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Tag des Erfinders 2015 : CD-Nippel und Noppensocken: Diese Erfindungen kommen aus SH

vom

Am 9. November ist Tag der Erfinder. shz.de sprach mit einem Erfinder aus Schleswig-Holstein. Und hat einige der bekanntesten Erfindungen made in SH zusammengestellt.

shz.de von
erstellt am 08.Nov.2015 | 19:34 Uhr

Wenn wir Ihnen sagen, dass Hedwig Kiesler das Frequenzsprungverfahren erfunden hat, wird Sie diese Info vermutlich nicht weiter interessieren. Der Satz schreit geradezu: „Bitte nicht weiterlesen“. Tun Sie uns einen Gefallen und machen Sie es doch. Denn wenn wir Ihnen jetzt verraten, dass Kiesler unter dem Namen Hedy Lamarr in Hollywood Karriere machte und wir ihre Erfindung heute jeden Tag nutzen, wird es doch spannend. Das von Lamarr und dem Komponisten George Antheil  erfundene Verfahren wird nämlich bis heute in der Mobilfunktechnik verwendet.

Zugegeben - Hollywood ist weit weg. Deswegen haben wir uns in Schleswig-Holstein nach Erfindungen umgeschaut. Einige davon haben sogar Weltkarriere gemacht.

Der CD-Nippel steht diese vielleicht noch bevor. Erfunden hat ihn Hans-Jürgen Lenz. Er ist im Vorstand des Erfinderclubs Schleswig-Holstein. „Die Erfindung ist durch Zufall entstanden“, sagt er. Lenz diskutierte mit seinem Sohn, wie man CDs am besten hinlegt, damit sie nicht zerkratzen und kaputt gehen. Jeder kennt das Problem: Beim CD-Wechseln legt man die Scheibe einfach irgendwo hin. Und von dort ist die flache CD schwer wieder zu greifen. Man zieht sie über die Ablagefläche, es gibt Kratzer. 

„Der CD-Halter soll die CDs schützen und leichter greifbar machen“, sagt Lenz. Diese Erfindung wirft einen kleinen Gewinn ab. Und war vermutlich Vorbild für bekannte Firmen. Drei Monate nachdem er seine Erfindung bei der Erfindermesse in Nürnberg vorgestellt hatte, habe er ein ähnliches Produkt bei Samsung gesehen.

60 Erfinder sind im Erfinderclub organisiert. Nicht für jede wird dann aber auch ein Patent angemeldet. Der Häcksler von Sven Lorenscheit hat nicht nur ein Patent, sondern auch internationale Auszeichnungen. Das Gerät kann gleichzeitig Grobes und Feines häckseln und spart so Zeit und die Entsorgung bei der Gartenarbeit. 

Allerdings gehen die Erfindungen etwas zurück. Seit drei Jahren gibt es keine Fördergelder mehr vom Bund. „Deswegen sind wir dieses Jahr auch nicht zur Erfindermesse iENA nach Nürnberg gefahren“, sagt Lenz. Die Kosten von über 8000 Euro hätten privat bezahlt werden müssen. Umso mehr freut es Lenz, dass der Club sich jedes Jahr  auf der Norla präsentieren kann.

Die Zahlen aus dem Jahresbericht des Deutschen Patent- und Markenamtes für 2014 decken sich mit Lenz' Aussage. In Schleswig-Holstein gehen die Patentanmeldungen seit 2012 zurück. 462 waren es 2014. Und dabei werden nirgendwo sonst so viele Patente angemeldet wie in Deutschland. 2014 waren es 48.144. Weit abgeschlagen auf Platz 2 liegen die Vereinigten Staaten mit 6056.

Einige Erfindungen aus Schleswig-Holstein sind heute (fast alle) weltweit bekannt und werden genutzt.

