Ernteausfälle : Bauernverband fordert Landeshilfen wegen anhaltender Dürre

Aukrug-Homfeld: Landwirte stehen auf einem Feld mit vertrocknetem Winterroggen.

Aukrug-Homfeld: Landwirte stehen auf einem Feld mit vertrocknetem Winterroggen.

Sowohl Bauernverband als auch Landwirtschaftskammer läuten die Alarmglocken. Hilfe vom Land werde dringend benötigt.

shz.de von
27. Juli 2018, 19:00 Uhr

Der Bauernverband hat wegen drastischer Ernteausfälle in Schleswig-Holstein Unterstützung von der Landesregierung eingefordert. „In dieser dramatischen Situation halten wir es für absolut erforderlich, dass das Land die betroffenen Landwirte nach allen Möglichkeiten unterstützt“, sagte Bauernpräsident Werner Schwarz am Freitag.

 

Ertragsverluste von 30 Prozent und mehr

Als Beispiele nannte er mögliche Steuer- und Pachtstundungen sowie antragslose Grünland-Umbrüche für Tierhalter, um Futter für die Tiere sicherzustellen. Die langanhaltende Trockenheit sei beispiellos. „Es gibt keinen richtigen Vergleichsmaßstab.“ Laut Landwirtschaftskammer gibt es bei Winterweizen und Wintergerste Ertragsverluste von 30 Prozent und mehr. Massive Ausfälle sind auch bei Raps, Mais, Heu und Kartoffeln zu erwarten.

Ertragsverluste in nahezu allen Bereichen

Auch die Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein betont die prekäre Lage. In einem Faktenpapier zur aktuellen Trockenheitssituation schreibt sie: „Frühsommertrockenheiten hat es schon öfter gegeben, aber nicht in diesem Ausmaß.“ Die Ertragsverluste würden sich auf nahezu alle Bereiche ausweiten. Besonders die Getreide- und Rapsernte, die Futterernte (Gras, Heu, Silomais) sowie die Kartoffel- und Zuckerrübenernte leiden in diesem Jahr. Das wirke sich auch auf die viehhaltenden Betriebe aus, da die Futtermittel knapp und immer teurer seien. Viehbestände wurden bereits angepasst.

Risikomanagement muss ausgeweitet werden

Die Landwirtschaftskammer befürchtet, dass einige Betriebe aufgrund der Dürre in eine „finanzielle Schieflage“ geraten würden. Zur Zeit sei die Beratung der Landwirtschaftskammer aufgrund der Einnahmeverluste stark gefordert, um Liquiditätspläne als Vorbereitung für anstehende Bankgespräche zu erstellen.

Daraus schlussfolgert die Kammer, dass das Risikomanagement in der Landwirtschaft weiter verbessert werden müsse. Außerdem sollte ein abgestimmtes Finanzmanagement zur Abfederung finanzieller Risiken beitragen.

Kritik an Robert Habeck

Der Bauernverband äußerte sich außerdem unzufrieden mit der Arbeit des scheidenden Landwirtschaftsministers Robert Habeck (Grüne). Man fühle sich „im Stich gelassen“, sagte Bauernverbandspräsident Werner Schwarz am Freitag. Habeck sei „nicht vor Ort und da hat das Fachministerium versagt“. Dem Grünen-Bundesvorsitzenden unterstellte er „reinen Populismus“: „Der Minister ist hier sechs Jahre Fachminister in Kiel gewesen und hat überhaupt nichts gelernt.“

Habeck sagte zu den Vorwürfen, „bei aller guten Zusammenarbeit und allen gefundenen Kompromissen, haben der Bauernverband und ich uns im Grundsatz nicht einigen können“. Das werde auch aktuell deutlich. „Der Bauernverband setzt auf ein permanentes Wachstum der Betriebe, während meine Arbeit immer darauf gezielt hat, Alternativen zum Prinzip Wachse oder Weiche zu finden.“ Laut Habeck müssen in der verbleibenden Vegatationszeit alle Möglichkeiten zur Gewinnung von Futter genutzt werden. „Wenn es zu ausreichenden Niederschlägen kommt, müssen die Landwirte nicht nur auf den jetzt abgeernteten Feldern versuchen noch Futterpflanzen anzubauen. Genauso muss überlegt werden, ob nicht Felder, deren Ertrag sowieso extrem gering ausfallen wird, da beispielsweise beim Mais aufgrund des Wassermangels kaum Kolben ausgebildet werden, früher gehäckselt werden, sodass noch eine weitere Zwischensaat zur Futtergewinnung möglich ist.“

Finanzministerin Monika Heinold (CDU) kündigte bereits Hilfsbereitschaft an. „Die Situation ist für viele Landwirte prekär. Wie schon in der Vergangenheit werden wir die Ermessensspielräume mit maximaler Flexibilität und Augenmaß je nach Lage des Einzelfalls ausschöpfen“, sagte sie. Der CDU-Agrarpolitiker Heiner Rickers forderte, den unbürokratisch zu helfen. Dazu gehöre auch die Nutzung ökologischer Vorrangflächen und die Erneuerung der Grasnabe ohne Antrag.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen