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Tiere sollen Mitleid erwecken : Bettelei mit dem Hund nimmt zu

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Vierbeiner sollen das Herz erweichen: Auch in Schleswig-Holstein werden immer häufiger Tiere, meist junge Hunde, zum Betteln eingesetzt. Tierschützern ist dieser Trend ein Dorn im Auge.

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erstellt am 26.Mai.2013 | 02:37 Uhr

Husum | Menschen, die, eine leere Dose vor sich, an Häuserwänden sitzen und aktiv oder passiv Geld erbitten, gehören zum Straßenbild, auch in schleswig-holsteinischen Städten. Immer häufiger aber führen sie Tiere bei sich, meist junge Hunde. Tierschützern ist dieser Trend schon länger ein Dorn im Auge. Jetzt ist das Deutsche Tierschutzbüro vorgeprescht mit der Forderung, das Betteln mit Tieren generell zu verbieten.
Denn von den Spenden mitleidiger Passanten profitieren in den wenigsten Fällen die Bettler und schon gar nicht die Tiere, weiß Tierschutzbüro-Pressesprecher Stefan Klippstein aus vielen Beobachtungen in Berlin, einem der Brennpunkte des Phänomens. Vielmehr handele es sich oft um "mafiaartig organisierte Banden", das Geld kassierten Hintermänner. Ausdrücklich ausgenommen sehen von dieser Kritik will er Obdachlose mit Hund. Für sie seien ihre vierbeinigen Begleiter Lebenspartner. Deutliches Unterscheidungsmerkmal: Bei der organisierten Bettelei werde das Tier in den Fokus gerückt und mitleidheischend in Szene gesetzt wird.

Vierbeiner werden alle paar Wochen ausgetauscht


Auch in Schleswig-Holstein sind regelmäßig Personengruppen mit Hunden zu beobachten, die frühmorgens diese Woche in der Schleswiger Fußgängerzonge, nächste Woche in Husum ausschwärmen. Die Menschen bleiben gleich, aber die in der Regel jungen Vierbeiner werden alle paar Wochen ausgetauscht - in aller Regel dann, wenn sie nicht mehr dem Kindchenschema entsprechen, das das Herz mitleidiger Menschen erweichen soll.
Diesem Mitgefühl nachzugeben und Geld zu geben, nutze lediglich den kriminellen Drahtziehern, betont Klippstein. Ein solches Tier gar in guter Absicht "freizukaufen", sei aus gleich mehreren Gründen ein großer Fehler: Erstens befeuere man damit den Markt, für Nachschub sei jederzeit gesorgt. Zweitens handele man sich damit häufig selbst Probleme ein.

Massenzuchten in Osteuropa


Denn die Tiere stammten meist aus Massenzuchten in Osteuropa - das heißt, sie sind weder artgerecht aufgezogen und sozialisert noch geimpft, nicht selten krank und verhaltensgestört. Verboten ist der Einsatz von Katzen und Hunden zum Betteln den Angaben zufolge nicht, sehr wohl dagegen der Straßenverkauf. Hier also liegt ein rechtlicher Hebel, diese Art von Geschäften zumindest zu stören. Voraussetzung ist, dass der Verkauf sich beweisen lässt - ein Grund für Berliner Tierschützer, regelmäßig entsprechende verdeckte Aktionen zu starten.
Eine weitere Möglichkeit, die organisierten Bettler aufzuschrecken, sind nach den Erfahrungen des Tierschutzbüros regelmäßige Überprüfungen durch die Ordnungsbehörden, Stefan Klippstein: "Haben die Tiere nicht die nötigen Impfpapiere, kann das Veterinäramt einschreiten und sie beschlagnahmen."
Da die Banden sich allerdings auf Veränderungen schnell einstellen - etwa mit gefälschten Impfausweisen oder einem Wechsel des Standortes - ist ein generelles Verbot dieser Art der Bettelei nach Überzeugung vieler Tierschützer unverzichtbar. Zuständig dafür seien die Ordnungsbehörden vor Ort, gern zitiertes Modell Schwerin mit einem entsprechenden Verbot für die Innenstadt.
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