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Sorge bei Landwirten : Bauern kämpfen um Land

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

In SH ist ein Streit ums Acker- und Grünland entbrannt: Die Pacht ist in den vergangenen drei Jahren um ein Drittel angestiegen. Manche Bio-Bauern können im Preiskampf nicht mehr mithalten.

Schwedeneck | Seine Pfeife brennt nicht richtig. Ein bisschen grimmig kaut Klaus Göttsche auf dem Mundstück herum, denn der Rauch ist im Moment nicht das einzige, das dem Bio-Landwirt aus Schwedeneck (Kreis Rendsburg-Eckernförde) fehlt. Denn ihm und seinem Sohn Malte gehen die Flächen aus. „In den vergangenen zwei Jahren haben wir rund 80 Hektar Pachtfläche verloren“, sagt Klaus Göttsche und schüttelt den Kopf. „Die konventionellen Bauern nehmen uns das Land weg.“ Schon stellen einige Bauern aus Kostengründen ihren Biobetrieb wieder auf traditionelle Wirtschaftsweise um, wie der Bauernverband bestätigt. „Das hört man überall mal“, sagt auch Klaus Göttsche.

In Schleswig-Holstein ist ein Kampf ums Acker- und Grünland entbrannt. Die Preise dafür sind nach Angaben des Statistikamtes Nord in den vergangenen drei Jahren um ein Viertel gestiegen. „Das ist schon enorm“, so der Sprecher des Bauernverbandes, Klaus Dahmke. Für einen Hektar Ackerland muss der Landwirt im Norden im Schnitt 423 Euro ausgeben. Doch es gibt auch höhere Preise, wie Klaus Göttsche erzählt. Bis zu 1100 Euro pro Hektar habe er für den Hektar zahlen sollen. „Vor sechs Jahren, als wir die Fläche gepachtet haben, haben wir noch die Hälfte bezahlt. Aber wo das so teuer geworden ist, mussten wir den Schwanz einziehen.“

Denn die konventionellen Bauern, die über 95 Prozent der Betriebe im Norden bewirtschaften, erzielen im Moment „in der Regel ordentliche Preise“, sagt Klaus Dahmke. Im Schnitt verdiene ein Bauer 64.000 Euro pro Jahr. Und weil das bewirtschaftete Land etwas abwirft, ist es begehrt. „Wenn irgendwo eine Fläche frei wird, gibt es viele Interessenten“, so Dahmke. „Und meist bekommt der den Zuschlag, der den besten Preis bietet.“ Und das sind immer seltener Bio-Landwirte, weil die auf dem gleichen Land meist weniger erwirtschaften. „Oft lässt sich eben mit Mais-Anbau für eine Biogasanlage dank der Förderung durch das Erneuerbare Energiengesetz mehr Geld erwirtschaften als mit Bio-Lebensmitteln“, sagt der Geschäftsführer von Bioland Schleswig-Holstein, Jens Maßlo. Die Gewinnspanne für die Biolandwirte sei zur Zeit nicht hoch genug. „Deswegen fordern wir auch von der Politik, dass unsere Landwirte in die Lage versetzt werden, ihre Flächen zu halten“, so Maßlo. Denn wo die staatliche Förderung stabil bleibe, gebe es auch mehr Ökolandbau. Das zeige der Blick in andere Bundesländer.

Klaus Göttsche will nicht nur Förderung, er kritisiert auch den internationalen Markt. „Bio gibt es doch schon von überall und überall.“ In jedem Discounter seien die Regale voll mit Bio-Lebensmitteln – zu relativ günstigen Preisen. „Die internationale Bio-Globalisierung macht uns regionale Landwirte kaputt.“

Durch den Verlust an Flächen werde das verstärkt. „Das Futter für unsere Tiere können wir nicht mehr selbst anbauen“, sagt Malte Göttsche. „Wenn wir es zukaufen, kostet es aber das Doppelte vom herkömmlichen Futter. Für den Liter Milch bekommen wir aber nur ein paar Cent mehr“, sagt der 30-Jährige, der vor eineinhalb Jahren den Hof von seinem Vater übernommen hat. Der klopft gerade seine Pfeife aus, wirft einen Blick in den Stall, in dem 80 Tiere stehen und sagt: „Die Verbraucher müssten auch mehr bezahlen. Denn die wissen nicht, was es alles kostet, was wir hier machen – oder besser was wir hier nicht machen.“ Doch auch Biokunden „lassen sich meist über den Preis leiten“, meint Klaus Dahmke vom Bauernverband.

Wenn es nach ihm ginge, sagt Klaus Göttsche, hätte er den Hof schon längst wieder auf konventionelle Produktion umgestellt – „aus finanziellen Gründen. Ich würde nicht mehr mit Chemie werfen wie früher, aber ich müsste auch nicht mehr alle Biostandards erfüllen. Das würde sich besser rechnen.“ Sein Sohn zögert, will die Bio-Idee, die sein Vater 1991 den Hof umstellen ließ, nicht aufgeben – noch nicht. „Ich bin aber schon ein bisschen gnaddelig auf Bio“, sagt Malte Göttsche. Eine Pfeife hat er nicht im Mund, aber die Zähne beißt er nach diesem Satz doch zusammen.

Konzentration auf dem Land
In Schleswig-Holstein bewirtschaften immer weniger landwirtschaftliche Betriebe immer größere Flächen. Insgesamt gab es im vergangenen Jahr 13.300 Betriebe, die eine Fläche  von 990.500 Hektar nutzten. Damit ging laut Statistikamt Nord die Zahl der Betriebe gegenüber der vorherigen Zählung von  2010 um 5,5 Prozent zurück. Die Fläche blieb hingegen konstant. So stieg die durchschnittliche Betriebsgröße von 71 auf 74 Hektar. Mit 4900 hat ein Drittel aller Betriebe in erneuerbare Energien  investiert, fast alle von ihnen  erzeugen Solarenergie, 500 haben Windkraftanlagen und 400 Biogasanlagen.
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erstellt am 05.02.2014 | 19:30 Uhr

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