Kreiselkompass:

Der Kreiselkompass wird auch heutzutage noch verwendet, wie an Bord dieser Segelyacht.
Der Kreiselkompass wird auch heutzutage noch verwendet, wie an Bord dieser Segelyacht. Foto: imago/Mcphoto
 

Für die Schifffahrt war die Erfindung des Konstrukteurs und Fabrikanten Hermann Anschütz-Kaempfe wichtig: Der Kreiselkompass funktioniert unabhängig vom Erdmagnetismus und zeigt daher die astronomische Nordrichtung an. Ab 1901 entwickelte er den damals gebräuchlichen Magnetkompass weiter. 1904 war es soweit: Mit der Kaiserlichen Marine in Kiel erprobte Anschütz-Kaempfe seinen ersten Kreisel-Richtungshalter in der Ostsee. Seitdem arbeitete er ständig an seiner Erfindung weiter. 1907 folgte der erste Kreiselkompass der Welt, der ein Jahr später bereits auf dem Linienschiff MS Deutschland verwendet wurde. 1925 kam der verbesserte Kugelkompass auf den Markt. Neben dem GPS ist die optimierte Variante, der Drei-Kreisel-Kompass, noch immer das wichtigste Navigationsinstrument für Schiffe.

Mühle-Computer:

Zugegeben, weltweit bekannt ist er noch nicht, der Mühle spielende Roboter der FH Kiel. 12 Masterstudierende der Fachbereiche Informatik und Elektrotechnik sowie Maschinenwesen haben in der interdisziplinären Lehrveranstaltung „Robot Application“ eine Applikation entwickelt. Die Erfinder können sich einen Einsatz in Spielhallen vorstellen.

Noppensocken:

Inzwischen gibt es die Flocken in allen denkbaren Designs.
Inzwischen gibt es die Flocken in allen denkbaren Designs. Foto: MAHE
 

Was tun, wenn man beim Spielen, Toben und Laufen lernen andauernd ausrutscht? Diese Frage stellte sich Manfred Heuer, als seine Tochter mit dem Laufen begann. Der Luftfahrtingenieur hatte eine Maschine zum Beflocken von T-Shirts gebaut. Kurzerhand funktionierte er seine Erfindung um: zum Anbringen kleiner Silikonpunkte auf Socken. Das war die Geburtsstunde der ersten Anti-Rutsch-Socken. 1987 brachte er mit seiner Firma MAHE aus Nortorf die warmen und hilfreichen Socken auf den Markt. Mittlerweile gibt es sie nicht nur mit Punkten, sondern mit verschiedenen Mustern wie Karotten oder Tieren.

Fax:

 

Mehrere Erfindungen, die die Kommunikation revolutioniert haben, kommen aus Kiel. Hier entwickelte der Ingenieur Dr. Rudolf Hell 1956 das Faxgerät. Das Kleinfaxgerät KF 108 brauchte damals um die vier Minuten zur Übertragung einer DIN A5-Seite über die Telefonleitungen. Nach den neuesten Standards mag einem diese Zeit sehr lang vorkommen – damals aber trat das Gerät seinen internationalen Siegeszug an. Viele Postverwaltungen nutzen das Fax zur Übertragung von Telegrammen.

Energiesparlampe:

 

Ohne ihn würde es keine Mikroelektronik, Lasertechnik und keine Energiesparlampen geben: Der Physiker Max Planck gilt als Begründer der Quantenphysik und erhielt 1918 den Nobelpreis. Geboren wurde er am 23. April 1858 in Kiel.

Wer jetzt selber Lust bekommen hat, Erfindungen zu machen, kann sich bei der Wirtschaftsförderung und Technologietransfer Schleswig-Holstein GmbH informieren. Und wer in Schleswig-Holstein Kontakt zum Erfinderclub knüpfen möchte: Die Mitglieder treffen sich jeden letzten Mittwoch im Monat (außer Dezember) um 19 Uhr in der Gaststätte „La-Perla” in Flintbek bei Kiel.

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