Nach Teenie-Affäre : Boetticher zum Ausstieg: "Sag niemals nie"

Christian von Boetticher. Foto: dpa
Christian von Boetticher. Foto: dpa

Wohliges Heimspiel für Politik-Aussteiger Boetticher. Kein böses Wort gab es beim Parteitag seines CDU-Kreisverbandes Pinneberg.

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19. September 2011, 12:43 Uhr

Der über eine Beziehung zu einer 16-Jährigen gestürzte CDU-Politiker Christian von Boetticher steigt aus der Politik aus, weil er hier keine Herausforderungen für sich mehr sieht. Dies machte der frühere Landes- und Fraktionsvorsitzende der schleswig-holsteinischen CDU am Rande eines Parteitages seines Pinneberger Kreisverbandes am Sonnabend in Rellingen deutlich.
"Die politische Karriere geht nicht weiter", resümierte er. Boetticher strebt einen Job als Jurist in der Wirtschaft an. In jedem Fall will er in Deutschland bleiben und nach zwölf Jahren als Berufspolitiker wieder mehr Zeit für sein Privatleben haben.
Emotionale Wunden seien geheilt
Boetticher hatte am Freitag angekündigt, dass er zur Landtagswahl am 6. Mai nächsten Jahres nicht wieder kandidiert. Hätte er es getan und wäre er gewählt worden, hätte er für die nächsten Jahre wahrscheinlich nur die Perspektive eines einfachen Abgeordneten gehabt. Wenn es einen richtigen Zeitpunkt für einen Wechsel gäbe, dann sei er jetzt für ihn gekommen, sagte der 40-Jährige, der auf Vorschlag des scheidenden Ministerpräsidenten Peter Harry Carstensen zum Spitzenkandidaten für die Landtagswahl vornominiert worden war.
Mitte August gab Boetticher auf starken Druck aus der Partei seine Spitzenämter auf, nachdem sein Verhältnis zu der Minderjährigen bekanntgeworden war. Die emotionalen Wunden seien geheilt, sagte er am Sonnabend. Mit seiner Ausstiegsentscheidung gehe es ihm hervorragend. Gerührt nahm Boetticher mehrfach langen Beifall der 120 Christdemokraten entgegen. "Er gehört weiterhin zu uns", hieß die Botschaft.
Boetticher tut CDU Gefallen
Nach dem Rückzug aus der ersten Reihe tut Boetticher der Nord-CDU mit dem kompletten Ausstieg aus der Landespolitik einen großen Gefallen - auch wenn sie nach eigenem Bekunden ein "Schwergewicht" verliert. Zum einen muss sie sich nicht mehr mit dem heiklen Problem herumschlagen, welcher Platz auf der Landesliste zur Landtagswahl für ihren einstigen Vormann denn angemessen wäre. Zudem wird sich im Wahlkampf nun alles auf Wirtschaftsminister Jost de Jager konzentrieren, der kommenden Sonnabend zum Landesvorsitzenden und am 4. November zum Spitzenkandidaten gewählt werden soll.
De Jager machte in Rellingen seinen Parteifreunden Mut: "Wir treten an, um zu gewinnen", betonte der 46-Jährige. "Wir betreiben keine Nabelschau, sondern schauen nach vorne", sagte der Pinneberger Kreisvorsitzende und Bundestagsabgeordnete Ole Schröder, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesinnenministerium.
"Mafia-Methoden"
Boettichers "Lolita"-Affäre spielte in Rellingen keine Rolle, sein Sturz und die schnelle Nachfolgeregelung von oben zugunsten de Jagers aber schon. Nicht der politische Gegner habe Boetticher zu Fall gebracht, sondern CDU-Leute mit Mafia-Methoden, befand der Christian Saborowski. Nicht in Ordnung sei auch, dass den Mitgliedern bei der schnellen Entscheidung über den Nachfolger keine Wahl gelassen wurde.
Für Boetticher geht eine Politiker-Karriere zu Ende, die ihn ganz nach oben führen sollte. 1999 zog er als 28-Jähriger überraschend in das Europäische Parlament ein, 2005 wurde er in Kiel Landwirtschafts- und Umweltminister in der CDU/SPD-Koalition, 2009 Fraktionschef, 2010 CDU-Landesvorsitzender und designierter Spitzenkandidat. Ob er sich eine Rückkehr in die Politik zu einem späteren Zeitpunkt vorstellen kann? "Es gibt ja den berühmten Satz "Sag niemals nie"", sagte Boetticher am Sonnabend. "Im Moment aber zeichnet sich auch am Horizont nichts ab, das mich interessieren würde." Ein politisches Ehrenamt behält Boetticher übrigens: Er wurde am Sonnabend erneut zum stellvertretenden Kreisvorsitzenden gewählt, mit 112 von 124 Stimmen.

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