Onlinebetrug : Cyberkriminalität bereitet Staatsanwälten im Norden viel Arbeit

7119 Verfahren mussten die Anwälte 2017 bearbeiten.
7119 Verfahren mussten die Anwälte 2017 bearbeiten.

Im Bereich der Internetverbrechen geht Schleswig-Holsteins Generalstaatsanwalt Zepter von einer hohen Dunkelziffer aus.

shz.de von
24. Mai 2018, 17:32 Uhr

Kiel | Missbrauch beim Online-Banking, betrügerische Bestellungen und erschlichene Abonnements – die Internetkriminalität bereitet den Staatsanwälten in Schleswig-Holstein trotz zuletzt leicht gesunkener Fallzahlen weiter viel Arbeit. Denn beim Computerbetrug gebe es ein großes Dunkelfeld, sagte Generalstaatsanwalt Wolfgang Zepter am Donnerstag bei der Vorstellung seines Jahresberichts.

„Manche Straftaten kommen überhaupt nicht zur Anzeige, weil wir uns im heutigen Geschäftsverkehr beziehungsweise auch Privatverkehr damit abgefunden haben, dass man ab und zu durch Cybercrime zum Opfer wird.“ Insgesamt 7119 Verfahren im Bereich Internetkriminalität führten die Staatsanwaltschaften 2017 im Norden. Das waren zwar etwas weniger als 2016 (7298), aber deutlich mehr als in den Vorjahren.

Verbraucher würden online abgezockt, von ihren Konten Geld abgehoben und es würden „Verträge eingegangen, die man eigentlich gar nicht will“, sagte Zepter. Die Täter verdienten ihr Geld durch massenhaftes Begehen von Straftaten. „Sie müssen dabei gar nicht viel machen. Das läuft letztlich alles automatisch ab.“ Auf diese Weise verdienten die oft im Ausland sitzenden Täter Millionen durch Kleinstbetrügereien.

„Die Täter im Hintergrund halten den Schaden dabei ganz bewusst gering“, sagte Zepter. Der Einzelne werde nicht sonderlich hart getroffen. „Es ist ärgerlich, wenn 49,95 Euro abgebucht werden für etwas, das man nicht bestellt, nicht gewollt hat. Aber das wird dann hingenommen und nicht zur Anzeige gebracht.“

Neue Schwerpunktstaatsanwaltschaft

Das Identifizieren der Täter und die Aufklärung der Verbrechen gestalten sich nach Zepters Darstellung aufwendig. Trotz Rechtshilfeverkehrs hätten die Staatsanwälte teils „überhaupt keine Möglichkeit, diesen Tätern auf die Schliche zu kommen“. Entsprechend niedrig ist die Anklagequote in den gut 7000 Fällen. Eine genaue Prozentzahl konnte Zepter aber nicht nennen. Hoffnungen setzt die Justiz auf die neue Schwerpunktstaatsanwaltschaft in Itzehoe. Sie soll versuchen, „in besonders schweren Fällen von Cybercrime Erfolg zu haben“, sagte Zepter.

Insgesamt haben die Staatsanwälte in Schleswig-Holstein 2017 deutlich weniger Ermittlungsverfahren geführt. Die Zahl der Fälle sank gegenüber 2016 um 7,75 Prozent auf 284.504. „Ob die Straftaten abgenommen haben, steht aber auf einem anderen Blatt Papier“, sagte Zepter. Weiter hoch sei die Zahl der Verfahren, in denen die Beschuldigten namentlich bekannt seien.

Zahl der Wohnungseinbrüche zurückgegangen

Deutlich weniger zu tun hatten die Staatsanwälte 2017 mit Wohnungseinbrüchen. Die Zahl der Verfahren sank um gut 3000 auf 5361 Fälle Das entspricht einem Rückgang um mehr als ein Drittel. Positiv ist auch der Rückgang im Bereich der Gewaltkriminalität um knapp 2000 auf 23.381 Verfahren.

Die Reform der strafrechtlichen Vermögensabschöpfung machte sich auch in Schleswig-Holstein bereits bemerkbar. Insgesamt schöpften die Strafverfolgungsbehörden 2017 im Norden gut 31,5 Millionen Euro ab. Im Vorjahr waren es knapp 14,4 Millionen Euro.

Die Arbeitsbelastung der 189 Staatsanwälte im Land habe sich im vergangenen Jahr aber nicht verringert, sagte Zepter. 70 Prozent aller anklagefähiger Delikte seien innerhalb von drei Monaten erledigt worden.

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