimmung 1920 von Deutschland zurück an Dänemark gefallen war.

Der schmiedeeiserne deutsche Adler, der zunächst vor einer Glasscheibe an der derselben Stelle platziert war, befindet sich heute im Sonderburger Schlossmuseum als Teil einer Ausstellung über die Geschichte des Landesteils. Die Denkmalbehörde hat nicht die Absicht, ihn im Zuge der Unterschutzstellung des Gebäudes umziehen zu lassen. In einem Brief der Behörde schreibt Bürochef Mogens A. Morgen unter anderem: "Dass das deutsche Staatssymbol, der Adler, nach der Wiedervereinigung 1920 entfernt wurde, muss als logische Folge der geänderten nationalpolitischen Verhältnisse angesehen werden. Die Abwesenheit des deutschen Adlers ist daher auch ein Teil der Geschichte des Gebäudes. Deshalb empfiehlt unsere Behörde nicht, dass deutsche Staatssymbole im Zusammenhang mit dem Denkmalschutz neu erschaffen oder rekonstruiert werden."

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