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Schleswig-Holstein

17. Dezember 2017 | 03:53 Uhr

Lehrerausbildung : Bewegung im Uni-Streit

vom

Der Streit um die Lehrerausbildung in Schleswig-Holstein hält weiter an. Wissenschaftsministerin Waltraud Wende äußerte sich nun im Bildungsausschuss des Landtags zu den Vorwürfen über ihre Kostenberechnung für die Lehrerausbildung in Flensburg.

shz.de von
erstellt am 08.Mai.2014 | 15:46 Uhr

Kiel | Wenig Neues, aber ein Kompromiss-Signal und neue Gespräche im Streit um die künftige Lehrerausbildung in Schleswig-Holstein: Wissenschaftsministerin Waltraud Wende zeigt sich bei der Fächerzahl für die Uni Flensburg offen. Das signalisierte die parteilose Politikerin am Donnerstag in Kiel. Im Bildungsausschuss des Landtags blieb Wende aber sowohl bei ihren grundsätzlichen Plänen für die Sekundarlehrerausbildung in Flensburg als auch bei ihren Kostenberechnungen.

Die Opposition vermisste neue Fakten und verlässliche Zahlen. Die Koalitionsfraktionen von SPD, Grünen und SSW versprachen ein gutes Gesetz, das sie noch vor der Sommerpause beschließen wollen. Sie signalisierten aber auch Änderungen an der Regierungsvorlage: „Über mögliche Änderungen am Entwurf werden wir gemeinsam beraten.“ Für Dienstag ist dazu eine gemeinsame Pressekonferenz geplant.

Das Ministerium kalkuliert für den Ausbau in Flensburg mit gut 1,3 Millionen Euro für Personal im Jahr und einmalig 1,2 Millionen für Investitionen. „Das wird so hinkommen“, sagte Wende vor Journalisten. „Wir haben das noch mal nachgerechnet“, sagte sie. Die Uni Kiel und andere Kritiker gehen von weit höheren Summen aus.

Die Ministerin will für Flensburg dabei bleiben, alle Sekundarschullehrer dort für die Klassen 5 bis 13 auszubilden. „Da wird es keine Änderungen geben“, sagte Wende, die für ihren Kurs die Rückendeckung von Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) hat. Nach ihrer Ansicht sollen alle Lehrer die Schüler bis zum Abitur führen können. Einen Sekundarlehrer nur bis Klasse 10 soll es demnach nicht mehr geben. Dies widerspricht auch einem Wunsch der Grünen. Bis Anfang nächster Woche wollen die Koalitionsfraktionen hier einen Konsens erreichen. Wende sagte, in einem parlamentarischen Verfahren seien Änderungen an einer Regierungsvorlage ganz normal. Bei eventuellen Änderungen dürfe es keine signifikanten Mehrkosten geben. Über die Zahl der Fächer in Flensburg könne geredet werden, sagte Wende. Gegen 13 Fächer in der Sekundarstufe II statt der zunächst vereinbarten 7 wehrt sich die Kieler Uni massiv. Sie befürchtet in der Folge Einbußen für die eigene Hochschule. Wende kündigte Gespräche mit der Uni Flensburg am Freitag und mit den Kielern am Montag an. Am Dienstag sollen sich alle drei Seiten treffen. Bisher waren Konsensgespräche zwischen beiden Hochschulen gescheitert.

Nach Wendes Darstellung soll der Kieler Uni-Präsident Gerhard Fouquet am 27. März noch keine Bedenken zu den 13 Fächern geäußert haben. „Dreimal hat Herr Fouquet Ja gesagt“, sagte Wende. Eine Woche später habe er das dann nicht mehr für akzeptabel gehalten und behauptet, nicht informiert worden zu sein. Die von ihr vorgesehene Anhebung auf 13 statt 7 Fächer in Flensburg sei Ergebnis der Anhörung gewesen, sagte Wende. Auch Kiel müsse seine Hausaufgaben machen, sich bewegen und sich darüber im Klaren sein, dass die Lehrerbildung ein Herzstück ihres Profils sei. Auch müsse hier der Praxisbezug erhöht werden.

Die Kieler Uni kalkuliert bei dem angestrebten Ausbau in Flensburg allein für Labore mit einem Mehrbedarf von 55 Millionen Euro. Diese Summe würde Wende zufolge einem Neubau mit höchstmöglichem Forschungsniveau von 5500 Quadratmetern entsprechen. Davon könne im Fall Flensburg nicht die Rede sein. Dort gebe es moderne Labore, die erst 2002 eingerichtet worden seien.In einem langen Powerpoint-Vortrag legte Wende detailliert ihre Pläne, Zahlen und Fakten dar, bevor die ungeduldige Opposition mit ihren Fragen zum Zuge kam. „Wir haben nichts Neues gehört“, sagte CDU-Hochschulexperte Daniel Günther nach Wendes zweieinhalbstündigem Auftritt. Die Ministerin habe eingeräumt, dass ihre Zahlen nicht gegengeprüft seien. „Nun muss die Kostenfrage durch eine weitere Anhörung geklärt werden.“

FDP-Fraktionsvize Christopher Vogt sprach von Fantasiezahlen und sah mehr Fragen hinzugekommen als geklärt. Der Gesetzentwurf sei im Grunde nicht beratungsfähig. Vogt forderte Albig auf, das Thema zur Chefsache zu machen und einen Neustart einzuleiten.

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