Digitale Wirtschaft : Barcamp Flensburg 2017: „Man weiß, man trifft hier Fachpublikum“

<p>Diskussionen, Vorträge und selbst ausprobieren: Auf dem Flensburger Barcamp gibt’s viel Abwechslung.</p>

Diskussionen, Vorträge und selbst ausprobieren: Auf dem Flensburger Barcamp gibt’s viel Abwechslung.

Von Digitaler Agenda bis zu Personal-Training: Auf dem zweiten Flensburger Barcamp gibt's viel Abwechslung.

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24. März 2017, 17:27 Uhr

Flensburg | Wieder war er am Eingang aufgestellt, doch in diesem Jahr sollte er leer bleiben: der Sammelkorb für Krawatten. Alle Besucher des Flensburger Barcamps 2017 waren vorbereitet und hatten ihren Schlips lieber gleich zu Hause gelassen. Noch im vergangenen Jahr – bei der ersten Auflage der Unkonferenz – mussten einige Teilnehmer ihre Krawatten in dem geflochtenen Korb an der Tür zum Technologiezentrum  zurücklassen. Inzwischen hat sich diese Besonderheit wohl herumgesprochen.

Doch nicht nur über die Veranstaltung und ihre Besonderheiten, auch auf dem Barcamp selbst wird viel geredet: In mehr oder weniger spontanen 45-minütigen Sitzungen stellen die Teilnehmer ein Thema vor oder diskutieren Thesen und Fragen mit dem Publikum. Welche Themen es in den Zeitplan schaffen, bestimmt das Publikum, nicht die Veranstalter – daher der Name Unkonferenz.

„Der Mix macht’s“, sagt Mitinitiator Phil-Bastian Berndt. Von Medienkompetenz an Schulen, dem Phänomen Alternative Fakten über Künstliche Intelligenz und das Internet der Dinge bis hin zu einem Gesundheitscheck und Personal-Training ist alles dabei. In einer Hacking Area können die Besucher das Löten oder Augmented Reality ausprobieren:

 

Zum zweiten Mal Thema  auf dem Flensburger Barcamp: die Digitale Agenda des Landes. „Wir wollen erfahren, was die Leute beschäftigt“, sagt Jörg Nickel von der Kieler Staatskanzlei. Mit dem Feedback wolle man abklopfen, wo es hakt. Zum Beispiel bei der Förderung kleinerer Unternehmen und Start-ups. „Es gibt noch Leute, die durch das Netz fallen.“ Doch wer auf dem Barcamp seine Fragen stellt und nach neuen Impulsen sucht, wendet sich an die Richtigen, sagt Barbara Asmussen vom Organisationsteam: „Man weiß, man trifft hier Fachpublikum.“ Ziel der Veranstaltung sei, „über den Tellerrand“ zu gucken, sagt ihr Kollege Simon Hansen, und sich Anregungen und frischen Wind für eigene Projekte zu holen. Auch, wenn es manchmal unkonventionell zugeht:

 

In der Szene scheint diese Botschaft angekommen zu sein: Die je 180 Tickets für die beiden Veranstaltungstage waren innerhalb von nur einem Tag vergeben, viele Interessierte rutschten auf die Warteliste. Ein Luxusproblem, aber dennoch ein Problem, sagt Mitorganisator und Wireg-Chef Michael Otten. Im nächsten Jahr wolle man dafür sorgen, dass auch diejenigen eine faire Chance bekommen, die sich nicht ganz so schnell entscheiden können. In diesem Jahr konnten zumindest am Samstag noch alle Interessierten von der Warteliste aufrutschen. Dem Fairplay der Camper sei dank – jene, die nicht teilnehmen konnten, meldeten sich offiziell ab, loben die Organisatoren. 

Mehr Plätze sollen es vorerst nicht werden. „Wir wollen nicht das größte Barcamp werden, sondern das beste“, sagt Otten. Vergleichen lassen muss sich die Flensburger Ausgabe mit Unkonferenzen in Kiel, Lübeck oder Hamburg.

Und die Start-ups vor Ort mit jenen in großen Städten wie Hamburg oder Berlin. „Die Kompetenzen gibt es auch hier“, so der Wireg-Chef. Man müsse sie nur finden. Das Barcamp soll eine Plattform bieten, zum Kennenlernen, Kontakte knüpfen und Ideen austauschen. Auch die Möglichkeit, Stellenausschreibungen an qualifiziertes Publikum zu richten, gibt es hier – an der „Jobwall“.

Insbesondere auch Gäste aus Dänemark und etablierte Unternehmen aus der Region wolle man im nächsten Jahr ansprechen, damit diese innovative Partner vor Ort finden können, sagt Otten. Eines von ihnen ist bereits in diesem Jahr vertreten: mit Sven Kleinschmidt, Geschäftsführer der Flensburger Immobilien- und Beteiligungsgesellschaft C.C. Christiansen. Er sei neugierig gewesen, sagt er, und ist gleich an beiden Tagen beim Barcamp dabei. „Ob oder was dabei herauskommt – keine Ahnung.“ Etwas Neues lerne man aber immer.

Das erste Flensburger Barcamp hat bis heute positive Nachwirkungen, erzählen die Gründer: Die Reihen beim monatlich stattfindenden „CampMontag“ – eine Art „Mini-Barcamp“ – sind stets gut gefüllt, sagt Simon Hansen. „Der Bedarf ist da.“

Und in diesem Jahr hätten fast doppelt so viele Sponsoren die Veranstaltung unterstützt wie im letzten Jahr, freuen sich die Macher. Für das Barcamp 2018 hofft man also wieder auf neue Impulse und interessierte Barcamp-Neulinge – natürlich ohne Krawatte.

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