Seeverbindung Aarhus - Kalundborg : Dänemark bremst Flensburger Katamaran aus

Ab ins Mittelmeer! Das Kapitel Kattegat ist für den 'Dolphin Jet' - hier am Montag bei der Einfahrt in die Kieler Förde - Vergangenheit. Foto: Rolf Dunkel
Ab ins Mittelmeer! Das Kapitel Kattegat ist für den "Dolphin Jet" - hier am Montag bei der Einfahrt in die Kieler Förde - Vergangenheit. Foto: Rolf Dunkel

Der Traum von der schnellen Fährverbindung ab Aarhus ist geplatzt: die Förde Reederei Seetouristik streicht die Expresslinie.

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25. April 2013, 09:25 Uhr

Flensburg/Aarhus | Teuer und kurz - die Flensburger Förde Reederei Seetouristik muss ein unternehmerisches Engagement im nördlichen Nachbarland schweren Herzens unter "Lehrgeld" abheften. Die FRS wollte auf der Strecke Aarhus - Kalundborg (Seeland) einen ihrer großen pfeilschnellen Katamarane im Liniendienst etablieren. Das Ende vom Lied nach gerade einem Jahr: Die Expresslinie ist wieder eingestellt, der Katamaran "Dolphin Jet" auf dem Weg zu seinem neuen (alten) Arbeitsplatz in Tarifa (Spanien). Die FRS aber blickt im Zorn zurück. "Das roch teilweise nach Protektionismus", sagt Marketing-Chefin Birte Dettmers ganz unverblümt. Eine Klage in Brüssel will sie nicht ausschließen.

Das Dänemark-Investment der größten Flensburger Reederei nahm in der Tat einen eigentümlichen Verlauf. Vor anderthalb Jahren erst hatte FRS auf Bitte der dänischen Städte Aarhus und Kalundborg (Seeland) den vor der Einstellung stehenden Verkehr zwischen den beiden Städten von der Mols-Linien übernommen. Die FRS trat mit der eigens gegründeten "Kategatt-Ruten" nicht nur auf der alten Linie der Dänen an, sie kaufte auch zwei ihrer Schiffe, von denen eines auf der alten Linie im Einsatz blieb, das andere künftig als Schnellfähre zwischen dem spanischen Tarifa und Tanger eingesetzt wurde.

Elf Meilen langer Umweg

Der Ärger begann, als die Flensburger den Katamaran wegen Überkapazitäten aus der Meerenge von Gibraltar wieder abzogen und zurück ins Kattegat verlegten. Die Idee: Das schnelle Zweirumpf-Schiff sollte als Express-Alternative die konventionelle Fähre ergänzen. Doch die "Dolphin Jet" wurde ausgebremst, so Dettmers. "Das Genehmigungsverfahren zog sich endlos in die Länge. Im Januar hatten wir die Unterlagen eingereicht, erst Mitte Juli konnten wir den Verkehr aufnehmen."

Allerdings unter Auflagen, die das rapide Ende der Linie herbei führten. Eine Geschwindigkeitsbegrenzung im Kalundborg Fjord plus Anordnung eines elf Meilen langen Umwegs führten dazu, dass der Jet sein Potenzial nicht ausfahren konne. "Um den Zeitverlust wieder halbwegs aufzuholen, hätten wir das Schiff mit unwirtschaftlich hohen Geschwindigkeiten betreiben müssen." Die Folge: Dolphin Jet mit einem Top Speed von 45 Knoten (80 Km/h) war mit zweieinhalb Stunden nur unwesentlich kürzer unterwegs als die konventionelle "Kattegat" (drei Stunden). Nach nur drei Wochen war Mitte August vergangenen Jahres wieder Schluss zwischen Aarhus und Kalundborg. Die Flensburger entschlossen sich, auf der Strecke Aarhus-Odden den Platzhirschen anzugreifen: Mols Linien.

"Systematisch auf Zeit gespielt"

Die Dänen waren bis dahin mit zwei Schnellfähren unterwegs. "Dolphin Jet" bewerbe sich um die dritte Lizenz, so Dettmers. Das behördliche Genehmigungsverfahren ging dieses Mal sehr schnell, sagt sie. Dafür sorgten Details für unüberwindbare Hürden. Zum Beispiel, dass der Hafen Odden der staatlichen A/S Storebaelt gehört, die einen exklusiv-Vertrag mit der Mols-Linie hat, so Dettmers. "Jedenfalls wurde intensiv geprüft. Eine externe Firma musste eine Machbarkeitsstudie fertigen, ob Sicherheit und Leichtigkeit des Verkehrs im Hafen durch ein drittes Schiff noch gewährleistet seien."

Es wurden Musterfahrpläne gefordert und verworfen, es dauerte alles sehr, sehr lange. "Für uns war irgendwann klar, dass systematisch auf Zeit gespielt wurde", sagt die FRS-Sprecherin. Spätestens, als der Mitbewerber Mols-Linie seine dritte Katamaran-Fähre präsentierte, waren die Deutschen restlos bedient. Drei große Kats von zwei Reedereien stellten, so die Absage, ein nicht hinnehmbares Risiko dar. "Für uns war klar, dass uns A/S Storebaelt nur hingehalten hatte, damit Mols noch eine weitere Fähre chartern konnte", klagt Dettmers. Und das war’s dann endgültig. 40 dänische Mitarbeiter verloren ihre Jobs, "Dolphin Jet" ist wieder auf dem Weg nach Tarifa, wo wenigstens in der Sommersaison noch gutes Geld zu verdienen ist.

Damit ist das Abenteuer Dänemark allerdings noch nicht vorbei. "Nach unserer Rechtsauffassung wurde klar gegen europäisches Wettbewerbsrecht verstoßen", findet Birte Dettmers. Vielleicht wäre es im Hinblick auf künftige Engagements hilfreich, einen Präzendenzfall ausgeurteilt zu bekommen. Das rettet natürlich keinen einzigen Arbeitsplatz. "Wir können kein Schiff so lange liegen lassen."

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