Meidas-Klinikum Burghausen : Bericht: Klinik wirbt mit totem Schleswig-Holsteiner für Krebstherapie

Krebszellen unter dem Mikroskop (Symbolbild).
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Krebszellen unter dem Mikroskop (Symbolbild).

Klinikchef: Werbung für umstrittenes Heilverfahren mit Verstorbenen war ein „Unglücksfall“.

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18. April 2017, 10:33 Uhr

Burghausen/Bargteheide | Schwere Vorwürfe gegen eine Krebsklinik in Oberbayern: Das Medias-Klinikum in Burghausen soll für den Erfolg einer Krebstherapie geworben haben mit Protagonisten, die bereits verstorben sind. Darunter befindet sich nach Recherchen des NDR auch ein Mann aus Bargteheide im Kreis Stormarn in Schleswig-Holstein.

NDR und die „Süddeutsche Zeitung“ berichten über die umstrittene Krebstherapie der Klinik und die angebliche Werbung mit Toten. Demnach geht es um eine sogenannte Regionale Chemotherapie, kurz RCT. Dabei werde dem Patienten Zellgift direkt in den Tumor gespritzt.

Bei dem Mann aus Bargteheide sei diese Therapie zunächst mit Erfolg angewandt worden, schreibt der NDR. Allerdings sei er dann 2014 mit 69 Jahren verstorben. Das Klinikum habe dann im November 2016 über den Bargteheider auf seiner Facebook-Seite geschrieben:  „Seltener Gesichtskrebs: RCT rettete mein Leben“.

Der Chrirurg Professor Reinhard Aigner vom Medias-Klinikum bezeichnete das laut den Recherchen als „Unglücksfall“. 

Laut Bericht ist der Mann aus Bargteheide aber kein Einzelfall. Auch mit anderen bereits toten Patienten sei geworben worden. Eine frühere „Bild“-Reporterin sei mit einer monatlichen Pauschale bezahlt worden, um entsprechende Fälle in Frauenzeitschriften und Boulevardzeitungen unterzubringen. Klinikchef Aigner habe das eingeräumt. Die „Süddeutsche Zeitung“ zitiert ihn, er habe immer kritisiert, dass in Frauenzeitschriften seine Patienten als „geheilt“ bezeichnet worden seien. Von einer Heilung, so der Arzt, könne erst 15 Jahre nach einer Behandlung gesprochen werden.

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