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SH-Kriminalstatistik 2016 : Banditen haben es schwerer: Zahl der Einbrüche sinkt deutlich

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Innenminister Stefan Studt spricht von einer Trendwende. 2016 gab es 24 Prozent weniger Einbrüche.

shz.de von
erstellt am 04.Feb.2017 | 09:56 Uhr

Kiel | In zwei Wochen stellt die Polizei die neue Kriminalstatistik vor. Innenminister Stefan Studt (SPD) wird an diesem Tag gute Nachrichten für Schleswig-Holstein verkünden: Die Zahl der Wohnungseinbrüche ist rapide gesunken, laut Innenministerium auf den niedrigsten Stand seit fünf Jahren.

shz.de liegen die Daten der polizeilichen Eingangsstatistik zu den Wohnungseinbrüchen im vergangenen Jahr vor: Demnach gab es 2016 mit 6900 Anzeigen rund 24 Prozent weniger Fälle als noch im Jahr davor. „Das ist eine klare Trendwende“, bestätigt Innenminister Stefan Studt. „Unser Konzept zur Bekämpfung dieses Deliktes trägt Früchte.“

Dabei hatten die Einbrecher zunächst kräftig losgelegt, im Januar stiegen die Fallzahlen im Vergleich zum Vorjahresmonat deutlich an. „Festnahmen von intensiv agierenden Tätern in allen Polizeidirektionen haben dann dazu geführt, dass die weiteren Monate deutlich unter dem Niveau des Vorjahres blieben“, erklärt Patrick Tiede, Sprecher des Innenministeriums.

Die meisten Zugriffe gab es im April, in diesem Monat legten Ermittler 18 Verdächtigen Handschellen an. Insgesamt wurden vergangenes Jahr 106 Einbrecher gestellt. Und so konnte die Polizei im Dezember 2016 einen Rückgang der Taten von rund 45 Prozent gegenüber Dezember 2015 verzeichnen. Statt 1580 Einbrüchen gab es nur 869.

„Die erfreuliche Tendenz ist wesentlich der intensiven polizeilichen und justiziellen Arbeit zu verdanken, außerdem der Aufmerksamkeit der Bürger von Schleswig-Holstein“, so Studt. Die Entwicklung gelte für alle Landesteile, allerdings in unterschiedlich starker Ausprägung.

Was konkret hat den Erfolg gebracht? Die Experten der Polizei nennen diese Punkte:

  1. Mehr Streifen auf der Straße, sobald Tatserien erkennbar waren – um schnell Fahndungsmaßnahmen einzuleiten. So wurden zum Beispiel in Kiel und Schwentinental über den normalen Regeldienst hinaus 13 Streifenwagen eingesetzt, davon acht zivile Fahrzeuge. Dazu kam ein Hubschrauber mit Wärmebildkamera. 28 Spurensicherer wurden neu eingestellt, die Auswertung von Spuren generell intensiviert.
  2. Die Polizei setzt auf Beratung der Bürger und schuf für den Hamburger Rand das Pilotprojekt „Einbruchsradar“. Darauf ist zu sehen, wo Täter gerade aktiv sind. „Das soll die Hemmschwelle senken, bei verdächtigen Beobachtungen die 110 zu wählen“, sagt Torge Stelck, Sprecher im Landespolizeiamt.
  3. Die Polizei hat durch Anhalte- und Sichtkontrollen wichtige Erkenntnisse über mobile Banden gewonnen. „Solche Kontrollen führen zwar meist nicht zu sofortigen Festnahmen, helfen aber, Strukturen zu erkennen und Ermittlungsverfahren einzuleiten.“
  4. Verbessert wurde auch die Kooperation mit den Polizeibehörden in Hamburg, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern, um Banden zu identifizieren. Studt: „Einbrecher kennen keine Landesgrenzen, und auch wir werden die Zusammenarbeit weiter intensivieren.“


Kommentar zum Thema: Der Staat zeigt Zähne gegen Einbrecher

Die Trendwende scheint geschafft zu sein: Viele Jahre gab es bei den Einbruchszahlen nur eine Richtung: Sie stiegen unaufhaltsam – bei sinkender Aufklärungsquote. Innenminister Stefan Studt (SPD), der wegen der traurigen Rekordwerte in die Kritik geriet, kann das Thema nun rechtzeitig zur Landtagswahl als Trumpf ausspielen: Die von der Polizei vergangenes Jahr registrierten Einbrüche sind um 24 Prozent gesunken, laut Innenministerium handelt es sich gemeinsam mit dem Jahr 2014 um den niedrigsten Wert seit fünf Jahren.

Woran das liegt? Für Minister Studt ist das keine Frage: An der Konzentration auf das Thema. Tatsächlich hat sich einiges bewegt, und Weichen wurden neu gestellt. Mit einem geschärften Konzept gegen Einbrecherbanden ist es gelungen, Personal und Technik so einzusetzen, dass Täter ermittelt oder gleich vor Ort gefasst werden können. Dazu wurden alle verfügbaren Kräfte in die Schlacht geworfen. Der Einsatz des Bundespolizeihubschraubers ist das deutlichste Beispiel dafür, dass die Staatsmacht es ernst meint und Zähne zeigt.

Hinzu kommt: Der Effekt solcher Maßnahmen verstärkt sich meist selbst. Einbrechern dürfte mittlerweile klar sein, dass das Risiko, geschnappt zu werden, größer geworden ist. 106 Täter wurden festgenommen. Und die Justiz zieht mit, ein großer Teil von ihnen kam in Untersuchungshaft.

Nicht zuletzt hat die Polizei auch ihre Präventionsarbeit verbessert und das Land einen Fördertopf für die Sicherung der eigenen Wohnung aufgelegt. Ein freundlicher Hinweis darauf, dass auch der Bürger es Einbrechern so schwer wie möglich machen sollte. Zeigt doch der Rückgang bei den Autodiebstählen, was Sicherheitstechnik bewirken kann. Denn trotz aller Erfolge: Eines kann die Polizei nach wie vor nicht: überall gleichzeitig sein.

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