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Hilferufe auch aus SH : Bis Silvester ohne Schulden zurück in die Krankenkasse

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Mehr als 137.000 Bundesbürger sind nicht versichert – darunter auch Schleswig-Holsteiner. Noch haben sie die Chance, von ihren Lasten befreit zu werden. Bei den Betroffenen sind inzwischen hohe Schulden aufgelaufen.

shz.de von
erstellt am 23.Dez.2013 | 17:23 Uhr

Kiel | Noch 192 Stunden – dann schließt sich die Tür, mahnt Schleswig-Holstein Bürgerbeauftragte Birgit Wille. Die Chance schuldenfrei in die Krankenversicherung zurückzukehren, sind dann gleich null. „Ein Schuldenerlass kann nur noch bis zum 31. Dezember 2013 beantragt werden. Betroffene sollten dringend diese Chance nutzen und sich schnell bei der Krankenkasse melden, der sie zuletzt angehört haben.“

Obwohl es seit 2007 eine Versicherungspflicht gibt – seit 2009 auch für frühere Privatversicherte – sind mehr als 137.000 Bundesbürger nicht ordnungsgemäß krankenversichert, schätzen Experten. Bei den Betroffenen sind inzwischen hohe Schulden aufgelaufen – nicht nur die seit dem Stichtag 2009 ausstehenden monatlichen Krankenkassenbeiträge, sondern auch die Säumniszuschläge.

„Bei uns sind zahlreiche Hilferufe von Bürgern eingegangen, die von ihrer Schuldenlast erdrückt werden. Die Betroffenen berichteten, dass sie deshalb jeglichen Kontakt mit den Krankenkassen meiden und auch zum Teil notwendige Arztbesuche unterlassen“, stimmte die Bürgerbeauftragte des Landes Schleswig-Holsteins, Birgit Wille, in der Vergangenheit in den Chor der Kritiker ein. Die Bundesregierung reagierte und änderte die Gesetze. Statt Wucherzinsen dürfen die Kassen jetzt „nur“ noch 12  Prozent Säumniszuschlag kassieren, und Nichtversicherte, die sich bis Silvester melden, bekommen die bereits aufgelaufenen Schulden erlassen. Zudem gibt es seit Mitte Juni für ehemalige Privatversicherte einen günstigeren Notlagentarif.

Trotz dieser Erleichterungen haben sich bis dato nur wenige tausend Nichtversicherte gemeldet. Wie der GKV–Spitzenverband am Freitag in Berlin erklärte, sind seit August rund 5000 Menschen, die bislang nicht krankenversichert waren, bei einer Kasse aufgenommen worden. Ihnen wurden Beitragsschulden in Höhe von 15 Millionen Euro erlassen. So haben sich bei der Barmer GEK  bis Ende November lediglich 345 Nichtversicherte angemeldet. Bei der AOK  Schleswig-Holstein waren es bis gestern 330. Dabei könnten etwa 2000 „Altfälle“ vom Schuldenerlass profitieren, wie AOK-Sprecher Jens Kuschel in Kiel mitteilte.

Als ein Grund für die geringe Nachfrage wird in Kassenkreisen vermutet, dass zahlreiche Betroffene, etwa kleine Selbstständige, sich aus finanziellen Gründen nicht melden. Sie befürchten offenbar, auch in Zukunft ihre Beiträge nicht zahlen zu können. „Es ist davon auszugehen, dass sich die Beitragsrückstände kurz- bis mittelfristig wieder aufgebaut haben werden“, fürchtet Kuschel.

Im Büro der Bürgerbeauftragten in Kiel stehen die Telefone in diesen Tagen nicht still. Viele Betroffene fragen nach, an welche Kasse sie sich wenden müssen und was passiert, wenn sie die erforderlichen Versicherungsprämien nicht aufbringen können.

Wegen des Termindrucks haben die Mitarbeiter der Bürgerbeauftragten für soziale Angelegenheiten auch am 27. und 30.Dezember jeweils von 9 bis 15 Uhr ein offenes Ohr für Ratsuchende. Infos unter www.landtag.ltsh.de/beauftragte/bb/; Postfach 7121, 24171 Kiel; Tel.: 0431-988-1240; Fax: -1239; buergerbeauftragte@landtag.ltsh.de. 

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