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AKW im Kreis Steinburg : Brokdorf könnte zwei Jahre früher vom Netz gehen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Grünen wollen den Transfer von Reststrommengen verbieten – dann wäre an der Unterelbe schon 2019 Schluss.

shz.de von
erstellt am 17.Feb.2017 | 19:09 Uhr

Brokdorf | Das Atomkraftwerk Brokdorf im Kreis Steinburg soll nach dem Willen der Grünen im Bundestag und des schleswig-holsteinischen Umweltministers Robert Habeck zwei Jahre früher stillgelegt werden als bisher geplant. Wie die Grünen-Bundestagsabgeordnete und Energieexpertin Julia Verlinden gegenüber shz.de sagten, möchte ihre Partei erreichen, dass die Atomkonzerne in Deutschland künftig keine Produktionskontingente für Nuklearstrom mehr zu Meilern im Norden der Republik verschieben dürfen. „Die Bundesregierung muss jetzt aktiv werden und die Übertragung von Reststrommengen auf die Atomkraftwerke Brokdorf und Emsland rechtlich verhindern“, forderte Verlinden. Genauso formuliert es Habeck. Und auch seine Amtskollegen in den Ländern sowie die Chefs der norddeutschen Staatskanzleien haben einen ähnlichen Appell an den Bund gerichtet.

Für Brokdorf würde das von den Grünen und den Nord-Ländern angestrebte Verbot bedeuten, dass der Reaktor an der Unterelbe schon im Herbst 2019 endgültig vom Netz gehen müsste und nicht erst wie bisher geplant Ende 2021. Denn bei der dort durchschnittlich produzierten Strommengen von 11.000 Gigawattstunden pro Jahr wäre das bestehende Brokdorfer Reststromkontingent von 30.000 Gigawattstunden bereits Ende September 2019 aufgebraucht. Der Meiler müsste stillgelegt werden. Verhindern kann der Betreiber Preussenelektra – die Atomsparte von Eon – das nur dadurch, dass er verbliebene Produktionskontingente von bereits vorzeitig abgeschalteten Kernkraftwerken wie Krümmel oder Mülheim-Kärlich auf Brokdorf überträgt. Genau das aber wollen die Grünen und die Umweltminister für ganz Norddeutschland verbieten.

Grund für die Forderung der Ökopartei ist nicht nur deren grundsätzlich atomkritische Haltung. Vielmehr finden Verlinden und Habeck es absurd, dass der Bund einerseits den Ausbau der Windkraft in Norddeutschland wegen fehlender Leitungen für den Stromtransport nach Süden besonders stark bremst, andererseits aber trotz beschlossenem Atomausstieg die Produktion von zusätzlichem Atomstrom in Brokdorf und dem niedersächsischen Meiler Emsland zulässt. „Damit führt die Bundesregierung die Energiewende ad absurdum“, kritisiert Verlinden. Ihr Parteifreund Habeck moniert: „Der Bund hat hier ein widersinniges System geschaffen.“

Der Bund macht sich die Forderung der Grünen und der Länder bisher allerdings nicht zu eigen. Wirtschaftsstaatssekretär Dirk Wiese verwies diese Woche im Bundestag auf die Gesetzeslage, die eine Übertragung von Reststromkontingenten auf norddeutsche Reaktoren erlaubt. Gleichzeitig räumte der SPD-Politiker etwas umständlich ein, dass dadurch Probleme durch Netzüberlastungen und Gegenmaßnahmen zur Entlastung („Redispatch“) wachsen: „Ein gegebenenfalls notwendiger Redispatchbedarf wird durch zusätzliche Erzeugung durch Kraftwerke im Norden Deutschlands erhöht.“ Habeck übte daher deutliche Kritik an der Bundesregierung: „Wenn es dem Bund ernst ist mit einer Begrenzung der Kosten für Redispatch, dann muss er dafür sorgen, dass zusätzlicher Atomstrom nicht auch noch die Netze verstopft.“

Zwar beschwichtigte Umweltstaatssekretärin Rita Schwarzelühr-Sutter, es sei der Bundesregierung „derzeit nicht bekannt“, dass eine Übertragung von Reststromkontingenten auf Brokdorf stattgefunden habe oder eine entsprechende Anfrage gestellt worden sei. Doch dürfte das bald geschehen: Brokdorf-Betreiber Preussenelektra kündigte gegenüber shz.de an, Kontingente stillgelegter Meiler für das Kernkraftwerk nutzen zu wollen. „Es sind am Markt ausreichend Strommengen verfügbar“, sagte Firmensprecherin Almut Zyweck. Daher werde man den Meiler in Brokdorf „bis zum 31. Dezember 2021“ laufen lassen. „Es gibt keine Überlegungen in unserem Unternehmen, Kraftwerke vor dem gesetzlich möglichen maximalen Laufzeitende vom Netz zu nehmen“, erklärte Zyweck. 

 

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