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Protest der Sylt-Pendler : Bürgerwut auf Bahnchaos: Bahn wird ihrer Verantwortung nicht gerecht

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Für die Sylt-Pendler ist das Verhalten der Bahn zynisch und nicht mehr hinnehmbar. Ein Kommentar von Michael Stitz.

shz.de von
erstellt am 25.Okt.2017 | 19:34 Uhr

Das Wort Bahnstreik löst bei manchem Erinnerungen aus, die an die Streikwelle denken lässt, die die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer und ihr Frontmann Claus Weselsky vor gut zwei Jahren auslöste. Getroffen wurde dabei besonders hart eine Gruppe von Reisenden: Die Pendler. Also die Bahnnutzer, die keine Gewerkschaft oder Lobby haben und in der Regel auch sonst nicht wahrgenommen werden.

Aber Pendler sind nicht nur persönlich betroffen, wenn die Züge nicht fahren, sie sind auch rechtlos. Denn der „Arbeitnehmer trägt das Wegerisiko“ sagt das Gesetz. Wer nicht pünktlich zur Arbeit kommt, hat nicht nur den Frust, vergeblich auf die Bahn zu warten und den Erklärungsstress für seine Verspätung. Er zahlt mit Lohnausfall dafür.

Gewerkschaftler Weselsky war das damals egal. Für die Pendler hatte er nur die Bemerkung übrig, dass „es genug alternative Verkehrsmittel gibt.“ Für die Zugverbindung nach Sylt gilt nicht nur, dass diese Bemerkung zynisch wäre, sie ist vor allem grundfalsch. Der Hindenburgdamm ist nur mit der Bahn zu befahren. Eine unheilvolle Einschränkung – wie die vergangenen Monate gezeigt haben.

Der Damm ist mehr als eine Schienenstrecke, auf der die Bahn alljährlich satte Millionengewinne einfährt, sie ist die Lebensader der Insel. Die Pendler, die sie nutzen, um auf Sylt zu arbeiten, sorgen dabei nicht nur für das Wohl der Insel, sondern für den gesamten Wirtschaftsraum Nordfriesland. Es ist billig, das Versagen der Bahn gegen die Wohnungsproblematik der Insel aufzurechnen. Wer auf dem Festland lebt, aber auf Sylt arbeitet, hat dafür seine Gründe. Die liegen auch in der Wohnproblematik – aber nicht nur.

Die Pendler sind nicht an der Grenze ihrer Belastbarkeit, weil sie keine Wohnung auf Sylt finden, sondern weil die Bahn ihrer Verantwortung für einen weitgehend störungsfreien, pünktlichen Schienenverkehr nicht gerecht wird. Das ist nicht nur unerträglich, das ist nicht hinnehmbar!
 

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