Bundesverdienstkreuz für Cassen Eils

Bundesverdienstkreuz für Cassen Eils, der trotz seines hohen Alters  noch am Ruder steht. Foto: Brumm
Bundesverdienstkreuz für Cassen Eils, der trotz seines hohen Alters noch am Ruder steht. Foto: Brumm

Mit 15 fuhr er zum ersten Mal zur See, seit 1952 steuert er mit seinem Seebäderdienst Helgoland an.

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27. Februar 2009, 03:59 Uhr

Büsum | "Es war gutes Wetter", erinnert sich Cassen Eils (85). Damals, am 15. Juni 1952, steuerte der junge Kapitän als erster mit einem Ausflugsdampfer von Cuxhaven aus die Hochseeinsel Helgoland an. Seitdem haben seine Schiffe sechs Millionen Passagiere zum roten Eiland geschippert. Jetzt wurde ihm für sein Lebenswerk von Bundespräsident Horst Köhler das Bundesverdienstkreuz verliehen.

Obwohl Eils in Cuxhaven zu Hause ist, hat ihn für diese Ehrung Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Peter Harry Carstensen vorgeschlagen. Grund: Seit 55 Jahren betreibt Eils auch den Seebäderdienst zwischen Büsum und Helgoland.

Cassen Eils stammt von Norderney, seine Vorfahren waren Fischer. Mit 15 Jahren heuerte er als "Moses" auf dem Windjammer "Priwall" an, umrundete auf der Viermastbark mehrfach Kap Hoorn. 1948 machte er als einer der ersten deutschen Seefahrer nach dem Krieg das Kapitäns-Patent. Danach schipperte Eils Badegäste auf der Nordsee vor Norderney herum, sparte 3000 Mark, gründete 1952 eine Firma. Zusammen mit Ludwig Visser, der Jahre später auf See sein Leben ließ, kaufte er für 100 000 Mark die 1893 gebaute "Rudolf". Die beiden fuhren zwischen den ostfriesischen Inseln und auch zur Helgoländer Düne, eröffneten dann im Juni 1952 mit dem alten Schraubendampfer den Liniendienst Cuxhaven-Helgoland. Sie brachten nicht nur Ausflügler, sondern auch Fracht und Post auf das völlig zerstörte Eiland.

"Die Insel war ein Trümmerhaufen", erinnert sich "Cassi", wie die Küstenbewohner den alten Seebären nennen. Nur knapp drei Wochen vor Kriegsende hatten 1000 britische Flugzeuge Bomben abgeworfen. Die Menschen überlebten zwar in tiefen Felsbunkern, doch verloren sie ihre Freiheit. Jahre später mussten Räumkommandos 200 000 Munitionskörper beseitigen, dann begann der Wiederaufbau.

Als "Cassi" und sein Kumpel zum ersten Mal anlegten, standen bereits clevere Helgoländer in den Dünen, um den Fahrgästen zollfreie Waren zu verkaufen - seitdem lockten günstige Butter, Schnaps, Parfüm und Zigaretten immer mehr Menschen. Die Insulaner waren zunächst sehr misstrauisch, als sie die jungen Seeleute mit der alten "Rudolf" sahen. "Die sagten: Das alte Ding haben die bestimmt geklaut. Lass uns sehen, dass wir schnell unsere Ausbordungs-Gebühren bekommen", erinnert sich Eils. Gleichwohl war dies der Anfang einer engen Verbundenheit mit den Helgoländern.

Aber nicht nur die Helgoländer mögen den "Seebären", an der gesamten Nordseeküste ist der eigenwillige Reeder beliebt. Er mag die Menschen, pflegt die Freundschaften und natürlich auch die geschäftlichen Verbindungen. Zwei Jahre nach dem Start des Linienverkehrs von Cuxhaven aus traf er Büsumer Fischer, die auf ihren Kuttern einige Kurgäste nach Helgoland brachten. "Das kann ich auch, und besser und schneller", dachte sich der Reeder und fuhr am 8. Juni 1954 erstmals auch von Büsum nach Helgoland. Den Fischern hatte er zuvor die Rettungswesten abgekauft. Beide Seiten waren zufrieden, und "Cassi" hat seitdem auch Freunde in Dithmarschen.

Vom Büsumer Hafen fährt die Reederei Eils von Frühjahr bis Herbst mit der 800 Passagiere fassenden "Funny Girl" nach Helgoland. Und hin und wieder, wenn es ihm in den Fingern juckt, nimmt "Cassi" das Ruder selbst in die Hand.

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