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Bahnausfälle nach Sturm „Xavier“ : Bahnstrecke Berlin-Hamburg weiter mit Einschränkungen

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Auf vielen Strecken rollen die Züge am Sonntag wieder, doch Bahnreisende brauchen noch immer Geduld.

shz.de von
erstellt am 08.10.2017 | 00:00 Uhr

Kiel/Hamburg | Bahnreisende zwischen Berlin und Hamburg müssen vier Tage nach Sturmtief „Xavier“ wohl auch zum Wochenstart noch Geduld mitbringen. Zumindest ein Teil der Strecke sollte am Montagmorgen wieder freigegeben werden, von 6 Uhr an sollten die ersten Züge eingleisig fahren, hieß es am Sonntagnachmittag. In die andere Richtung - von Berlin nach Hamburg - könne die Strecke voraussichtlich erst am Mittwoch wieder freigegeben werden. Die Züge würden weiter über Uelzen und Stendal umgeleitet werden. Die Strecke sei besonders schwer von dem Sturmtief betroffen, hieß es. Auf einer Länge von sechs Kilometer seien die Oberleitungen massiv beschädigt.

Die wegen des Sturms „Xavier“ eingestellte Fernverkehrsstrecke Berlin-Hannover wurde bereits wieder aufgenommen. Die Strecke sei seit 15.30 Uhr am Samstag wieder frei, teilte die Deutsche Bahn mit.

Seit Sonntagmorgen fuhren die Züge zwischen Hannover und Bremen wieder. Obwohl die Reparaturen auf diesem Streckenabschnitt abgeschlossen wurden, konnte der reguläre Fahrplan zunächst noch nicht eingehalten werden. „Der Betrieb muss erst wieder hochgefahren werden“, erklärte eine Sprecherin.

Die Züge zwischen Schwerin und Berlin sollten voraussichtlich auch von Montag an wieder fahren, sagte der Sprecher. Das sei allerdings nur eine Prognose.

Züge aus dem Ruhrgebiet nach Osten fahren von Dortmund nach Hannover und wieder zurück. Reisende mit dem Ziel Leipzig oder Berlin könnten in Hannover umsteigen - und so mit einer allerdings erheblichen Verlängerung der Fahrzeit auch nach Berlin kommen. Das gelte auch für Fahrten von Berlin in den Westen.

Im  Nahverkehr sei ein Großteil der Strecken wieder befahrbar, sagte ein Bahnsprecher am Sonntag. An den Bahnhöfen habe sich die Situation ebenfalls deutlich entspannt. Die Fahrgäste informierten sich in der Regel gut vor Reisebeginn. Im Großraum Berlin und Magdeburg kam es noch zu Einschränkungen. Diese sollen Montagmorgen behoben sein. Die S-Bahn ist in Hamburg nach Angaben der Bahn wieder auf allen Strecken unterwegs. In Berlin fährt die Ringbahn wieder, auf anderen S-Bahn-Strecken gibt es noch Beeinträchtigungen.

In einer Bilanz listete die Bahn die Schäden auf: Mehr als 1000 Streckenkilometer seien betroffen gewesen, an mehr als 500 Stellen habe es Beschädigungen gegeben, die von Bäumen auf den Gleisen oder den Oberleitungen bis zu umgeknickten Oberleitungsmasten reichten.

Einen Tag nach dem heftigen Sturm haben am Hamburger Hauptbahnhof noch immer hunderte Reisende in langen Schlangen vor den Bahnschaltern gestanden. Die meisten Fernzüge fuhren aber am Freitagvormittag noch nicht wieder. Die Bahn bot deshalb Fernreisenden Taxifahrten nach Berlin, Bremen, Hannover oder Schwerin an. Sie mussten sich dafür einen Taxigutschein holen und konnten dann mit je drei anderen losfahren. Allerdings gab es auch für die Gutscheine längere Schlangen, und es standen auch nicht sofort Taxis bereit. Viele Reisende zeigten sich aber erleichtert, dass sie nach langem Warten endlich abreisen konnten.

Sturm „Xavier“ war am Donnerstagnachmittag mit Wucht auf den Norden getroffen, hatte vielerorts Bäume entwurzelt und für das Chaos im Bahnverkehr gesorgt. Für die gestrandeten Reisenden wollte die Bahn in Hamburg am Abend wieder sogenannte Hotelzüge zum Übernachten oder Ausruhen bereitstellen.

Die Bahntrassen würden derzeit mit Hubschraubern abgeflogen, um festzustellen, wo der Sturm Schäden angerichtet hat, sagte eine Sprecherin. Außerdem seien überall fahrbare Hebebühnen unterwegs, um heruntergerissene Oberleitungen wieder instand zu setzen. Es stünden keine Züge mit Fahrgästen auf offener Strecke, teilte sie mit.

Die Sperrungen im Überblick (Stand 17.11 Uhr):

  • Hamburg - Berlin
  • Leer (Ostfriesland) - Oldenburg - Bremen
  • Osnabrück - Hamburg
  • Hannover - Magdeburg - Berlin
  • Hamburg - Schwerin

Sturmtief „Xavier“ hat Reisende in ganz Deutschland dazu gezwungen, sich alternative Quartiere zu suchen. Etwa 20 Züge, in denen Gestrandete übernachten konnten, wurden in der Nacht zum Freitag zur Verfügung gestellt, wie ein Sprecher der Deutschen Bahn erklärte. So standen zum Beispiel drei Übernachtungszüge in Kassel-Wilhelmshöhe, außerdem gab es sogenannte Hotelzüge auch in Berlin am Hauptbahnhof und an den Stationen Spandau und Südkreuz sowie an den Hauptbahnhöfen in Köln, Dortmund, Bielefeld, Düsseldorf, Leipzig, Hamburg und Hannover.

Die Züge seien unterschiedlich genutzt worden, betonte ein Sprecher.  Während in einem ICE in Dortmund nur 30 Menschen übernachteten, sei ein Zug am Berliner Hauptbahnhof sehr gut gefüllt gewesen. Vor allem die großen Bahnhöfe in der Hauptstadt und in Hamburg waren von der Einstellung des Bahnverkehrs stark betroffen. Es gelte, „diese Strecken schnell wieder flott zu bekommen“, sagte der Sprecher.

Der Klimaforscher Mojib Latif vom Kieler Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung bezeichnete „Xavier“ im SWR als „Schnellläufer“. „Das ist ein Sturm, der nicht unbedingt vorhersehbar ist. Dieses Tiefdruckgebiet heißt so, weil es dann wirklich extrem schnell ziehen kann mit 100 Stundenkilometern.“ Beispiele dafür seien etwa der Sturm „Kyrill“ aus dem Jahr 2007 oder „Lothar“, der 2009 über West- und Mitteleuropa fegte.

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