zur Navigation springen

Rekordsturm : „Christian“ geht – Fragen bleiben

vom

„Christian“ stürmte am Montag über den Norden hinweg – und hinterließ Chaos und Zerstörung. Wie konnte er so stark werden? Wo war er am heftigsten? War er nur der Auftakt für eine außergewöhnlich intensive Sturmsaison? Antworten auf diese und weitere Fragen.

Als wie stark ist der Orkan „Christian“ einzustufen?

Mit Tempo 100 raste Orkan „Christian“ am Montag über Europa hinweg. Einzelne Böen waren noch weitaus stärker. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) legte sein Kern innerhalb von zwölf Stunden mehr als 1200 Kilometer zurück. Die Meteorologen stufen ihn deshalb als sogenannten Schnellläufer ein. Von der Stärke her sei „Christian“ vergleichbar mit den Orkanen „Lothar“ (Dezember 1999) und „Kyrill“ (Januar 2007).

Wo war der Orkan am stärksten?

Die stärkste Böe von „Christian“ im Flachland sei mit 172 Kilometern pro Stunde in St. Peter Ording gemessen worden, sagte DWD-Meteorologe Lars Kirchhübel. Das war zwar für den Ort an der schleswig-holsteinischen Nordseeküste Rekord, aber nicht für ganz Deutschland: 1999 sei in List auf der Insel Sylt eine Windgeschwindigkeit von 183,6 Kilometern pro Stunde gemessen worden, die stärkste in Deutschland registrierte Böe im Flachland seit Beginn der Aufzeichnungen vor rund 130 Jahren. Auf den Bergen oberhalb von 600 Metern weht es gewöhnlich noch viel stärker - dort liegt der Rekord bei 259,2 Kilometern pro Stunde, gemessen 1999 auf dem Wendelstein in den Bayerischen Alpen.

Was macht „Christian“ besonders?

Ungewöhnlich war das Tempo, mit dem „Christians“ Kern sich bewegte. Dabei sprechen die Meteorologen von der Verlagerungsgeschwindigkeit - im Unterschied zur Geschwindigkeit einzelner Böen. Schnellläufer wie „Christian“ sind nach der Definition der DWD-Meteorologen meist kleinräumige Sturm- oder Orkantiefs, die durch ihre hohen Druck- und Temperaturunterschiede für besonders intensive Wetterereignisse sorgen.

 

Wie entstand der Orkan?

„Christian“ entstand bereits am vergangenen Samstag als normales Tief über dem Westatlantik an einer Luftmassengrenze, die Polarluft von Subtropikluft trennte. Große Temperaturunterschiede sind immer gute Bedingungen für die Entstehung von Stürmen. Auf seinem Weg nach Osten saugte „Christian“ dann die Reste des ehemaligen tropischen Sturms „Lorenzo“ an und bekam dadurch zusätzlich Fahrt. Schließlich geriet „Christian“ in die Nähe des vorherigen Tiefs „Burkhard“ und bekam auch dadurch noch mehr Schub.

 

Wurde rechtzeitig gewarnt?

Der DWD habe zwei Tage vorher auf bevorstehende Gefahren hingewiesen, sagte DWD-Meteorologe Lars Kirchhübel. 24 Stunden bevor „Christian“ in Deutschland eintraf, habe es Vorwarnungen für Norddeutschland gegeben, jedoch nicht ausdrücklich auch für Hamburg. Dort habe es am Montagmorgen eine Warnung vor Böen bis 103 Kilometern pro Stunde und erst am Nachmittag eine Unwetterwarnung vor orkanartigen Böen ab 104 Kilometer pro Stunde gegeben. Zu dieser Zeit seien in Hamburg-Finkenwerder bereits Böen bis 120 Kilometer pro Stunde gemessen worden.

 

War das der Auftakt für eine besonders intensive Sturmsaison?

Dafür sehen die Meteorologen derzeit keine Hinweise. Es deute nichts darauf hin, dass sich Stürme in den kommenden Wochen häufen werden, sagte DWD-Meteorologe Lars Kirchhübel.

 

zur Startseite

von
erstellt am 29.10.2013 | 14:30 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen