Mit Kommentar : SH passt Corona-Maßnahmen leicht an: Jetzt auch Maskenpflicht in Behörden

Für Theater, Konzerte und Kinos gibt es künftig eine Alternative zum Abstandsgebot: Zuschauer dürfen nach dem Schachbrettsystem sitzen – dann allerdings nur mit Maske.

Für Theater, Konzerte und Kinos gibt es künftig eine Alternative zum Abstandsgebot: Zuschauer dürfen nach dem Schachbrettsystem sitzen – dann allerdings nur mit Maske.

In SH gibt es leichte Lockerungen für Musiker, Sänger, Theater, Konzerte, Kinos und den Einzelhandel.

Margret Kiosz von
01. September 2020, 18:45 Uhr

Kiel | Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP) hatte am Dienstag eine gute Nachricht und eine schlechte.

Die Gute: „Das Infektionsgeschehen in Schleswig-Holstein ist moderat, die Zahl der Corona-Infizierten befindet sich seit Wochen auf niedrigem Niveau“.

Die Schlechte: Damit das so bleibt, will das Jamaika-Kabinett Corona-Sicherheitsmaßnahmen nur in Trippelschritten lockern. So dürfen Musikamateure ab Mittwoch wieder in geschlossenen Räumen proben, allerdings ohne Publikum und mit Abstandsregeln.

Weiterlesen: Aktuelle Corona-Zahlen: 195 aktiv Infizierte in SH

Lockerungen für Kulturveranstaltungen, Einzelhandel und Reiseverkehr

Für Theater, Konzerte und Kinos gibt es künftig eine Alternative zum Abstandsgebot von 1,5 Metern. Zuschauer dürfen nach dem Schachbrettsystem sitzen – allerdings dann nur mit Maske. Die Auslastung von Kinos erhöht sich dadurch von 20 auf 50 Prozent. Profi-Tänzer und Profimusiker müssen nur noch 2,5 Meter statt drei Meter Abstand zu ihren Kollegen halten – zum Publikum aber weiterhin vier Meter.

Erleichterungen gibt es auch im Einzelhandel. Die bisherige Regel – pro Person zehn Quadratmeter Platz – wird ergänzt durch eine Abstandsregelung, die dann aber ein schriftliches Hygienekonzept erfordert. Beim Sport müssen Eltern nicht mehr das Schwimmbad oder den Fußballplatz beim Training ihrer Jüngsten verlassen, sondern Vater oder Mutter darf zuschauen.

Entschärft wird die Maskenpflicht auch bei „Reiseverkehren zu touristischen Zwecken“. Im Bus muss man keine Maske mehr tragen, wenn man auf einem Sitzplatz sitzt oder einen Mindestabstand von 1,50 Metern zum nächsten Fahrgast einhält. Gruppen von bis zu 10 Personen, die als Kohorte unterwegs sind, dürfen sogar zusammen sitzen.

Weiterlesen: Bundesländer verschärfen Corona-Regeln – Was jetzt gilt

Maskenpflicht in Behörden

Neben den Lockerung gibt es zumindest eine Verschärfung. „In Behörden mit Publikumsverkehr führen wir auf den Verkehrsflächen eine Mund-Nasen-Bedeckung ein“, erklärte Garg. „Und zwar immer dann, wenn Mindestabstände nicht gewahrt werden können, beispielsweise in engen Gängen – oder dort, wo zum Beispiel keine Trennscheiben aus Plexiglas vorhanden sind“.

Es liege in der Verantwortung von Politik, aber auch jedes Einzelnen, „sich und andere verantwortungsvoll zu schützen, auch wenn dafür weiterhin deutliche Einschränkungen notwendig sind“, betonte Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) Das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung habe sich bewährt und sei ein deutlich milderes Mittel als Schließungen von ganzen Bereichen.

Die Neufassung der Corona-Bekämpfungsverordnung und der Corona-Quarantäneverordnung, die bis 4. Oktober verlängert werden, wird im Internet unter www.schleswig-holstein.de/coronavirus-erlasse veröffentlicht.

Versuch macht klug – Lockerungen in Trippelschritten
Ein Kommentar von Margret Kiosz

Die Landesregierung bleibt bei ihrem Mix aus Zuckerbrot und Peitsche bei der Corona-Bekämpfung. Hier wird ein bisschen Trompete-Spielen und Kino-Gucken erlaubt und dort wird die Maskenpflicht verschärft und Zuwiderhandeln mit saftigen Bußgeldern geahndet. Ob dieses Vorgehen die Gesellschaft befriedet, den grassierenden Spaltpilz bekämpft und das Virus in Schach hält, weiß niemand genau.

Und weil das niemand weiß, sollten sich alle mit vorschnellen und vorlauten Urteilen zurückhalten. Besonders nach dem Wochenende in Berlin. Wichtig ist, die Maßnahmen – Lockerungen und  Verschärfungen – zu erklären und so viele Bürger wie möglich auf dem Corona-Feldzug mitzunehmen. Nicht alle, die friedlich nach mehr Freiheiten rufen, sind Idioten und Verschwörungstheoretiker! Etliche stehen einfach nur mit dem Rücken zur Wand, was sich gut abgesicherte Beamte und Politiker schlecht vorstellen können.

Insofern sind die Alternativen, die Kiels Jamaika-Koalition dem Einzelhandel und der Unterhaltungsbranche eröffnet, gar nicht so schlecht. Natürlich ist es für einen Kinobetreiber bitter, wenn er nur jeden zweiten Platz besetzen darf – und das nur mit Maske. Aber vielleicht rettet ihn die bessere Auslastung vor der Pleite und das Publikum zieht mit. Versuch macht klug, gerade in diesen Zeiten.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen