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Mofi 2015 : Blutmond und Mondfinsternis: Bilder aus SH und Hamburg

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

In der Nacht zu Montag schob sich die Erde so zwischen Sonne und Mond, dass der vollständig von ihr verdunkelt wurde – ein sehenswertes, seltenes Spektakel.

shz.de von
erstellt am 27.Sep.2015 | 14:46 Uhr

Blutmond, Supermond und dann noch eine Mondfinsternis: In der Nacht zu Montag beherrschte ein seltenes Spektakel den Himmel. Keine Wolken, sternenklar: Unser Fotograf Michael Ruff hat den Blutmond über Schleswig-Holstein festgehalten:

Keine Wolken: Über SH war der „Blutmond“ gut zu sehen.
Foto: Michael Ruff

In Hamburg sah das Ganze so aus:

Der Vollmond bei abnehmender Mondfinsternis über der Elbphilharmonie in der Hamburger Hafencity.
Der Vollmond bei abnehmender Mondfinsternis über der Elbphilharmonie in der Hamburger Hafencity. Foto: Christian Charisius/dpa
 

Wegen der Rotfärbung wird der Mond „Blutmond“ genannt.

Wegen der Rotfärbung wird der Mond „Blutmond“ genannt.
Foto: dpa

An der Sternwarte Kronshagen bei Kiel beobachteten Sternegucker in dieser Nacht vor allem den Mond

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Kiel Kronshagen

Und so sah es  in Kronshagen aus, als sich die Erde zwischen Sonne und Mond schob:

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Foto: Daniel Friederichs

In der Morgendämmerung beschien der Mond den Einfelder See.

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Foto: Daniel Friederichs

Diese Montage zeigt den Mond in drei Phasen, entstanden sind die Aufnahmen bei Bad Oldesloe

So entwickelte sich der Mond am frühen Montagmorgen.
So entwickelte sich der Mond am frühen Montagmorgen. Foto: Regina Elsebach
Eine Mond-Aufnahme von Werner Suthe an der Schwentinemündung in Kiel.
Eine Mond-Aufnahme von Werner Suthe an der Schwentinemündung in Kiel. Foto: Werner Suthe
 

Auch bei Facebook posteten Mondfans ihre Fotos, die folgenden entstanden in Flensburg:

Das frühe Aufstehen hat sich gelohnt! Es war ein beeindruckendes Naturschauspiel. Hier mein erstes Bild auf die schnelle für Euch!#Blutmond #Mondfinsternis

Posted by Jan Krüger fotografie on  Sonntag, 27. September 2015

Blood moon above Flensburg, with fog rising.

Posted by Matthias Kirsch Photography on  Sonntag, 27. September 2015

Berry-red blood moon.

Posted by Matthias Kirsch Photography on  Montag, 28. September 2015

Sie haben auch Fotos von der Mondfinsternis gemacht? Schicken Sie uns Ihre Bilder an onlineredaktion@shz.de oder laden Sie sie auf unserer Seite bei Facebook hoch.  Die schönsten veröffentlichen wir in diesem Text.

Wissenswertes zum Mond:

Der italienische Gelehrte Giovanni Battista Riccioli (1598-1671) war einer der ersten, die den Mond mit einem Teleskop beobachten und ihn so näher erforschen konnten. Bei der Kartierung entdeckte er dunklere Bereiche, von denen er annahm, es handele sich um Meere, folgerichtig gab er ihnen den Namen „Maria“ (Mehrzahl von lateinisch „mare“ für Meer), während er die helleren Regionen „Terrae“ (Mehrzahl von lateinisch „terra“ für Land) benannte. Bis heute haben sich diese Bezeichnungen erhalten, obwohl die Astronomen inzwischen wissen, dass es sich bei den augenscheinlichen Meeren in Wahrheit um Tiefebenen handelt, die sich dunkel abzeichnen und bei den helleren Bereichen um Hochebenen.

So ließ sich aber auch gleich das Geheimnis des „Mannes im Mond“ beziehungsweise des „Mondgesichts“ lüften: Die menschliche Fantasie ist es, die Parallelen zwischen dem menschlichen Antlitz und den geographischen Gegebenheiten auf dem Mond sucht und findet – nicht mehr und nicht weniger. Diese Assoziationen sind übrigens kulturabhängig, denn längst nicht überall auf der Welt sieht man ein menschliches Gesicht in den Formationen.

In China etwa ist es ein Hase und in Westafrika gar ein Krokodil, die Beobachter zu erkennen glauben. Damit ist das Geheimnis um den „Mann im Mond“ aber noch nicht vollständig gelüftet, denn warum gucken wir von der Erde aus eigentlich immer auf das gleiche „Mondgesicht“? Wenn sich der Mond dreht, dann müssten wir ihn doch eigentlich auch mal von der Seite anschauen können – oder dreht sich der Mond am Ende überhaupt nicht?

