Vor Beratungen über Maßnahmen : Druck auf Landesregierung wächst: SH soll Corona-Regeln lockern

Die Landesregierung will diese Woche über Corona-Maßnahmen beraten.

Die Landesregierung will diese Woche über Corona-Maßnahmen beraten.

Wolfgang Kubicki und Serpil Midyatli wollen als erstes Geschäfte öffnen. Ein Virologe warnt vor zu schnellem Handeln.

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14. April 2020, 06:38 Uhr

Kiel/BERLIN | Für Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) ist ganz klar: „Unsere Maßnahmen gelten bis zum 19. April, und wir haben verabredet, die Lage am 15. April genau zu bewerten und dann verlässlich zu entscheiden.“

Im Video: sh:z-Talk mit Daniel Günther und Uli Wachholtz: Lockerung der Maßnahmen?

Der Regierungschef betonte gegenüber unserer Zeitung jedoch auch, da sich die meisten Bürger diszipliniert an die Regeln halten, „sei es einfacher, nach Ostern über mögliche Lockerungen zu sprechen.“ Und der Druck, erste Corona-Maßnahmen aufzuheben, wird größer.

Bundestagsvizepräsident Wolfgang Kubicki (FDP) sagte gegenüber unserer Redaktion:

Ich glaube, dass der Lockdown spätestens nach dem 19. April schrittweise aufgehoben werden muss. Wolfgang Kubicki (FDP)

Weiterlesen: Interview mit Wolfgang Kubicki: „Geschäfte wieder öffnen lassen“

„Ich würde alle Geschäfte, die derzeit geschlossen sind, wieder öffnen lassen, sofern die Abstandsregeln dort einzuhalten sind“, sagte Kubicki weiter.

Midyatli will erst kleine Geschäfte öffnen

Für die Chefin der Nord-SPD, Serpil Midyatli, ist klar, dass die aktuellen Einschränkungen des öffentlichen Lebens nicht aufrecht erhalten werden können, bis ein Impfstoff gefunden sei.

Weiterlesen: Serpil Midyatli will gesellschaftlichen Neustart nach Corona-Krise

Nach ihren Worten müsse man zunächst die kleineren Geschäfte öffnen.

Dazu gehören zum Beispiel Buch- oder Fahrradläden. Auch die Freigabe von Spiel- und Sportplätzen ist denkbar. Serpil Midyatli (SPD)
 

Ersteres wäre auch für die AfD im Kieler Landtag ein richtiger Schritt. ,,Niemand konnte in den letzten Wochen verstehen, warum Supermärkte und Baumärkte geöffnet blieben und dabei auch nicht überlebenswichtige Waren anbieten durften, während das Textilgeschäft, der Buchladen oder der Uhrmacher nebenan geschlossen blieb“, erklärte deren wirtschaftspolitischer Sprecher Volker Schnurrbusch.

Die nationale Wissenschaftsakademie Leopoldina empfahl gestern, zunächst Schulen „sobald wie möglich“ wieder zu öffnen – angefangen bei Grundschulen sowie Unter- und Mittelstufen.

Kieler Virologe warnt vor zu frühen Lockerungen

Dagegen gibt es nach Überzeugung des Kieler Virologen Prof. Helmut Fickenscher keinen Grund für eine Entwarnung.

Würde man die Schutzmaßnahmen aufheben, hätten wir höchstwahrscheinlich in kurzer Zeit volle Krankenhäuser. Prof. Helmut Fickenscher
 

Dann könnten wegen Überlastung nicht einmal mehr simple Unfälle angemessen behandelt werden. „Die Bremsung muss aufrechterhalten werden“, forderte er.

Wenig Einsätze für Polizei an Ostern

Aus Sicht der Polizeibehörden in Schleswig-Holstein und Hamburg sind die Osterfeiertage ruhig verlaufen. Auf dem Bahnhof in Niebüll spürte die Polizei mehrere Reisende auf, die unberechtigt den Autozug nach Sylt benutzen wollten. Bis Montag wurden 23 Fälle gezählt.

Bei Kontrollen in Lübeck und im Kreis Ostholstein – hier wurden am Freitag noch Personen zurückgewiesen – könnten am Montag keine Verstöße festgestellt werden. „Die Lage war insgesamt entspannt“, sagte eine Polizeisprecherin.

In Hamburg dagegen seien insgesamt rund 1000 Verstöße gegen die Corona-Verfügungen registriert worden.
 

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