Bärige Abenteuer in der Arktis

Lars und das  Produktionsteam:  Ralph Heinsohn, Janne Spielvogel, Jens Fischer, Eduard Thomas, Markus Schack (stehend v.l.), Friederike Balzereit, Heidemarie Goerigk, Berit Thomas, Katrin Knickmeier  (sitzend v.l.). Foto: Ozean der Zukunft/Mediendom Kiel
Lars und das Produktionsteam: Ralph Heinsohn, Janne Spielvogel, Jens Fischer, Eduard Thomas, Markus Schack (stehend v.l.), Friederike Balzereit, Heidemarie Goerigk, Berit Thomas, Katrin Knickmeier (sitzend v.l.). Foto: Ozean der Zukunft/Mediendom Kiel

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19. Januar 2011, 11:31 Uhr

Kiel | Eisbären sind Raubtiere und Klimawandel ist kompliziert. Wie kann man Kindern also am besten nahebringen, dass die Bären durch den Anstieg der Temperaturen gefährdet sind? Genau: Durch einen knuffigen Protagonisten, den alle kennen und den alle mögen. Mit Lars, dem Eisbären, haben die Macher des Mediendoms genau die passende Figur gefunden. Gestern wurde die neue 360-Grad-Produktion für die Kieler Kuppel erstmals der Presse und Kindern der Theodor-Heuss-Schule vorgeführt.

Berit Thomas hat Erfahrungen mit dem jungen Publikum. Als Lehrerin am Kieler Ernst-Barlach-Gymnasium hat sie zwar mit älteren Schülern zu tun; doch die Pädagogin produziert schon seit gut 15 Jahren gemeinsam mit ihrem Mann Aufführungen für den Mediendom. "Bildung muss ganzheitlich sein", sagt sie. "Wenn sich die Kinder dem Thema ganz hingeben können, wenn sie loslassen, dann saugen sie die Informationen auf."

So beginnt das Abenteuer in dem abgedunkelten Raum mit Blick in den Sternenhimmel - einer klassischen Aufgabe von Planetarien. Und der Sprecher Peter Kaempfe bezieht das junge Publikum mit ein: Sie sollen zeigen, wo der Große Bär zu sehen ist; lernen, wie man ihn erkennt.

"Kinder sind das dankbarste, aber auch das schwierigste Publikum", erklärt Eduard Thomas. Doch nicht nur sie müssen begeistert werden, sondern auch die Eltern, Großeltern und die Veranstalter anderer Planetarien. Dabei hilft den Kielern jetzt der Eisbär Lars dank seiner Popularität. Aber auch der gute Ruf der Kieler Produktionen. "Die Sternenfee Mira" war das erste Kuppel-Projekt, das Eduard Thomas und seine Frau Berit realisierten. Noch heute staunen sie, mit welch simplen Mitteln ihnen die Umsetzung gelang. Das Budget ist inzwischen größer, aber auch begrenzt.

Allerdings ist der Leiter des Mediendoms ein hervorragender Netzwerker. Er hat für die aufwändige Produktion zum einen Fördermitteln gewonnen - von Bingo, der Umweltlotterie, der Filmwerkstatt Kiel und dem Kieler Planetarium. Dazu kommt ein motiviertes wie hochprofessionelles Team: Ralph Heinsohn, der einmal in Kiel studiert hat, zeichnet für das Kommunikationsdesign verantwortlich. Komponist Jens Fischer hat die Musik geliefert. Zusätzlich haben die Medienmacher dieses Mal noch geballte wissenschaftliche Kompetenz mit im Boot: das Exzellenz cluster "Ozean der Zukunft" von der Universität Kiel. Dr. Katrin Knickmeier steuert ihr Wissen über die zunehmende Erwärmung in der Arktis bei. Und ihre Kenntnisse über das Leben der Eisbären. Wie lange diese noch hier existieren können, ist ungewiss. Denn allein im vergangenen Jahr schrumpfte das Eis im Rekordtempo.

Nach der Einführung des Sternenbildes werden im Kuppel-Kino die Bilder aus dem Buch von Hans de Beer gezeigt - natürlich bearbeitet. Denn das Besondere an dieser Art der Vorführung ist ja der 360-Grad-Effekt, der dem Zuschauer den Eindruck vermittelt, mittendrin im Geschehen zu sitzen. In diesem Fall im Meer mitten zwischen Walen. Oder direkt neben einem sprechenden Kormoran. "Was erwartet ein Kind, wenn ein Kormoran spricht?" Sprecher Peter Kaempfe hatte hierfür die richtige Lösung. Eduard Thomas und Jens Fischer sind begeistert von dem Bremer Profi, der es versteht, nahtlos von Stimme zu Stimme zu wechseln. "Es muss ja hundert Prozent glaubwürdig sein", erklärt der Kieler Komponist.

Fischers Part wiederum war es, den Hör-Sinn anzusprechen. "Nach einem Film spricht jeder über das, was er gesehen hat. Aber nicht über das, was er gehört hat", bedauert er. Dabei ist das Sounddesign wichtig für diese Art der Produktion: So hat man an einigen Stellen das Gefühl, die Kälte tatsächlich zu spüren. Und das Exzellenzcluster lieferte neben Informationen beeindruckende, reale Bilder aus der Arktis. Denn "der Eisbär ist das Symbol für den Klimawandel", stellt Katrin Knickmeier fest. Aber: "Nur was du kennst, kannst du auch wirklich schützen."

Mit Lars haben die Universität und der Mediendom einen hervorragenden Botschafter für ihr Anliegen gewonnen.

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