Natürlich dreht sich der Mond, ja er hat seine eigene Rotation sogar an die der Erde angepasst. Er dreht sich auf seiner Bahn um die Erde so schnell um sich selbst, dass wir immer nur die eine gleiche Mondseite zu sehen bekommen, quasi die Vorderseite – Astronomen sprechen hier im Hinblick auf die Drehung der Erde von einer sogenannten „gebundenen Rotation“.

Mit 31,2 Prozent befinden sich die meisten und größten dunklen Tiefebenen auf der Vorderseite des Mondes, auf der uns abgewandten Rückseite finden sie sich nur zu 2,6 Prozent. Aber warum ist das so? Heute gehen viele Astronomen davon aus, dass der Mond dort in einem frühen Entwicklungsstadium, als sein Mantel noch weitgehend flüssig war, von Meteoriten getroffen wurde, die die noch dünne Kruste durchschlugen und anschließend aufsteigende Gesteinsschmelze die Einschlagskrater flutete. Die geringere Krustendicke der Vorderseite war es demnach, die die Entstehung dieser Tiefebenen begünstigte. Dennoch: Ob es wirklich so war, weiß niemand, die Tiefebenen geben den Astronomen bis heute Rätsel auf.

Ganz im Gegensatz zu den Mythen, die sich um die „dunkle Seite des Mondes“ ranken. Die gibt es nämlich gar nicht. Da sich der Mond dreht, wird er auch auf seiner Rückseite von der Sonne beschienen – nur bekommen wir hier auf der Erde das leider nicht mit, eben weil er sich uns aufgrund seiner Eigenrotation immer nur von einer einzigen Seite zeigt.

Wann entsteht eine totale Mondfinsternis?
Foto:dpa

Bei der totalen Mondfinsternis tritt der Mond im Verlauf der Finsternis vollständig in den Kernschatten der Erde ein. Sonne, Erde und Mond liegen in einer Reihe. Die Erde hält das Licht der Sonne also ab und der Mond befindet sich im Schatten der Erde. Der Vollmond ist in dieser Nacht zum 28. September der Erde auch noch so extrem nah, dass dies Springfluten und Spannungen in der Erdkruste hervorrufen kann.

Warum erscheint der Mond diesmal so groß?

Die häufige Bezeichnung „Super-Mond“  ist etwas irreführend – jedenfalls  wenn man die Erkenntnis über die Sinneswahrnehmung stellt. Fakt ist: Den Beobachtern wird der Mond größer vorkommen. Fakt ist aber auch: So extrem nah wie der Erdtrabant sich zeigt, kommt er uns gar nicht. Der Abstand vom Mittelpunkt der Erde bis zum Mittelpunkt des Mondes beträgt zum Höhepunkt (Perigäum) um 3.52 Uhr 356.878 Kilometer. Rein wissenschaftlich ist der Mond damit bloß 14 Prozent größer als normal. Während des Spektakels nähert er sich allerdings immer weiter dem westlichen Horizont. Was wir nun wahrnehmen, ist eine optische Täuschung. Unser Gehirn stuft Objekte am Horizont ganz einfach näher ein, als wenn sie am Himmel sichtbar sind. So erscheint der Erdtrabant uns stark vergrößert.

Warum färbt der Mond sich rot?
Foto:imago/ZUMA Press

Der Mond befindet sich bei der Mondfinsternis im Schatten der Erde, doch er wird nicht komplett finster: Langwelliges Licht, das von der Erdatmosphäre gebrochen und in den Schattenbereich gestreut wird, färbt ihn während der Finsternis ein. Verschiedene Farben im Licht werden dabei unterschiedlich stark abgelenkt - und besonders der rote Anteil fällt auf den Mond. Je nachdem, welche Teilchen gerade in der Lufthülle der Erde schweben, kann der Mond dann etwa rötlich-braun, kupferrot oder sehr dunkelrot schimmern.

Was ist ein „Erntemond“?

Erntemond („harvest moon“) bezeichnet den dem Herbstbeginn nächsten Vollmond. Dieser ermöglichte früher den Bauern durch seine Helligkeit das nächtliche Arbeiten auf den Feldern. Der Erntemond ist nicht nur hell, sondern auch verblüffend pünktlich: Er geht in dieser Zeit beinahe eine Woche lang um fast die gleiche Zeit auf – nämlich gegen Sonnenuntergang (und dadurch oft in rötlichem Glanz am Horizont). Das war ein perfekter Übergang der Himmelslichter für die Bauern der damaligen Zeit, die die Ernte vor dem Wintereinbruch einholen mussten. Durchschnittlich geht der Mond nämlich in jeder folgenden Nacht um ca. 50 Minuten später auf.

Wann sollte man aufstehen, um nicht das Beste zu verpassen?

