CDU und SPD kämpfen erbittert um Wahlkreise

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26. März 2017, 14:58 Uhr

„Rote“ Städte, „schwarzes Land“ – so sieht die politische Landkarte im Norden aus. Auch für die nächste Legislaturperiode zeichnet sich ab: Keine Sozialdemokraten von der Westküste im Kieler Landtag und keine Christdemokraten aus Kiel und Lübeck. So können in Nordfriesland und Dithmarschen die SPD-Kandidaten wahrscheinlich auch am 7. Mai keine Wahlkreise gewinnen. Da keiner von ihnen einen aussichtsreichen Listenplatz hat, entfällt dieser Weg ebenfalls.

Die CDU wiederum erscheint in Kiel und Lübeck chancenlos. Auf ihrer Liste stehen die Neulinge Tobias Loose (Kiel) und Anette Röttger (Lübeck) zwar mit den Plätzen acht und neun relativ weit oben. Wenn sie aber über die Liste ins Parlament kämen, hieße das auch, dass die CDU sensationell viele Wahlkreise verloren und damit die Wahl mächtig vergeigt hätte. 2012 waren alle 22 CDU-Abgeordneten als Wahlkreissieger in den Landtag eingezogen, keiner über die Liste. Die SPD gewann 13 Direktmandate, neun Genossen kamen über die Landesliste ins Parlament. Für diese Wahl hat SPD-Landeschef Ralf Stegner klar die Losung ausgegeben, keinen Wahlkreis verloren zu geben.

In einem halben Dutzend Wahlkreisen bahnen sich besonders harte Duelle an, das vielleicht spektakulärste in Eckernförde: CDU-Spitzenkandidat Daniel Günther hat in seiner Heimatstadt mit SPD-Fraktionsvize Serpil Midyatli eine ernstzunehmende Konkurrentin. 2012 lag Günther in seinem Heimspiel nur recht knapp mit 35,7 zu 33,3 Prozent vorn. Sollte er diesmal unterliegen, könnte er sogar einen Platz im Landtag verpassen, wenn seine Partei insgesamt wieder ähnlich abschneidet wie 2012.

Das Internet-Portal election.de, das Umfragen und längerfristige Wählerpotenziale berücksichtigt, sah (Stand 24. März) die SPD in 20 Wahlkreisen vorn, in sechs davon sicher, in sechs wahrscheinlich, in acht knapp. Die CDU führt demnach in 15 Wahlkreisen, allerdings in keinem davon sicher, in vier wahrscheinlich und in elf Wahlkreisen knapp.

Zudem gab es am 16. März eine Umfrage, nach der die SPD insgesamt bei den Zweitstimmen einen deutlichen Vorsprung vor der CDU hätte. Die CDU kalkuliert dennoch damit, dass sie ihre derzeit 22 Direktmandate auf jeden Fall verteidigen kann. Auch 2012 knapp verlorene Wahlkreise wie im Kreis Plön, Neumünster, Pinneberg und im Lauenburgischen könnten zurückgeholt werden, hoffen die Christdemokraten. Die SPD rechnet sich dagegen die Chance aus, deutlich mehr Wahlkreise zu gewinnen als die 13 von 2012. Am Abend des 7. Mai wird feststehen, wer besser kalkuliert hat.  

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