Wohnraumknappheit : Bauminister Hans-Joachim Grote: Mehr sozialer Wohnungsbau in Schleswig-Holstein

Statt immer neuer Einfamilienhausgebiete sollen Bürgermeister auch auf dem Land künftig mehr Flächen für Mehrfamilienhäuser ausweisen.

Statt immer neuer Einfamilienhausgebiete sollen Bürgermeister auch auf dem Land künftig mehr Flächen für Mehrfamilienhäuser ausweisen.

Bezahlbarer Wohnraum fehlt vor allem in den Städten. Aber auch ländliche Gemeinden sollen nachverdichtet werden.

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24. Oktober 2018, 11:36 Uhr

Kiel | Schleswig-Holsteins Bauminister Hans-Joachim Grote (CDU) will mit Bürokratieabbau bessere Rahmenbedingungen für den sozialen Wohnungsbau schaffen. „Es gibt viel zu viele Normen und Richtlinien, die das Bauen unnötig teuer machen“, sagte Grote. Mindeststandards zur Gefahrenabwehr müssten natürlich eingehalten werden. „Aber muss wirklich jede Norm, auch für Wasserhähne und Türdrücker, vertraglich vereinbart werden?“

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Bezahlbarer Wohnraum steht im Mittelpunkt der Konferenz der Bauminister der Länder und des Bundes am Donnerstag und Freitag in Kiel. „Über allem steht die Frage, wie wir es schaffen, in den Bundesländern für die Menschen mehr Bauland und mehr Wohnraum bereitstellen zu können“, sagte Grote.

Mehrfamilienhäuser auch auf dem Land

Ansatzpunkte könnten eine Verdichtung der Innenstädte, der Ausbau von Dachgeschossen zu Wohnungen oder die stärkere Zusammenarbeit auf kommunaler Ebene sein. „Wir denken auch über einen stärkeren mehrgeschossigen Wohnungsbau im ländlichen Raum nach.“ Einen positiven Effekt verspricht sich Grote auch von einer stärkeren Angleichung der Bauordnungen in den Ländern.

Dadurch würden Bauplanungen in unterschiedlichen Bundesländern für Architekturbüros einfacher und damit auch kostengünstiger, sagte Grote.

Noch bis Ende des Jahres laufe das größte Wohnraumförderprogramm in Schleswig-Holsteins Geschichte, sagte Grote. „Allein im vergangenen Jahr haben wir mehr als 1700 neue Wohnungen gefördert.“ Für die Jahre 2019 bis 2022 stehen weitere 700 Millionen Euro für den Sozialen Wohnungsbau bereit.

Serielle Fertigung als Modell der Zukunft

Der Verband Norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW) begrüßte den geplanten Vorstoß Grotes auf der Bauministerkonferenz. „Die Landesregierung in Kiel hat verstanden, worum es geht“, sagte VWN-Direktor Andreas Breitner. Ein gemeinsamer Grundsockel im bundesdeutschen Baurecht sei überfällig. „Wir brauchen ein einheitliches Bundesbaurecht. Dazu gehören Typengenehmigungen.“ In einem Bundesland genehmigte Wohngebäude müssten auch an anderer Stelle ohne aufwendige Prüfungsverfahren errichtet werden können. Als Beispiel nannte er das Systemhauskonzept der städtischen Saga in Hamburg.

Bürgermeister sollten rasch Voraussetzungen für den Bau bezahlbarer Wohnungen schaffen, sagte Breitner. „Dazu gehört die Stärkung der Ortskerne und auch einmal der Verzicht auf die Ausweisung eines neuen Einfamilienhausgebietes.“

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