CO2 lässt Tomaten sprießen

<strong>Betriebsleiterhelfer</strong> Jens Johannßen überprüft die Tomatenpflanzen.  Foto: Schmid
Betriebsleiterhelfer Jens Johannßen überprüft die Tomatenpflanzen. Foto: Schmid

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02. März 2010, 07:03 Uhr

Hemmingstedt | Feuchtwarme Luft schlägt jedem entgegen, der die Tür des Gewächshauses öffnet. In einem Klima, das an die Tropen erinnert, fühlen sich Tomaten- und Paprika-Pflanzen so richtig wohl. Die dafür benötigte Wärme ist enorm. Über 450 Kilowattstunden pro Quadratmeter werden jährlich in dem riesigen Gewächshaus in Hemmingstedt verbraucht, damit 200 000 Paprika- und 89 000 Tomatenpflanzen prächtig gedeihen.

Noch verlieren sich die Arbeiter fast in dem zwölf Hektar großen Gewächshaus. Lediglich 20 Mitarbeiter sind zurzeit mit der Aufzucht der Pflanzen beschäftigt. Erst wenn die Ernte beginnt, sollen bis zu 70 Frauen und Männer in Hemmingstedt einen neuen Job finden. Voraussichtlich Ende März geht es los. Wenn alles gut läuft, sollen jährlich etwa 3000 Tonnen Tomaten und etwa 1200 Tonnen Paprika geerntet werden und auf den norddeutschen Markt gelangen. Ein Novum. Denn: "95 Prozent der Paprika in deutschen Küchen kommt aus dem Ausland", sagt Frank Schoof, Projektleiter der Firma Godeland mit Sitz in Hamburg, und zuständig für den Aufbau der größten Unterglasproduktion in Schleswig-Holstein. Das Interesse an den Produkten ist groß. Und dafür gibt es vor allem einen Grund: "Das Thema Regionalität liegt voll im Trend."

Die Ansiedlung ist erst durch ein von Land und EU mit 10,8 Millionen Euro gefördertes Pilotprojekt für die Landgard eG mit Sitz in Straelen-Herongen interessant geworden. Über ein System aus Wärmetauschern, Pumpen und Rohrleitungen gelangt Heizwärme von der nur wenige hundert Meter entfernt liegenden Shell-Raffinerie zum Gewächshaus. Shell hat sich verpflichtet, bis Ende 2033 die Wärme zu einem festgelegten Preis zu liefern. Auch die derzeitigen Diskussionen um den Verkauf der Raffinerie ändern daran nichts. Acht Jahre lang zahlen die Kooperationspartner Heide und Hemmingstedt dafür lediglich ein Betriebsführungsentgelt. Ein Gewinn soll damit nicht erzielt werden. Die günstigen Preise werden direkt weitergegeben. Denn Ziel ist, den zwischen Raffinerie und Gewächshaus liegenden Gewerbepark Westküste für energieintensive Unternehmen interessant zu machen.

Der Standort ist für ein Gewächshaus eigentlich nicht optimal. Viel zu moorig ist der Untergrund. 2169 Pfähle wurden in den Boden gerammt, um für das riesige gläserne Gebäude mit einer Fläche, so groß wie 17 Fußballfelder, einen sicheren Untergrund zu schaffen. Auch zur Zucht eignet sich die vorhandene Erde nicht. Tomaten und Paprika wurden in spezielle Rohre gepflanzt und über einen Klimacomputer optimal mit Nährstoffen versorgt. Hinzu kommt die Anreicherung mit CO2. Die Pflanzen fühlen sich in einer Umgebung mit dem als Klimasünder in Verruf geratenen Gas erst so richtig wohl. Das Kohlendioxid liefert Yara in Brunsbüttel geliefert. Schoof beziffert den Verbrauch mit über 100 Tonnen pro Woche.

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