Um 3.52 Uhr am 28. September wird das Perigäum (Erdnähe) erreicht. Wer den Höhepunkt des mehrere Stunden dauernden Schattenspiels nur mal kurz bestaunen will, „sollte am besten den Wecker auf halb fünf stellen“, rät Alexander Weis von der Vereinigung der Sternfreunde, die ihren Sitz im südhessischen Heppenheim hat. Von 4.11 Uhr bis 5.24 Uhr befindet sich der Mond vollständig im Kernschatten: Die Finsternis ist total. Die Mitte ist somit um 4.47 Uhr.

Die Spannung steigt schon um 03.07 Uhr, wenn der Mond in den Kernschatten der Erde eintritt. „Das werden Sie sehen: Da ist was los“, sagte Weis. Auch das Verlassen des Kernschattens um 6.27 Uhr sei noch gut erkennbar. Kurz danach ist aber alles vorbei, dann nämlich, wenn die Dämmerung einsetzt

Wo kann ich den Blutmond am besten sehen?

Viel Aufwand zum Beobachten des Spektakels ist nicht erforderlich: Einfach Richtung Südwesten gucken, ein Blick aus dem Fenster kann ausreichen. Wer möchte, kann zum Fernglas greifen und gleich die schwachen Sterne sehen, an denen der Mond vorbeizieht.

Der Mond werde nicht durch die Mitte des Erdschattens ziehen, sagte Michael Khan vom Kontrollzentrum der Europäischen Weltraumorganisation (Esoc), „sondern nur knapp unter“ dieser Linie.

Beobachtet werden könnte die Mondfinsternis in Deutschland praktisch überall gleich gut. Künstliches Licht dürfte aber stören. „Nicht unter die Straßenlaterne stellen“, rät Björn Voss, Leiter des Planetariums im LWL-Museum für Naturkunde in Münster. In den Städten ist die Lichtverschmutzung höher als auf dem Land. Für eine optimale Sichtbarkeit ist ein nächtlicher Ausflug aufs Land ein guter Plan.

Hauptsache, das Wetter spielt mit. Am besten wäre ein klarer Himmel, Wolken stören immer. Wie das Wetter wirklich wird, sei erst wenige Tage vorher vorhersagbar, betonte der Deutsche Wetterdienst in Offenbach. Alles andere sei ein Blick in die Glaskugel.

Die Finsternis ist bei gutem Wetter in ihrer vollen Länge in vielen Ländern Europas, aber auch etwa in Teilen Afrikas und Amerikas sichtbar. Wer das Ereignis verschläft, muss sich gedulden: Der nächste Supervollmond lässt bis 2033 auf sich warten. Das Tripel aus Erntemond, Vollmond und Supermond wird es erst wieder im Jahr 2574 wieder geben.

Wie fotografiere ich das Schauspiel am Besten?
Foto:imago/Kyodo News

Aufgrund des besseren Bildrauschverhaltens bietet sich die Nutzung einer digitalen Spiegelreflexkamera an. Eine Spezialausrüstung mit Filtern etc. wie bei einer Sonnenfinsternis ist für das bloße Festhalten aber nicht vonnöten. Auch die Augen haben keine schädliche Strahlung zu befürchten.

Selbst mit normalen Digitalkameras lassen sich inzwischen würdige Resultate erziehlen. Unbedingt wichtig ist die Abschaltung des Blitzes. Eine manuelle Einstellbarkeit der Belichtungszeit ist wünschenswert, aber nicht obligatorisch.

Da die Belichtungszeiten hoch sind, ist die Nutzung eines Stativs selbst bei Bildstabilisatoren unumgänglich. Auf diese Weise lassen sich einige Sekunden Belichtungszeit erreichen, ohne dass das Bild verwackelt. Außerdem sollte man einen Fernauslöser verwenden, um Vibrationen beim Auslösen zu vermeiden. Belichtungsreihen erzeugen zwar viel Aussschuss, doch erhöhen die Chancen auf eine gute Ausbeute. Da der Mond sehr unterschiedlich ausleuchtet, kann eine Überbelichtung schnell zum  „Verlust“ der hellen Stellen führen. 

Ein weiteres Problem ist, dass sich der Mond doch recht schnell bewegt. Bei 300mm Brennweite muss man per Iso- und Blendeneinstellung schon Belichtungszeiten über 1,5 Sekunden vermeiden, da Mond und Sterne sonst durchs Bild wischen. Das sollte angesichts der Größe des Mondes aber leicht zu bewerkstelligen sein.

Schon ab 200 mm lassen sich sehr schön die Strukturen auf der Mondoberfläche festhalten. Im Weitwinkelbereich hingegen kann auch über 10 Sekunden belichtet werden. Je länger man belichtet, desto mehr Sterne werden sich im Bild um den Mond reihen.

 
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